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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Südtirol, mon amour!

(Foto: But Beautiful/ Youtube)

Eine junge Band aus Norditalien singt auf Französisch - und versetzt damit, historisch gesehen, mindestens ein paar Berge.

Von Oliver Das Gupta

Historisch hatten Südtiroler und Franzosen eigentlich nur zweimal miteinander zu tun, es lief suboptimal. Die Kurzversion: 1805 krallt sich Napoleon Tirol und schenkt es den Bayern. Der Widerstand der Einheimischen schart sich um den Südtiroler Guerilla-Zausel Andreas Hofer, mehrmals metzelt man sich am Bergisel. Irgendwann schnappen die Franzosen Hofer und füsilieren ihn in Mantua. Seitdem gilt er als Freiheitsheld und Franzosenopfer. Weniger erinnert man sich dagegen heute an die Sündenwitterei des Ultrakatholiken, der in seinem Wirkungsbereich das Tanzen verbot und Frauen zwang, sich weitgehend zu verhüllen.

Dann der Erste Weltkrieg und die schmerzhafte Teilung Tirols: Bei einer Konferenz im Pariser Vorort Saint Germain wird Südtirol 1919 Italien zugeschlagen - schon wieder Frankreich! Man könnte also meinen, dass Südtiroler lieber einen Laib Graukäse auf den Ortler rollen würden, als an einem Glas Bordeaux zu nippen oder gar Französisch zu lernen.

Stimmt aber nicht, wie drei junge Südtiroler namens Pichler, Mair und Pfeil dieser Tage zeigen. Die Frau und zwei Männer musizieren zusammen, But Beautiful heißt ihre Band. Gerade ist ihr französisches Lied "Ma tête" erschienen, ein Titel, den man zwischen Sterzing und Salurn wohl mit "Mein Schädel" übersetzt. Es ist ein French-Pop-Song, elektronisch, schräg und wirksam: Ohrwurmgefahr. Im Video geht es lasziv zu. Die leicht bekleidete Sängerin haucht, sie könne von dem Menschen ihrer Begierde nicht die Finger lassen.

Schlüpfrigkeiten also und dann noch auf Französisch - dem Frömmler Andreas Hofer stünden sämtliche Barthaare zu Berge.

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© SZ/moge
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