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Kirche - Seevetal:Missbrauch der Ex-Konfirmandin kein Einzelfall

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Seevetal/Rosengarten (dpa) - Der Pastor, der zwischen 1988 und 1997 eine ehemalige Konfirmandin im Kreis Harburg sexuell belästigt und missbraucht hat, soll sich auch an weiteren jungen Mädchen vergriffen haben. Eine zweite Frau aus der Region habe sich vor einigen Monaten bei der Kirche gemeldet, sagte Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch, Leiter der Rechtsabteilung des Landeskirchenamtes Hannover, am Montag in Hittfeld (Gemeinde Seevetal). Zudem hätten sich seit Bekanntwerden der Pressekonferenz zwei weitere Betroffene gemeldet, "die von dem Pastor zumindest belästigt wurden". Des Weiteren soll es weitere Fälle in Wolfsburg-Detmerode geben, wo der Pastor von 1972 bis 1986 gearbeitet hat. Auch dort soll es zumindest um sexuelle Belästigung gehen.

Am Montag hatte sich die damals 15 Jahre alte Konfirmandin öffentlich zu Wort gemeldet. Ihr gegenüber war der Pastor von 1988 an nach Kirchenangaben in der Kreuzkirchengemeinde Nenndorf fast zehn Jahre übergriffig geworden. "Ich bin mir heute sicher, dass er von Anfang an geplant hat, sexuelle Übergriffe an Mädchen zu begehen", sagte die Betroffene dazu, die per Video zur Pressekonferenz geschaltet wurden. Sie tritt unter dem Pseudonym Katarina Sörensen auf. Der 30 Jahre ältere Pastor ist 2013 im Alter von 70 Jahren gestorben.

Die evangelisch-lutherische Kirche arbeitet seit mehreren Jahren Fälle von sexualisierter Gewalt systematisch auf. In den vergangenen zehn Jahren seien der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers bereits mehrere Dutzend Missbrauchsfälle gemeldet worden, sagte Mainusch weiter. "Wir haben insgesamt 123 Fälle sexualisierter Gewalt seit 1945. Davon sind die weitaus meisten, das sind über 80 Prozent, Fälle in den Einrichtungen der Diakonie."

Sörensen hatte sich im Sommer 2015 erstmals an die landeskirchliche Ansprechstelle für Opfer sexualisierter Gewalt gewandt und später Schadenersatz in Höhe von 35 000 Euro bekommen. Das ist das bisher höchste, was die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers bei Missbrauchsfällen nach eigenen Angaben gezahlt hat.

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