Bericht der Vereinten Nationen:Offenbar Dutzende afghanische Ex-Beamte und Ortskräfte von Taliban getötet

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Bericht der Vereinten Nationen: Taliban-Kämpfer patrouillieren während einer Demonstration in Kabul.

Taliban-Kämpfer patrouillieren während einer Demonstration in Kabul.

(Foto: MOHD RASFAN/AFP)

Mindestens 50 mutmaßliche Mitglieder der Extremistengruppe Islamischer Staat sollen zudem ohne Verfahren hingerichtet worden sein. Der UN-Bericht beschreibt auch die verschlechterten Lebensbedingungen der afghanischen Bevölkerung.

Seit ihrer Machtübernahme im August haben die radikalislamischen Taliban UN-Informationen zufolge wohl Dutzende ehemalige afghanische Beamte, Mitglieder der Sicherheitskräfte und Ortskräfte getötet. Es lägen glaubwürdige Berichte vor, dass mehr als 100 dieser Personen seit dem 15. August getötet worden seien, hieß es in einem Schreiben von UN-Generalsekretär António Guterres an den Sicherheitsrat, in das die Nachrichtenagentur Reuters Einblick erhielt. In mehr als zwei Drittel der Fälle sollen die Taliban oder ihre Verbündeten verantwortlich sein.

Zudem gebe es glaubwürdige Vorwürfe, dass mindestens 50 mutmaßliche Mitglieder der Extremistengruppe des sogenannten "Islamischen Staats" ohne Verfahren hingerichtet worden seien. Der Bericht beschreibt auch die sich verschlimmernden Lebensbedingungen für die afghanische Bevölkerung. "Ein ganzes komplexes soziales und wirtschaftliches System bricht zusammen", heißt es.

Auch eine Reihe von Menschenrechtlern und Journalisten seien in den vergangenen Monaten "angegriffen, eingeschüchtert, schikaniert, willkürlich festgenommen, misshandelt und getötet" worden, heißt es weiter. Hier zählten die UN acht Mitglieder zivilgesellschaftlicher Organisationen und zwei Medienschaffende, die durch die radikalislamischen Taliban, Islamisten oder Unbekannte ums Leben kamen.

Guterres: Taliban nicht isolieren

Die schwere sozioökonomische Krise in Afghanistan könne nach Ansicht von Guterres nur dann überwunden werden, wenn die Taliban international nicht isoliert würden: "Die Entwicklung eines konstruktiven Dialogs zwischen den De-facto-Machthabern, anderen afghanischen Interessengruppen, der Region und der internationalen Gemeinschaft (...) ist daher von entscheidender Bedeutung."

Der UN-Chef schlug eine neue Struktur der Präsenz der Vereinten Nationen in Afghanistan vor, durch die auf der einen Seite die politische Entwicklung und auf der anderen die humanitäre Hilfe koordiniert werden sollen. Die Taliban hatten Mitte 2021 die Macht in Afghanistan übernommen. Die Soldaten westlicher Länder - darunter auch deutsche - haben seitdem das Land verlassen.

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