Medizin:Pasta im All

Medizin: Für viele das beste Essen auf der Welt - und nun auch darüber hinaus.

Für viele das beste Essen auf der Welt - und nun auch darüber hinaus.

(Foto: Filippo Carlot/IMAGO/Filippo Carlot)

Der Raumstation ISS werden italienische Nudelkreationen geliefert. Rom jubelt, aber kann man die Feinheiten der Küche in der Schwerelosigkeit überhaupt schmecken?

Von Werner Bartens

Bella Italia! Sehnsuchtsland der Deutschen, seit Goethe den Alpenhauptkamm überquert hat. Diese Lässigkeit und Lebenslust. Diese Genussfreude. Und erst die Küche! Kenner des Landes spotten zwar, dass die "cucina italiana" außer Pizza, Pasta und Spurenelementen von Grillgemüse nicht viel zu bieten habe. Doch was macht das schon, wenn die drei Köstlichkeiten von der Apenninhalbinsel mit so viel Herzenswärme serviert werden, dass sich in jeder Pizzeria Roma (der häufigste Name italienischer Gaststätten in Deutschland) sofort das Gefühl von "dolce vita" einstellt. Zur Sterneküche reicht es meist zwar nicht - trotzdem kommt die italienische Küche den Sternen jetzt näher.

Für die Mitglieder der Axiom Mission 3, die am Donnerstag zur Internationalen Raumstation (ISS) gestartet sind, werden dort auch original italienische Nudelmenüs serviert. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist stolz, dass jetzt "exzellente Lebensmittel und ein ikonisches Produkt wie Pasta" ins All fliegen. In der Raumkapsel, die laut Fahrplan in der Nacht zum Samstag an der ISS andocken soll, sind neben dem US-Kommandanten ein türkischer und ein schwedischer Raumfahrer an Bord - sowie Walter Villadei, ein Oberst der italienischen Luftwaffe als Pilot.

Medizin: "Axiom 3" ist eine europäische Mission. Die Mitglieder Marcus Wandt (Schweden), Alper Gezeravcı (Türkei), Walter Villadei (Italien) und Michael López-Alegría (USA/Spanien), vor dem Start in Florida am Donnerstag.

"Axiom 3" ist eine europäische Mission. Die Mitglieder Marcus Wandt (Schweden), Alper Gezeravcı (Türkei), Walter Villadei (Italien) und Michael López-Alegría (USA/Spanien), vor dem Start in Florida am Donnerstag.

(Foto: Gregg Newton/AFP)

Ob die Besatzung in den Weiten des Weltalls herausschmecken wird, ob gerade Spaghetti alla Carbonara oder Tagliatelle al Ragù auf dem Speiseplan stehen? Im Orbit handelt es sich naturgemäß um Fertiggerichte, und das Essen kommt in Beuteln oder Dosen, was - das Auge isst bekanntlich mit - den Genuss bereits schmälern könnte. Ohnehin berichten Astronauten von früheren Missionen, dass es ihnen im All nicht wirklich gemundet habe. Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen sich Astronauten ihre Weltraumnahrung aus einer Art Zahnpastatube in den Mund drücken mussten. Der sowjetische Pilot Juri Gargarin bekam 1961 während des ersten Raumflugs der Geschichte eine undefinierbare Rindfleischpampe serviert; zum Dessert gab es immerhin eine zähflüssige Masse, die als Schokolade etikettiert war.

Medizin: Die internationale Raumstation ISS, fotografiert aus einer "Soyuz MS-19"-Kapsel im April 2022.

Die internationale Raumstation ISS, fotografiert aus einer "Soyuz MS-19"-Kapsel im April 2022.

(Foto: Roscosmos/via REUTERS)

Heutzutage löffeln Astronauten den Inhalt ihrer Konserven oder gehen mit Messer und Gabel ans Werk. Die Auswahl auf der Menüliste ist größer, für den gebürtigen Schwaben Alexander Gerst gab es auf seinem ersten Raumflug Käsespätzle, die aber nur mäßig ankamen. Kulinarische Höhepunkte sind auch mit italienischen Nudelkreationen nicht zu erwarten.

Geruchs- und Geschmackssinn werden im Weltraum gedämpft. Das liegt an der Schwerelosigkeit, wodurch sich Gewebeflüssigkeiten gleichmäßiger im Körper und eben auch im Kopf verteilen. Die Nase ist, wie bei Schnupfen, leicht zugeschwollen, sodass sogar feine Speisen eher fad schmecken. Wegen der fehlenden Schwerkraft verbraucht der Körper deutlich weniger - im All fehlt schlicht oft der Appetit.

Vielleicht ließe sich die Lust auf Leckereien im Weltraum steigern, wenn neben Pasta auch Spaghetti-Eis auf dem Speiseplan der nächsten Nudelrakete stünde. Allerdings wurde dieses Deluxe-Produkt der italienischen Gastronomie nicht in Italien erfunden. Eisdielenbetreiber aus Mannheim und Neuss streiten um das Recht am ersten Rezept.

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