Alt-Right und Andere:Wie steht Trump zu den Rechtsextremen?

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Warum wirken sie jetzt so stark?

Frauen, die Karriere machen, schwarze Studenten auf dem Campus, Transmenschen im Militär: Manche Menschen machen diese Fortschritte wütend. Ökonomisch und sozial Abgehängte schieben ihre Probleme darauf, dass Minderheiten sie "verdrängen". Vor allem die Alt-Right gilt als Anlaufstelle für junge Männer, die vorher nicht zur extremen Rechten gehörten. In den vergangenen Jahren haben sie einen Raum gefunden, um sich auszutauschen: Internetforen, in denen rassistische Memes geteilt werden, "Political Correctness" als Schimpfwort gilt und gelegentlich für Donald Trump geworben wird.

Trump hat damit Wahlkampf gemacht, die weiße Mehrheit anstelle von Minderheiten zu fördern. Die Rechten, die Trump dadurch mobilisiert hat, fühlen sich durch seine Wahl in ihrer Ideologie bestätigt. Und treten womöglich deswegen immer lauter und selbstbewusster in Erscheinung.

Wann trat die "weiße Vorherrschaft" international in Erscheinung?

Der Ausdruck "White Supremacy" ging erstmals 2015 um die Welt, als ein 21-Jähriger in einer Kirche in Charleston im Bundesstaat South Carolina neun Schwarze erschoss. Der Attentäter Dylann Roof bezeichnete sich selbst als Rassisten, er hatte vor der Tat ein Manifest der "Weißen Vorherrschaft" im Internet veröffentlicht. Er zeigte sich offen mit der Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika, jenen Südstaaten, die lange an der Sklaverei festgehalten hatten und darüber in einen Krieg mit den Nordstaaten eingetreten waren.

Als Reaktion auf das Attentat verbannte der Bundestaat South Carolina die Konföderierten-Flagge, die bis dahin vor dem Parlament geweht hatte. Das löste eine bundesweite Debatte aus zum Umgang mit Fahnen und Denkmälern, die an die Konföderierten Staaten erinnern - und rief gleichzeitig die Ultrarechten auf den Plan. Für sie ist die Fahne ein Symbol ihrer Wunschwelt, in der weiße Menschen den anderen überlegen sind. In Charlottesville erregten sich die Rechtsextremen über die Entscheidung der Stadt, eine Statue des Kriegsgenerals Robert E. Lee zu entfernen. Lee befehligte die Truppen der Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg und war Verfechter der Sklaverei.

Welches Verhältnis hat Trump zu den Rechten?

Seine ablehnende Haltung gegenüber Minderheiten und sein polterndes "Make America Great Again" hat Donald Trump bei den Ultrarechten beliebt gemacht und rechten Gruppierungen neuen Aufschwung gegeben. Schon im Wahlkampf hat er es lange vermieden, sich klar vom Applaus von rechts zu distanzieren. Schließlich hatte er mit der Alt-Right-Bewegung eine große Unterstützergruppe, die er nicht verlieren wollte.

Auch das rechtspopulistische Nachrichtenportal Breitbart stand im Wahlkampf auf Trumps Seite. Zwei Breitbart-Mitarbeiter holte sich Trump, sobald er Präsident war, als Chefstrategen und Berater ins Weiße Haus: Steve Bannon und Sebastian Gorka. Trump scheint es egal zu sein, von wem die Unterstützung kommt. Auch den Zuspruch des Rassisten und früheren Ku-Klux-Klan-Führers David Duke ließ er zunächst zu. Er kenne diese Gruppe nicht, deshalb könne er sie nicht verurteilen, sagte Trump. Anfang des Jahres zögerte Trump lange, mehrere Gewalttaten gegen Muslime und Juden in den USA zu verurteilen. Nach Charlottesville beklagte er lediglich "Gewalt von vielen Seiten."

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