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"Gorch Fock"-Affäre:Armutszeugnis für Guttenberg

"Noch keine Klarheit, was eigentlich vorgefallen ist": Die SPD attackiert Verteidigungsminister Guttenberg für sein Krisenmanagement in der Causa "Gorch Fock".

Während mittlerweile über das Gewicht der im November verunglückten Marinesoldatin Sarah Lena S. gestritten wird, findet der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, klare Worte für das Krisenmanagement des Verteidigungsministeriums in der Causa Gorch Fock: "Ich bin entsetzt, dass drei Monate nach dem tragischen Tod der Kadettin immer noch keine Klarheit besteht, was eigentlich vorgefallen ist", sagte er der Bild-Zeitung

47. Muenchner Sicherheitskonferenz

Steht in der Causa Gorch Fock unter Beschuss: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

(Foto: dapd)

Es sei durch nichts zu entschuldigen, dass der Untersuchungsbericht dem Parlament zwei Monate vorenthalten worden sei,. "Das ist eine grobe Missachtung des Parlaments", kritisierte Oppermann. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe die Bundeswehr und sein Ressort "einfach nicht im Griff".

Mutter verlangt "die ganze Wahrheit"

Auch die Mutter der auf dem Segelschulschiff gestorbenen Offiziersanwärterin dringt auf Aufklärung. "Ich will die ganze Wahrheit wissen und endlich erfahren, warum meine Tochter verunglückt ist", sagte sie der Zeitung. Erneut widersprach sie einem Bericht der Bild-Zeitung, wonach die 25-Jährige zum Zeitpunkt des Unglücks wegen Übergewichts nicht diensttauglich gewesen sei. Dies hatte das Blatt unter Berufung auf interne Ermittlungen der Marine gemeldet.

Demnach soll die junge Frau zum Zeitpunkt der Obduktion bei einer Größe von 1,58 Meter 83 Kilo gewogen haben. Diese Daten aus dem Obduktionsbericht habe Marineinspekteur Axel Schimpf vor den Obleuten des Verteidigungsausschusses bestätigt, berichtete die Bild-Zeitung am Dienstag. Die Mutter bestreitet, dass ihre Tochter stark übergewichtig gewesen sei: "Meine Tochter hat niemals so viel gewogen. Als sie aus Deutschland weggefahren ist, waren es auf keinen Fall mehr als 60 Kilo."

Indes berichtet die Rheinische Post unter Berufung auf hochrangige Marinekreise, unmittelbar nach dem tödlichen Unfall an Bord der Gorch Fock habe Marineinspekteur Axel Schimpf einen speziellen Fitness-Test für die Kadetten eingeführt. Demnach dürfen die Kadetten nur in die Masten klettern, wenn sie sich mindestens 30 Sekunden lang mit einer Hand an einem Seil oder einer Stange halten können. Die Kraftübung sei nunmehr Voraussetzung für das Aufentern eines jeden Marineschülers, hieß es.