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Nach den Übergriffen in Köln:Hilfspolizei in Deutschland

Wer in Deutschland meint, die Arbeit der Polizei übernehmen zu müssen, hat in einigen Bundesländern offiziell die Gelegenheit dazu.

In Bayern und Sachsen gibt es die ehrenamtliche Sicherheitswacht, die Vandalismus und Straßenkriminalität vorbeugen sollen. Bürger, die sich daran beteiligen, werden von den Polizeidienststellen ihres Wohngebietes Gebieten zugeteilt, etwa bestimmten Wohnsiedlungen, Parks oder Asylbewerberheimen. Wie bei Nachbarschaftswachen soll ihre Präsenz Verbrechen verhindern. Im Verdachtsfall müssen sie über Funk die nächste Polizeistreife informieren.

Kriminalität Nächtliche Amateur-Aufpasser
Reportage
Bürgerstreifen gegen Kriminelle

Nächtliche Amateur-Aufpasser

In Aachen gehen neuerdings Bürger nachts auf Streife, auch in anderen Städten wird eigenhändig für Sicherheit gesorgt. Aber wo endet bei diesen Gruppen der Gemeinnutzen und wo beginnt die Selbstjustiz? Eine Nacht auf Patrouille.   Von Jannis Brühl

Und nach einem Verbrechen dürfen sie einen Täter wie jeder andere nach Paragraf 127 StPO festhalten. Außerdem sind sie mit Reizgas oder Pfefferspray ausgerüstet. Darüber hinaus dürfen sie "zur Gefahrenabwehr" auch die Personalien feststellen und Platzverweise erteilen. Zu erkennen sind Mitglieder der Sicherheitswacht an Blousons mit entsprechender Aufschrift oder einem Kennschild.

In Hessen existiert ein "Freiwilliger Polizeidienst" mit ähnlichen Befugnissen wie die Sicherheitswacht. Die Mitglieder tragen eine Polizeiuniform mit Baseballkappe statt Schirmmütze. Auch sie sind mit Pfefferspray ausgestattet.

In Brandenburg helfen "Sicherheitspartner" der Polizei durch ihre Präsenz etwa bei der Verhinderung von Einbrüchen. Diese Polizeihelfer werden von Einwohnerversammlungen interessierter Ortschaften vorgeschlagen. Sie haben keine besonderen Befugnisse, sondern sollen nur auf Verdächtiges achten und die Polizei informieren.

Freiwilliger Polizeidienst mit Schusswaffe

Außergewöhnlich ist dagegen der "Freiwillige Polizeidienst" in Baden-Württemberg. Dieses ehrenamtliche Engagement, das schon seit 1963 existiert, versetzt die Freiwilligen in die Stellung eines Polizeibeamten "im Sinne des Polizeigesetzes". Die Mitglieder erhalten eine polizeiliche Grundausbildung, begleiten Polizeibeamte, tragen Polizeiuniform, Handschellen - und sogar eine Dienstpistole. Die Landesregierung hat allerdings die mittelfristige Auflösung dieses Polizeidienstes beschlossen. Mitglieder, die aufhören, werden nicht mehr ersetzt.

Guido Wolf, Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl 2016, hat aber angekündigt, den Dienst zu reaktivieren. Er sieht in den Freiwilligen mit einer polizeilichen Grundausbildung, die gemeinsam mit Polizeibeamten auf Streife gehen, eine kostengünstige Maßnahme gegen Einbruchdiebstahl.

Bei der Polizei betrachten viele Beamte die Bürgerwehren kritisch, manche stehen jedoch auch den Hilfspolizisten skeptisch gegenüber. Zivilisten, die nachts in Gruppen auf Streife gehen - wer soll erkennen, ob die nicht selbst eine Bedrohung sind? Insbesondere vor dem Hintergrund, dass gerade Rechtsradikale sich offenbar gern daran beteiligen. In Düsseldorf etwa hat die Aktion der Bürgerwehr der Polizei nicht Arbeit abgenommen, sondern zusätzliche gemacht.

Und Polizeihelfer seien "Billiglösungen" für fehlendes Personal bei Polizei und Ordnungsämtern, zitierte die Deutsche Presse-Agentur den Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, im vergangenen Jahr.

Um den Bürgerinnen und Bürgern ein Gefühl von Sicherheit zu geben, wäre es demnach wohl notwendig, die Zahl der Polizisten zu erhöhen. Sowohl um die Bürger vor Einbrüchen und Überfällen zu schützen - als auch Flüchtlinge vor Rechtsradikalen.