Afrika-Buch "Heiliger Krieg, heiliger Profit" Al-Qaida ist zum Erfolgslabel geworden

Marc Engelhardt folgt in seinem akribisch recherchierten Buch also der Spur des Geldes, und die ist - nicht nur, was Terror betrifft - fast immer aufschlussreicher, als religiösen oder ideologischen Spuren zu folgen. Al-Qaida ist zum Erfolgslabel geworden, das sich in der Sahara und in der Sahelzone immer mehr lokale und regionale Terrortruppen aufkleben - egal, ob sie mit dem Netzwerk etwas zu tun haben oder nicht. Das erklärt dann auch betrunkene Islamisten im malischen Timbuktu oder in der Stadt Gao, das erklärt auch, warum sogenannte Gotteskrieger sehr viel Geld mit Menschen- und Drogenschmuggel durch die Sahara verdienen.

Allein aufgrund dieser Erkenntnisse wäre das Buch schon sehr zu empfehlen. Denn wann immer es um Konflikte, Terror und Gewalt in Afrika geht, reduzieren sich Analysen sehr oft auf religiöse oder ethnische Gründe. Die aber spielen, wenn überhaupt, meist nur eine untergeordnete Rolle. Viel aufschlussreicher ist die Frage, wer von solchen Konflikten finanziell profitiert. Und das schlüsselt Engelhardt nicht nur sehr detailliert auf, er lässt auch seine reichen Kenntnisse dieser Länder einfließen.

Organisierte Kriminalität statt Glaubenskrieg

Der Journalist hat viele Jahre in Afrika gelebt und die meisten Länder bereist, über die er schreibt. Er kennt die Orte des Terrors, schildert sie anschaulich und lässt vor allem Menschen zu Wort kommen, die dort leben und unter der Gewalt leiden. Besonders interessant ist zum Beispiel eine Passage aus der Zentralafrikanischen Republik, in der sich Christen und Muslime derzeit gegenseitig abschlachten. Denn auch das ist im Kern kein religiöser Konflikt. Bewohner nennen die Milizen, einerlei welchem Glauben sie angehören, einfach "Wegelagerer". Zieht man den islamistischen Terrortruppen ihr religiöses Etikett ab, sind viele nichts anderes als zum Beispiel die ungezählten Milizen im Ostkongo: Verbrecherbanden.

Das wichtigste Fazit des Buches ist deshalb: Die USA können noch so viele Bodentruppen schicken, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kann noch so viele Bundeswehrsoldaten nach Afrika abkommandieren - das Terrorproblem wird damit nicht bekämpft. In den meisten Fällen handelt es sich um organisierte Kriminalität, die sich terroristischer Mittel bedient. Verbrechen aber bekämpft man nicht militärisch, sondern mit einem funktionierenden Sicherheitsapparat. Und der fehlt in den meisten Ländern Zentralafrikas.