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SZ-Serie "Ein Anruf bei ...":Ein Cevapcici-Gewürz namens Peter

Ramin Morady, Geschäftsführer von 1001 Frucht in Regensburg, kam mit sechs Jahren aus Iran nach Deutschland.

(Foto: Ramin Morady)

Ein Unternehmen mit iranischen Wurzeln gibt seinen orientalischen Gewürzen deutsche Namen. Ein Versehen? Im Gegenteil, sagt der Geschäftsführer Ramin Morady.

Von Veronika Wulf

Dass die italienische Kräutermischung "Maria" heißt, mag noch einleuchten. Auch der Zitronen-Pfeffer "Steffi": warum nicht. Doch ein orientalisches Grillgewürz namens "Manfred", Cumin namens "Ralph" und ein Thai-Curry namens "Franziska"? Das löst Stirnrunzeln aus: Kennt der Hersteller etwa keine orientalischen Namen? Dabei gehört das Unternehmen "1001 Frucht" mit einem Laden in Regensburg und einem Online-Shop einer iranischen Familie. Geschäftsführer Ramin Morady, 36, erklärt, warum er sich für "Anton" statt "Ali" entschieden hat.

SZ: Ihr Nasi-Goreng-Gewürz heißt "Lena", das orientalische Fischgewürz "Walter" und das Cevapcici-Gewürz "Peter". Ernsthaft?

Ramin Morady: Ja! Wir haben die Namen bewusst ausgewählt. Vorher hießen die Gewürze ja anders ...

Wie denn?

Ich hatte sie nach Freunden und Familienangehörigen benannt: Mohamad, Hassan, Nasi - eine Mischung aus deutschen und persischen Namen. Das haben wir ganz cool gefunden und einen Test durchgeführt: Bei einem kleinen Supermarkt haben wir die Gewürze Mohamad, Ali, Hussein und Anton, Sabine und noch mal eins angeboten. Am Ende des Tages wurden die deutschen Namen mehr angenommen, was auch verständlich ist.

Warum ist das bitteschön verständlich?

Na ja, wir sind in Deutschland, da ist die Identifikation mit den deutschen Namen einfach höher. Eine Gudrun, 70, bringt mit dem Namen Anton ihren Neffen oder Enkel in Verbindung, mit Hussein nicht. Deshalb haben wir gesagt: Okay, wir nehmen die deutschen Namen.

Und warum ausgerechnet Ralph, Anton, Werner und Manfred?

Das sind die Namen von Mitarbeitern, Nachbarn und Freunden, ohne die wir nicht da wären, wo wir jetzt sind. Für mich arbeitet nun mal kein Ali oder Hussein. Nicht, weil ich sie nicht will, meine Tür ist für jeden offen. Aber es bewirbt sich einfach kein Ali oder Hussein.

Und unter Ihren Kunden? Sind da mehr Alis oder Antons?

Weitaus mehr Antons, würde ich sagen. Wir verkaufen auch Kaffee, die Sorten heißen "Morgenland" oder "Alibaba". Und auch da habe ich unter den Kunden mehr Antons. Ich glaube auch nicht, dass mehr Mohamads mein Gewürz kaufen würden, wenn da Hussein oder Ali draufstehen würde.

Könnte man den Antons und Sabines, die gerne orientalisch kochen, nicht auch zumuten, dass orientalische Namen auf ihren Gewürzen stehen?

Ja, ganz klar. Ich persönlich hätte auch gern ein Gewürz nach meiner Mutter oder meinem Vater benannt. Das ist auch in Arbeit. Aber ich muss mich auch in die Konsumenten hineinversetzen. Anscheinend wollen die lieber einen Anton als einen Hussein auf ihrem Tisch haben. Bei unserem Internetauftritt war es ähnlich: Der war früher sehr orientalisch aufgebaut, richtig toll gemacht. Aber wenn wir uns damit bei Firmen als Kooperationspartner beworben haben, wurden wir belächelt und als kleiner Basar-Laden abgewimmelt. Ich glaube, das Orientalische wirkte auf sie unseriös. Nachdem wir unsere Website neutral, oder eher: westlich, gemacht haben, wurden wir sehr viel besser angenommen.

Können Sie nachvollziehen, dass Menschen mit ausländischen Wurzeln enttäuscht sind, dass selbst jemand wie Sie seinen Produkten deutsche Namen gibt?

Auf Instagram hat eine Frau die Namen kritisiert, und das hat sich irgendwie zu einem Shitstorm entwickelt. Innerlich hat mich das schon getroffen, weil ich unheimlich viel Arbeit da reingesteckt habe, zwei, drei Jahre. Sonst habe ich keine negativen Rückmeldungen bekommen. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass jeder Geschäftsmann, ob er Ali oder Klaus heißt, nach der Wirtschaftlichkeit entscheiden würde.

Wie haben Sie auf den Shitstorm reagiert?

Ich habe geschrieben: "Ob Anton oder Ali, ob Sabine oder Shirin, für uns kommt es auf die inneren Werte an." Das gilt übrigens nicht nur für Gewürze, sondern auch für Menschen.

© SZ/min
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