27. Dezember 2018, 13:17 Trump im Irak Der Unterbefehlshaber

Mit seinem Truppenbesuch im Irak versucht Trump, empörte US-Militärs zu beschwichtigen. Gleichzeitig bricht er mit seinem Gerede vom "Weltpolizisten" mit der Grundüberzeugung der US-Außenpolitik.

Kommentar von Stefan Kornelius

Präsident Donald Trump hat sich bislang nicht als Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte hervorgetan, höchstens als ihr Unterbefehlshaber. Die Welt des Militärs ist ihm fremd, Strategien und Logik des Militärischen haben nie eine Rolle gespielt in seinem Bemühen, Sprachrohr und Vorbild der einfachen Leute in Amerika zu sein. Das ist erstaunlich, weil es exakt diese einfachen Leute und damit seine Wähler sind, die sich besonders intensiv mit dem Militär identifizieren, die im Militär dienen und die für das Land im Zweifel Leben oder Gesundheit geben.

Patriotismus und die Demonstration militärischer Stärke waren für alle Präsidenten vor Trump zwei Seiten derselben Medaille. Nicht für Trump. Der bedient zwar das patriotische Bedürfnis und schmückt sich durchaus auch mit den Uniformträgern. Aber er lehnt das Kerngeschäft ab: die Machtprojektion der USA in aller Welt mit militärischen Mitteln. Trump bricht mit der Grundüberzeugung der amerikanischen Außenpolitik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wonach Weltmacht nur sein kann, wer als Weltmacht sichtbar ist: unter Verbündeten, gegenüber Gegnern, politisch, aber eben auch militärisch.

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Nun hat Trump zum ersten Mal in seiner Amtszeit Truppen im Ausland besucht. Das signalisiert allerdings keine Änderung seiner Grundüberzeugungen. Im Gegenteil: Die hat er in den letzten Tagen hinreichend dokumentiert. Die Entscheidung, die Truppen aus Syrien und teilweise auch aus Afghanistan abzuziehen, ist Ausdruck seines isolationistischen Instinkts. Militär verlegt er, wenn überhaupt, symbolisch an die Südgrenze der USA, um das Land "vor Flüchtlingen zu schützen". Der Truppenbesuch in Bagdad war allenfalls ein kümmerlich getarnter Beschwichtigungsversuch, weil die Empörung in der militärischen Führung nach dem Rücktritt von Verteidigungsministers Jim Mattis gefährlich hochgekocht ist. Trump streichelt also die Truppe, seine Überzeugung ändert sich nicht.

Diese Überzeugung fasst er mit dem simplen Satz zusammen, dass die USA "nicht mehr länger der Polizist der ganzen Welt" sein könnten. Auch wenn nun der Präsident das Wort "Weltpolizist", Lieblingsbegriff der Kritiker der US-Militärpolitik, ausspricht: Es wird dadurch nicht richtig. Die USA waren nie Weltpolizist, weil es - um im Bild zu bleiben - auf der Welt keine einheitliche Strafordnung gibt. Die USA standen für ein Ordnungssystem, dem sich auch andere Staaten verpflichtet sehen. Gemeinsam haben sie Bündnisse gebildet. Und gemeinsam standen sie mit ihrem System gegen Ordnungsvorstellungen, die sie als feindselig oder gefährlich identifiziert haben.

Donald Trump hat nun entschieden, dass sich die USA dieser Logik entziehen. So wird Platz frei für eine neue Ordnung: In Afghanistan werden Wahlen verschoben, in Syrien beginnen die Kämpfe darum, wer das Vakuum besetzen kann, das die USA hinterlassen. So funktioniert das kleine Einmaleins der internationalen Politik. Trump aber lehnt es ab, sich mit den Grundrechenarten zu beschäftigen.