SZ-Kolumne "Mitten in ...":Endlich Farbe im Gesicht

Vor der Abfahrt ihres Zuges in Wien kauft sich eine SZ-Redakteurin noch schnell eine neue FFP2-Maske - und erwischt ein ganz besonderes Exemplar. Drei Anekdoten aus Deutschland und Europa.

Mitten in ... Wien

SZ-Kolumne "Mitten in ...": Illustration: Marc Herold

Illustration: Marc Herold

Nicht mehr lang bis zur Abfahrt, beim Aufsetzen der FFP2-Maske am Bahnhof in Wien dann so ein unangenehmes Gefühl: Frisch ist die bestimmt nicht mehr. Jedenfalls will ich lieber keine vier Stunden Zugfahrt mit ihr verbringen. Und Proviant muss auch noch her. Also schnell in den Drogeriemarkt, es gibt Masken ohne Ende, chirurgisch, Stoff, aber FFP2, bitte wo? "An der Kassa", sagt die Verkäuferin. Weiter zur Kassa, da sind die Masken, also zugegriffen. Ach, hübsch, rot-weiß gestreift, sonst sieht man ja die allermeisten FFP2-Masken immer noch vor allem in langweiligem Weiß. Bei dem rot-weißen Exemplar denke ich an Strandkörbe und Sonnenschirme, habe längst gezahlt, als ich merke: Das ist ja eine Flagge. Und ich habe gleich ein Fünferpack erwischt. Lang lebe Österreich. Immerhin: Der Bundesadler ist nicht drauf. Elisa Britzelmeier

Mitten in ... Landsberg

SZ-Kolumne "Mitten in ...": Illustration: Marc Herold

Illustration: Marc Herold

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde, aber bestimmt nirgends fremder als in Landsberg. Das ist ein gigantischer Gewerbehof, günstig gelegen zwischen zwei Autobahnen und deshalb vollgestellt mit Lagerhäusern, Logistikzentren, Speditionen und Hauptquartieren ohne Zweifel systemrelevantester Firmen. Diese anmutige Gewerbesteppe verfügt über einen Supermarkt mit Imbiss, in dem einem die Bedienung aus lauter Mitleid ein zweidaumendickes Stück Leberkäs heruntersäbelt, fast wie daheim. Ein Trucker und ein Gerüstbauer unterhalten sich, wer ohne Training den besseren Bizeps hat. Draußen an der Straße hängt völlig überraschend das gute Gesicht von Hubert Aiwanger. Die Träne drückt - Heimat in dieser Einöde. Aber wahrscheinlich hat Aiwanger nur das sachsenanhaltinische Landsberg mit dem richtigen in Bayern verwechselt. Willi Winkler

Mitten in ... Portocolom

SZ-Kolumne "Mitten in ...": Illustration: Marc Herold

Illustration: Marc Herold

Am Strand von Portocolom auf Mallorca liegen die Badegäste auf ihren viel zu weichen Komfortliegen, auf Knopfdruck bringt der Kellner ein kühles Getränk, sonst regt sich nichts. Auch als die beiden jungen Verkäuferinnen ihren Korb mit den Sommerkleidchen in den heißen Sand stellen und ihre Modenschau starten, passiert erst mal wenig. Bis die erste Kundin aufsteht, Interesse bekundet und mit einem Geldschein wedelt. Da springt auch schon die zweite auf, um sich eines dieser Hängerchen überzuwerfen; immer neue Schnäppchenjägerinnen verlassen jetzt ihre Schattenplätze und treten in die Kulisse. Arme und Beine wirbeln beim gemeinsamen Anprobieren durcheinander, man hört spitze Rufe der Entzückung und der Enttäuschung, alle balgen sich um einen Hauch von Nichts, bis der Korb leer ist. So was nennt man wohl Aufmerksamkeitsökonomie. Christian Mayer

Zur SZ-Startseite

SZ-Kolumne "Mitten in ..."
:Mein Abteil gehört mir!

Ein SZ-Redakteur will sich im ICE mit seiner Familie ins Familienabteil setzen. Sieht so aus, als wären noch Plätze frei. Aber denkste! Drei Anekdoten aus Deutschland und Europa.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB