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Katholische Kirche:Australisches Gericht spricht Kardinal Pell des Kindesmissbrauchs schuldig

  • Ein Gericht in Melbourne sah es als erwiesen an, dass sich der heute 77-Jährige in den 90er-Jahren an zwei Jungen vergangen hatte.
  • Das Urteil gegen Pell erging bereits im Dezember - wurde wegen einer verhängten Nachrichtensperre aber erst jetzt bekannt.
  • Pell war vor Beginn des Verfahrens als Finanzchef die Nummer drei im Vatikan. Er ist damit bislang der ranghöchste katholische Geistliche, der wegen Missbrauchsvorwürfen verurteilt wurde.

Der australische Kardinal George Pell ist des Kindesmissbrauchs für schuldig befunden worden. Ein Gericht in Melbourne sah es als erwiesen an, dass sich der heute 77-Jährige Ende 1996 unmittelbar nach einer Messe an zwei Jungen vergangen habe. Die Opfer waren damals zwölf und 13 Jahre alt. Der Schuldspruch der zwölfköpfigen Jury erging bereits am 11. Dezember - doch bis Dienstag (Ortszeit) hatte eine Nachrichtensperre gegolten.

Pell war vor Beginn des Verfahrens als Finanzchef der Römischen Kurie die Nummer drei im Vatikan - er ist damit der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der wegen Missbrauchsvorwürfen verurteilt wurde. Ein Strafmaß wurde noch nicht verkündet. "Big George", wie der Kardinal wegen seiner hünenhaften Statur genannt wird, hat die Vorwürfe stets abgestritten. Sein Anwalt will Berufung einlegen.

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Das Urteil gegen den 77-Jährigen war auch deshalb bislang unter Verschluss gehalten worden, weil ein weiterer Prozess gegen Pell in Vorbereitung war. Mit dem Verbot jeglicher Berichterstattung sollte eine Beeinflussung der zwölf Geschworenen verhindert werden. Am Dienstag entschloss sich die Staatsanwaltschaft jedoch, dieses zweite Verfahren nicht weiter zu verfolgen - die Nachrichtensperre wurde daraufhin aufgehoben.

Weiterer Rückschlag für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche

Die Kirche sieht sich seit Jahren mit zahlreichen Missbrauchsskandalen in vielen Ländern konfrontiert. Dabei geht es auch um Vorwürfe von weitreichender Vertuschung. Erst in der vergangenen Woche war im Vatikan ein mehrtägiger Krisengipfel zum Thema Kindesmissbrauch abgehalten worden. Beobachter werteten die Entscheidung der australischen Geschworenen als neuen Rückschlag für die katholische Kirche, deren Glaubwürdigkeit massiv angegriffen ist.

Papst Franziskus hatte den konservativen Pell 2014 nach Rom geholt, damit der die Finanzen des Vatikans neu ordne. Dabei gab es schon 2008 Vorwürfe, Pell habe als Erzbischof Missbrauchsfälle vertuscht. Bis zum Bekanntwerden seiner Veurteilung Mitte Dezemeber gehörte Pell offiziell noch jenem neunköpfigen Kardinalsgremium an, das den Papst in kirchreformatorischen Fragen beraten sollte.

Richter Peter Kidd vom Distriktgericht des Bundesstaates Victoria in Melbourne hatte vor Verfahrensbeginn im Mai sämtliche Berichterstattung untersagt - ein in westlichen Demokratien ungewöhnlicher, in Australien aber möglicher Vorgang. Wegen dieses Supermaulkorbes durften Medien nicht einmal darüber berichten, dass es ihnen verboten war, zu berichten. Die meisten Zeitungen des Landes hatten sich jedoch darüber hinweggesetzt. Das Verbot galt für alle Veröffentlichungen, die in Australien zugänglich sind. Die Süddeutsche Zeitung berichtete daher bislang nur in ihrer gedruckten Ausgabe über den Ausgang des Verfahrens.

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