Süddeutsche Zeitung

Alt-Right und Andere:Wer Amerikas Rechtsextreme sind

Lesezeit: 4 min

Ku-Klux-Klan trifft auf Alt-Right-Bewegung: Alte und neue Rechte treten in den USA zunehmend laut und selbstbewusst auf. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Jana Anzlinger und Veronika Wulf

Die Ausschreitungen der Ultrarechten in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia haben für Entsetzen gesorgt. Es ist offensichtlicher denn je: In den USA tobt ein Kulturkrieg. Ein 20-Jähriger aus Ohio raste in Charlottesville mit seinem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten, tötete dabei eine Frau und verletzte 19 weitere Menschen.

Wer sind die Rechten? Und was hat US-Präsident Donald Trump mit ihnen zu tun? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer sind Amerikas Rechtsextreme?

In Charlottesville trafen sich verschiedene rechtsextreme Gruppen, um gemeinsam für das zu demonstrieren, was sie "White Supremacy", "weiße Vorherrschaft", nennen. "Unite the Right", "Vereint die Rechte", lautete das Motto ihrer Proteste. Ihre rassistische Ideologie basiert auf der Vorstellung, dass Weißen mehr Macht zustehe als Menschen anderer Hautfarbe. Sie verteilen sich jedoch auf veschiedene Untergruppen.

  • Organisiert haben den Protest Anhänger der Alt-Right-Bewegung. Der Name steht für "Alternative Rechte" und ist im Grunde ein verharmlosender Ausdruck für das ultrarechte politische Spektrum. Die Bewegung organisiert sich in Internetforen. Inzwischen haben sich viele kleine Gruppen gebildet, die sich zum Beispiel "Proud Boys" nennen. Einige davon geben sich hip und sind mit Europas Identitären vergleichbar.
  • Weiße Kutten, Fackeln und Lynchmorde: Solche Bilder scheinen vergangenen Zeiten zu entstammen. Gewütet hat der Ku-Klux-Klan vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Doch es gibt ihn auch heute noch, er soll zwischen 5000 und 8000 Mitglieder haben.
  • Hitlergruß und Hakenkreuz sind in den USA nicht verboten. Entsprechend leicht sind Neonazis zu erkennen. Sie idealisieren das Dritte Reich, propagieren Judenhass und relativieren den Holocaust. Ihre Organisationen und Parteien heißen zum Beispiel "American Nazi Party" oder "National Alliance".
  • Die Neo-Confederates wollen zu dem System zurück, in dem die Gesellschaft vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg lebte. Sie sehen die Südstaaten als Opfer des Nordens, der sie zwang, die Sklaverei abzuschaffen. Sie sind nicht nur rassistisch, sondern auch homophob und frauenfeindlich.

Wer sind ihre Anführer und Sprachrohre?

  • Den Begriff Alt-Right soll Richard Spencer erfunden haben. Der Chef eines nationalistischen Thinktanks bezeichnet sich selbst als "Identitären". Seine Reden beendet er auch mal mit "Heil Trump! Heil Volk! Sieg Heil!".
  • David Duke ist ein ehemaliger Anführer des Ku-Klux-Klans. Er hat die Demonstration in Charlottesville mitorganisiert und schwärmte währenddessen: "Das ist ein Wendepunkt für unsere Leute in diesem Land. Wir sind entschlossen, uns unser Land zurückzuholen. Wir werden die Versprechen von Donald Trump erfüllen. Das ist, an was wir glauben. Das ist, warum wir Donald Trump gewählt haben. Weil er gesagt hat, dass er uns unser Land zurückgibt."
  • Als Internet-Troll Karriere gemacht hat Tim Gionet. Unter dem Pseudonym "Baked Alaska" hetzt er online gegen Minderheiten und stellt weiße Männer als Unterdrückte dar.
  • "Chemikalien im Wasser machen die verdammten Frösche schwul!" Einer der meistzitierten Sätze von Alex Jones klingt zwar witzig, ist aber ein Beispiel für die Verschwörungstheorien, die Jones in seiner Sendung "Info Wars" propagiert. Die Schuld an der Gewalt in Charlottesville gibt er linken Organisationen und Bürgerrechtsbewegungen wie "Black Lives Matter".
  • Als Beispiel für einen ultrarechten, aber modernen Wortführer gilt Milo Yiannopoulos. Der Autor hat mehrmals die Alt-Right-Bewegung verharmlost und sich frauenfeindlich geäußert. Weil er Kindesmissbrauch bagatellisierte, musste er seinen Job bei der rechtspopulistischen Meinungsplattform Breitbart News verlassen.
  • Sein Chef und einer seiner frühen Förderer war Steve Bannon. Der ehemalige Filmproduzent hat Breitbart News mitgegründet und von 2012 bis 2016 geleitet. In dieser Zeit baute er die Website zur "Plattform für die Alt-Right", so Bannon wörtlich, aus. Inzwischen ist er Chefstratege im Weißen Haus und damit einer der wichtigsten Köpfe in der Umgebung von Präsident Trump.

