Treffen mit Scholz:Abbas wirft Israel "Holocaust" an den Palästinensern vor

Lesezeit: 2 min

Treffen mit Scholz: Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas

(Foto: Bernd Elmenthaler/Imago)

Eklat bei einer Pressekonferenz mit Kanzler Scholz: Palästinenserpräsident Abbas wird gefragt, ob er sich für das Olympia-Attentat von 1972 entschuldigen wolle. Statt zu antworten, löst er Empörung aus.

Leider kann man auf den Aufnahmen, die der TV-Sender Phoenix von der Pressekonferenz gemacht hat, nicht das Gesicht von Olaf Scholz sehen. Scholz steht zwei, drei Meter neben Mahmud Abbas, als dieser von "Holocaust" spricht .

Scholz, so steht es in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa, verfolgt das, was Abbas jetzt sagen wird, mit "versteinerter Miene", er scheint "sichtlich verärgert", heißt es in der dpa-Meldung. Sein Sprecher Steffen Hebestreit sagt später, dass das nicht nur so zu sein schien, sondern der Kanzler tatsächlich verärgert gewesen ist.

Der Bundeskanzler und der Palästinenserpräsident sprechen bereits knappe 20 Minuten zu den Journalistinnen und Journalisten in Berlin, als das Wort "Holocaust" fällt. Es sind die letzten zwei Fragen an Scholz und Abbas, auf dem Video etwa bei Minute 19:00. Ein Pressevertreter will von Abbas wissen, ob er sich zum 50. Jahrestag des Olympia-Attentats am 5. September bei Israel entschuldigen werden. Elf israelische Sportler und ein deutscher Polizist starben damals, getötet von einer palästinensischen Terroristengruppe.

"Israel hat seit 1947 bis zum heutigen Tag 50 Massaker in 50 palästinensischen Orten begangen. 50 Massaker, 50 Holocausts", antwortet Abbas. Tagtäglich würden Palästinenser von der israelischen Armee getötet, so Abbas. Und fährt dann fort: "Wenn wir weiter in der Vergangenheit wühlen wollen, ja bitte." Das Olympia-Attentat erwähnt er in seinen Ausführungen nicht.

Vor Abbas' Äußerungen widerspricht ihm Scholz bei einer anderen Aussage

Pressekonferenzen, bei denen Politiker auf internationaler Ebene zusammenkommen, sind normalerweise ein Austausch von Freundlichkeiten. Differenzen werden mit Diplomatie-Floskeln zugedeckt. Dass das bei dieser Pressekonferenz anders ist, wird auch schon vor Abbas' Holocaust-Vergleich klar. Der Kanzler kritisiert den Palästinenserpräsidenten ungewöhnlich scharf auf offener Bühne, nachdem dieser die israelische Politik als "Apartheid-System" bezeichnet hatte, in Ablehnung an das Repressionssystem in Südafrika, das die schwarze Bevölkerungsmehrheit einst jahrzehntelang unterdrückt hatte. "Ich will ausdrücklich hier an dieser Stelle sagen, dass ich mir das Wort Apartheid nicht zu eigen mache und dass ich das nicht für richtig halte für die Beschreibung der Situation", sagte Scholz, in dem Phoenix-Video etwa bei Minute 14:10. Abbas hatte zuvor gesagt, die "Umwandlung in die neue Realität eines einzigen Staates in einem Apartheid-System" diene nicht der Sicherheit und Stabilität in der Region.

Der Kanzler, so schreibt es die dpa, habe Anstalten gemacht, unmittelbar auf Abbas Holocaust-Äußerungen zu antworten. Sein Sprecher Steffen Hebestreit erklärt die Pressekonferenz aber für beendet. Die Frage an den Palästinenserpräsidenten war schon vorher als die letzte angekündigt worden.

Später äußert sich Scholz in der Bild - und weist das, was Abbas gesagt hat, erneut zurück: "Gerade für uns Deutsche ist jegliche Relativierung des Holocaust unerträglich und inakzeptabel", so der Kanzler. Offenbar, so eine Regierungssprecherin zu Bild, sei Scholz verärgert darüber gewesen, dass er nicht mehr habe antworten können.

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