bedeckt München 26°

Pharmabranche:Wer vom Impfen profitiert

Masernimpfung

Geschäft mit Impfstoffen: Wer profitiert vom Impfen am meisten?

(Foto: dpa)
  • Eine Milliarde Euro haben die Impfstoffe gekostet, die Deutschen im Jahr 2014 verabreicht wurden.
  • Damit machen Vakzine einen kleinen, aber wichtigen Teil des Medikamentenmarktes aus.
  • Die Impfstoffe sind häufig teuer. Allerdings machen Pharma-Unternehmen besonders lange Entwicklungszeiten für die Vakzine geltend.

Ob Masern, Grippe oder FSME, immer wieder stellt sich die Frage, ob Impfen sinnvoll ist oder nicht. Aktuell wird wieder einmal über eine Pflicht zur Impfung diskutiert. Man könnte meinen, die Pharmaindustrie steckt hinter dieser Forderung, aber die winkt ab. "Eine Impfpflicht ist nicht sinnvoll, Aufklärung sollte immer Vorrang haben", sagt Klaus Schlüter, Geschäftsführer von Sanofi Pasteur MSD.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr Impfstoffe im Wert von etwas mehr als einer Milliarde Euro verkauft, womit die Vakzine, wie sie im Fachjargon genannt werden, nur einen kleinen Teil des Arzneimittelmarktes abdecken.

Impfstoffe gegen 25 Krankheiten

Zum Standardrepertoire der Kinderärzte zählen Impfungen gegen Diphterie, Tetanus, Polio, Keuchhusten, Hepatitis B, die teils im Erwachsenenalter aufgefrischt werden müssen. Der Keuchhusten soll inzwischen häufiger vom Großvater auf den Enkel übertragen werden als umgekehrt. Hinzu kommen vorbeugende Maßnahmen gegen Masern, Mumps und Röteln. Auch Spritzen gegen Grippe, Pneumokokken und Gebärmutterhalskrebs, werden von Krankenkassen erstattet.

Insgesamt werden nach Angaben des Pharmaverbandes VfA Impfstoffe gegen 25 Krankheiten angeboten. Häufig gibt es nur zwei Anbieter, den britischen Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) oder Sanofi Pasteur MSD, ein Gemeinschaftsunternehmen der französischen Sanofi und der amerikanischen Merck. Sie dominieren den Markt in Deutschland und Europa. Der Schweizer Anbieter Novartis will sein Impfgeschäft an GSK verkaufen, denn auch beim Impfen ist Spezialisierung Trumpf. In Deutschland gelten zwei Produktionsstätten als relevant: in Dresden (GSK) und in Marburg (Novartis), die Forschung wird in anderen Ländern betrieben.

Teure Vakzine, lange Entwicklungszeiten

Wie hoch die Kosten für eine Impfung ist, hängt von der Erkrankung ab. Es gibt recht teure Ampullen, wie etwa die zum Schutz vor Gürtelrose. 150 Euro kostet sie und soll fünf Jahre lang halten. Auch Grippe-Impfungen können recht kostspielig ausfallen. Aber sobald die Krankenkassen die Kosten erstatten, werden die Preise im Vorfeld ausgehandelt und möglichst gedeckelt.

Die Herstellung der Impfstoffe ist aufwendiger als die normaler Pillen. Pharmahersteller nennen Produktionszyklen von sechs bis 22 Monaten und führen für ihre Kosten die strengen Sicherheits- und Qualitätskriterien an. Die Kontrollen beanspruchten weit mehr als die Hälfte der gesamten Produktionszeit. Weil es viele Impfstoffe schon lange gibt, beanstanden Kritiker den mangelnden Forschungswillen der Impfhersteller.

Das mag für einige Stoffe gelten, aber das Primat der Prävention beflügelt auch neue Entwicklungen. So könnten in den kommenden fünf bis zehn Jahren Immunisierungen gegen Malaria, das Dengue-Fieber, gegen Krankenhauskeime und gegen Ebola neu auf den Markt kommen. Der US-Pharmahersteller Pfizer sieht den Fokus der Forschung in Therapien gegen Krebs, allergisches Asthma und Nikotinabhängigkeit.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes konnte der Eindruck entstehen, dass Viren mit Antibiotika bekämpft werden können. Das ist nicht korrekt.