Wie steht Trump zu den Rechtsextremen?

Warum wirken sie jetzt so stark?

Frauen, die Karriere machen, schwarze Studenten auf dem Campus, Transmenschen im Militär: Manche Menschen machen diese Fortschritte wütend. Ökonomisch und sozial Abgehängte schieben ihre Probleme darauf, dass Minderheiten sie "verdrängen". Vor allem die Alt-Right gilt als Anlaufstelle für junge Männer, die vorher nicht zur extremen Rechten gehörten. In den vergangenen Jahren haben sie einen Raum gefunden, um sich auszutauschen: Internetforen, in denen rassistische Memes geteilt werden, "Political Correctness" als Schimpfwort gilt und gelegentlich für Donald Trump geworben wird.

Trump hat damit Wahlkampf gemacht, die weiße Mehrheit anstelle von Minderheiten zu fördern. Die Rechten, die Trump dadurch mobilisiert hat, fühlen sich durch seine Wahl in ihrer Ideologie bestätigt. Und treten womöglich deswegen immer lauter und selbstbewusster in Erscheinung.

Wann trat die "weiße Vorherrschaft" international in Erscheinung?

Der Ausdruck "White Supremacy" ging erstmals 2015 um die Welt, als ein 21-Jähriger in einer Kirche in Charleston im Bundesstaat South Carolina neun Schwarze erschoss. Der Attentäter Dylann Roof bezeichnete sich selbst als Rassisten, er hatte vor der Tat ein Manifest der "Weißen Vorherrschaft" im Internet veröffentlicht. Er zeigte sich offen mit der Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika, jenen Südstaaten, die lange an der Sklaverei festgehalten hatten und darüber in einen Krieg mit den Nordstaaten eingetreten waren.

Als Reaktion auf das Attentat verbannte der Bundestaat South Carolina die Konföderierten-Flagge, die bis dahin vor dem Parlament geweht hatte. Das löste eine bundesweite Debatte aus zum Umgang mit Fahnen und Denkmälern, die an die Konföderierten Staaten erinnern - und rief gleichzeitig die Ultrarechten auf den Plan. Für sie ist die Fahne ein Symbol ihrer Wunschwelt, in der weiße Menschen den anderen überlegen sind. In Charlottesville erregten sich die Rechtsextremen über die Entscheidung der Stadt, eine Statue des Kriegsgenerals Robert E. Lee zu entfernen. Lee befehligte die Truppen der Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg und war Verfechter der Sklaverei.

Welches Verhältnis hat Trump zu den Rechten?

Seine ablehnende Haltung gegenüber Minderheiten und sein polterndes "Make America Great Again" hat Donald Trump bei den Ultrarechten beliebt gemacht und rechten Gruppierungen neuen Aufschwung gegeben. Schon im Wahlkampf hat er es lange vermieden, sich klar vom Applaus von rechts zu distanzieren. Schließlich hatte er mit der Alt-Right-Bewegung eine große Unterstützergruppe, die er nicht verlieren wollte.

Auch das rechtspopulistische Nachrichtenportal Breitbart stand im Wahlkampf auf Trumps Seite. Zwei Breitbart-Mitarbeiter holte sich Trump, sobald er Präsident war, als Chefstrategen und Berater ins Weiße Haus: Steve Bannon und Sebastian Gorka. Trump scheint es egal zu sein, von wem die Unterstützung kommt. Auch den Zuspruch des Rassisten und früheren Ku-Klux-Klan-Führers David Duke ließ er zunächst zu. Er kenne diese Gruppe nicht, deshalb könne er sie nicht verurteilen, sagte Trump. Anfang des Jahres zögerte Trump lange, mehrere Gewalttaten gegen Muslime und Juden in den USA zu verurteilen. Nach Charlottesville beklagte er lediglich "Gewalt von vielen Seiten."

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