Todesschütze von Ferguson "Ich weiß, dass ich meinen Job richtig gemacht habe"

  • Der Polizist, der Michael Brown erschossen hat, meldet sich nach den Krawallen in Ferguson erstmals zu Wort. Er habe ein reines Gewissen, sagt Darren Wilson.
  • US-Präsident Obama verurteilt die Ausschreitungen, äußert aber auch Verständnis für das Gefühl vieler Menschen, dass Gesetze "nicht immer einheitlich oder gerecht" angewandt würden.
  • In Ferguson selbst blieb es in der Nacht weitgehend ruhig - mehr als 2000 Nationalgardisten waren im Einsatz.
  • Die Proteste weiten sich auf viele andere US-Städten aus: Tausende gehen gegen Polizeigewalt auf die Straße.

Wilson beschreibt seine Sicht des Tathergangs

Darren Wilson hat sich in einem ABC-Interview zu Wort gemeldet. Er bedauere den Tod des schwarzen Teenagers, würde aber wieder so handeln, sagte der Polizist, der Michael Brown erschoss, dem TV-Sender ABC in einem Exklusiv-Interview.

Wilson beschrieb Brown als provozierend, körperlich überlegen und aggressiv; der Teenager habe versucht, in einem Handgemenge an seine Dienstpistole zu kommen. Daraufhin habe er selbst gefeuert. Brown habe im Moment des tödlichen Schusses "auf keinen Fall" die Hände erhoben. "Nein", antwortete Wilson auf die Frage, ob er etwas hätte anders machen können: "Ich glaube nicht, dass es (die Tat, d. Red.) mich verfolgt. Es wird immer etwas sein, das passiert ist." Er habe ein reines Gewissen, "weil ich weiß, dass ich meinen Job richtig gemacht habe."

Obama mahnt zur Zurückhaltung

US-Präsident Barack Obama verurteilte die Gewaltexzesse in Ferguson und mahnte zu Zurückhaltung. Es gebe "keine Entschuldigung" dafür, Gebäude und Fahrzeuge anzuzünden, Eigentum zu zerstören und "Menschen in Gefahr zu bringen", sagte Obama in Chicago und bezog sich auf Ausschreitungen in der Nacht zuvor. Obama verurteilte die Krawalle als "kriminelle Akte" und forderte, dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Proteste breiten sich aus

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Zugleich äußerte Obama Verständnis für das Gefühl vieler Menschen, dass Gesetze "nicht immer einheitlich oder gerecht" angewandt würden. Er sprach vor diesem Hintergrund von einem "Amerikanischen Problem". Er habe aber noch nie erlebt, dass ein Gesetz Realität wurde, "nur weil ein Auto angezündet wurde". Der Präsident rief daher die Demonstranten dazu auf, "konstruktive" und friedliche Mittel zu wählen, um ihre Ziele zu erreichen und Probleme zu lösen.

US-Präsident Obama und sein Noch-Justizminister Eric Holder hatten angekündigt, eine Reihe von Regionaltreffen zum Verhältnis von Minderheiten und der Polizei ins Leben zu rufen.

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Darren Wilson wird nicht angeklagt. Der Polizist hatte die tödlichen Schüsse auf den schwarzen Teenager Michael Brown in der amerikanischen Stadt Ferguson abgegeben. Generalstaatsanwalt McCulloch ließ keinen Zweifel an der Entscheidung - auch wenn nicht alles so eindeutig erschien.   Diskutieren Sie mit uns.

Angespannte Ruhe und solidarischer Protest am Abend und in der Nacht

In Ferguson selbst waren in der Nacht auf Mittwoch mehr als 2000 Nationalgardisten und damit dreimal so viele wie in der Nacht zuvor im Einsatz, um die Lage zu kontrollieren. Es waren deutlich weniger Demonstranten auf den Straßen, zunächst blieb es ruhig. Etwa hundert Protestierende sangen lautstark vor der Polizeistation der Stadt und hielten Schilder hoch mit der Aufschrift "Wir werden uns nicht zum Schweigen bringen lassen".

In vielen anderen US-Metropolen von New York über Washington bis Los Angeles und Seattle gingen am Dienstagabend ebenfalls Tausende Menschen aus Solidarität mit Michael Brown und aus Protest gegen US-Polizeigewalt auf die Straßen. In New York versuchten Demonstranten, den Verkehr lahmzulagen, es gab mehrere Festnahmen. In Washington demonstrierte die Menge in der Nähe des Weißen Hauses. Dem Sender CNN zufolge waren in fast 30 Bundesstaaten Kundgebungen geplant.

Familie kritisiert Arbeit der Grand Jury

Die Anwälte der Familie des getöteten, schwarzen Teenagers haben die juristische Aufarbeitung scharf kritisiert. Das Verfahren sei "vollkommen unfair" gewesen, sagte Anwalt Benjamin Crump.

Dokumente der Grand Jury

Die örtliche Lokalzeitung St. Louis Post-Dispatch hat auf ihren Webseiten die Dokumente gesammelt, die die Grand Jury im Verlauf ihrer Beratungen berücksichtigte:

Aussagen der Zeugen, die von der Grand Jury gehört wurden.

Abschriften von Verhören durch Polizei und Bundespolizei FBI.

Berichte und Beweisdokumente, die von der Grand Jury in Betracht gezogen wurden.

Der Staatsanwalt Robert McCulloch habe eine enge Beziehung zur Polizei von Ferguson und sei eine völlige Fehlbesetzung gewesen. Daher habe man schon gegen seine Einsetzung protestiert und einen unabhängigen Ermittler gefordert, bevor die Geschworenenjury im August ihre Arbeit aufnahm.

Der Anwalt Anthony Gray erklärte, die Beweise seien von der Staatsanwaltschaft bewusst auf eine bestimmte Weise präsentiert worden, damit der Polizist Darren Wilson nicht angeklagt werde. Viele Fragen an die Zeugen seien zynisch und sarkastisch gewesen.

Anwalt Benjamin Crump forderte außerdem Körperkameras für Polizisten: "Jeder Polizist in der Stadt sollte eine Body-Cam tragen", sagte er in seiner Rede in Ferguson. "Das wäre transparent." Grund für seine Forderung sei die Ungerechtigkeit des "Systems" gegenüber den Bürgern.

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Ein Polizist erschießt einen unbewaffneten Teenager und bleibt ein freier Mann. Die USA verzweifeln an einem Rechtssystem, das Polizisten besser schützt als andere.   Von Jana Stegemann

Keine Anklage gegen Polizisten

Nach drei Monate langen Beratungen und mehr als 60 Zeugenanhörungen kam eine Geschworenenjury am Montag zu folgender Entscheidung: Der Polizist Darren Wilson, der den unbewaffneten, schwarzen Jugendlichen Michael Brown mit mindestens sechs Schüssen getötet hat, wird dafür nicht strafrechtlich belangt.