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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Bummelndes Biest

model of dangerous prehistoric dinosaurs Tyrannosaurus Rex, T-rex in wildlife (Artush)
(Foto: Artush/Imago Images)

In Horrorfilmen tritt der Tyrannosaurus Rex stets als rasende Bestie auf. Dabei, das haben Forscher jetzt berechnet, war er wohl eher eine lahme Ente.

Von Titus Arnu

Die Essener Polizei hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die Ausgangssperre "auch für nachtaktive Reptilien gilt". Gemeint waren nicht jene reptiloiden Fantasiewesen, von denen Verschwörungsschwafler behaupten, sie wollten die Menschheit versklaven. Sondern ein Scherzbold, der als Tyrannosaurus Rex verkleidet durch die Innenstadt von Mülheim tänzelte, wie in einem bizarren Polizeivideo zu sehen ist. Immerhin war der Dino "friedlich und zügig auf dem Weg in seine eigene Höhle", wie es im Polizeibericht heißt.

In Dino-Actionfilmen ist der Tyrannosaurus meistens auch zügig unterwegs, aber friedlich eher nicht. Blutrünstiger Blick, furchterregende Fresse - der T-Rex wird als rasende Bestie dargestellt. Bei Verfolgungsjagden holt er flüchtende Autos ein, knackt sie wie eine Auster und verspeist den Inhalt. Hätten sich die Raubsaurier bremsen lassen, wenn es in der Kreidezeit Ausgangssperren gegeben hätte? Wohl kaum.

Doch nun haben Forscher herausgefunden, dass der T-Rex eher eine lahme Ente war. Mithilfe eines biomechanischen Modells von Wirbeln und Gelenken schätzten Wissenschaftler der Uni Amsterdam die natürliche Schwingfrequenz des 13 Meter langen Schwanzes. Die daraus ermittelte Gehgeschwindigkeit von 4,6 Kilometer pro Stunde entspreche einem zügig gehenden Menschen, schreiben die Autoren im Fachblatt Royal Society Open Science. Auch im Spurt sei das Raubtier kaum schneller als 30 Stundenkilometer gelaufen - deutlich langsamer als Usain Bolt.

Frühere Studien legen nahe, dass der T-Rex Federn hatte. Möglicherweise brüllte er auch nicht, sondern quakte wie ein Vogel? War er vielleicht Veganer? Jedenfalls stimmt es einen fröhlich, sich den vermeintlichen Killer-Dino als bummelndes Biest vorzustellen, das Passanten höflich grüßt. Man würde das imposante Schleichtier lächelnd durchwinken wie die Polizisten in Mülheim.

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© SZ/moge
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