Urteil gegen Impfgegner:Einen Richter nannte er "Babyficker"

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An diesem Tag in Ravensburg aber wirkt der 51-Jährige vom Bodensee freundlich, fast pastoral. Eine kleine Gemeinde hat er auch dabei. Seine Anhänger jubeln im Gerichtssaal, als ein Sachverständiger sagt, dass Forschung ja auch finanziert werden müsse. Seht her, soll das wohl heißen, wir wussten immer, dass die Schulmedizin gekauft ist. Lanka hingegen schlägt so leise Töne an, wie lange nicht mehr. Ob er doch Angst vor der 100 000-Euro-Rechnung hat?

Jedenfalls hat der Biologe schon Erfahrung mit Gerichten - meist, weil er reichlich laut war: 2002 nannte er einen Richter "scientologischer Babyficker", und 2009 wurde er verurteilt, weil er den damaligen Präsidenten des für Infektionskrankheiten zuständigen Robert-Koch-Instituts als "Massenmörder" beschimpft hatte.

Die Sache mit dem Preisausschreiben sei Kalkül gewesen, sagt Lanka

Der Mann, der es gewagt hat, Stefan Lanka zu verklagen, hat sicherheitshalber einen Leibwächter mitgebracht. Im Internet hatte David Bardens üble Drohungen lesen müssen. Statements will er aber im Gegensatz zu Lanka nicht abgeben. Er hat einen Exklusiv-Vertrag mit RTL.

Immerhin spricht seine Anwältin: Als Arzt wisse ihr Mandant, "wie gefährlich Masern sind und welchen Schaden Impfgegner anrichten". Bardens habe eine 14-Jährige an den Spätfolgen der Viren sterben sehen. Deshalb wolle er Lanka mit seiner impfskeptischen Auslobung nicht durchkommen lassen. Um die 100 000 Euro sei es ihm nie gegangen: Die wolle er für Impfkampagnen in Entwicklungsländern spenden.

Der Richter führt die Verhandlung mit großem Ernst. Der Arzt habe genügend Belege für die Existenz des Masernvirus vorgelegt, sagt der Sachverständige Andreas Podbielski, ein Professor für Virologie von der Universität Rostock.

Doch der Richter will alles genau wissen. Schließlich geht es hier nicht nur um die Frage, ob an den Argumenten von Viren-Leugnern etwas dran sein könnte, sondern auch um juristische Finessen: "Erfüllen die sechs Publikationen, die der Kläger vorgelegt hat", so drückt es der Richter aus, "alle Anforderungen in dem - in Anführungszeichen - Preisausschreiben des Beklagten?"

Am Ende ist das Urteil knapp und hart: Stefan Lanka muss zahlen - 100 000 Euro plus Zinsen. Die Sprache verschlägt's ihm nicht: Er will in Berufung gehen und gleich am Freitag in einem Vortrag die sechs Publikationen zerpflücken, kündigt er nach dem Urteil an. Die Sache mit dem Preisausschreiben sei Kalkül gewesen, sagt er noch, damit sich die Gegenseite in ihren Argumenten verstricke: "Für die Wahrheit muss man eben auch Risiken in Kauf nehmen."

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