bedeckt München 23°

Vereinte Nationen:Kinderarbeit breitet sich aus

Kinderarbeit in Dhaka

Ein dreizehn Jahre alter Junge arbeitet in einer Metallwerkstatt in Bangladesch.

(Foto: Md Mehedi Hasan/dpa)

Erstmals seit Jahren gerät der Fortschritt ins Stocken. Fast jedes zehnte Kind ist betroffen. Die Pandemie könnte noch weitere Millionen Jungen und Mädchen in Kinderarbeit treiben.

Die Kinderarbeit ist laut den Vereinten Nationen weltweit wieder angestiegen. Den jüngsten globalen Schätzungen zufolge waren Anfang 2020 weltweit 160 Millionen Kinder betroffen, teilten die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und das Hilfswerk Unicef in Genf mit.

Damit habe sich die Zahl in den vergangenen vier Jahren um 8,4 Millionen erhöht, hieß es anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit am Samstag. Zum ersten Mal seit 20 Jahren sei der Fortschritt im Kampf gegen Kinderarbeit ins Stocken geraten. Die bislang positive Entwicklung habe sich umgekehrt: Zwischen 2000 und 2016 war die Zahl der Mädchen und Jungen in Kinderarbeit noch um 94 Millionen gesunken, so die beiden Organisationen.

Die Zahl der Minderjährigen zwischen fünf und elf Jahren in Kinderarbeit sei zuletzt deutlich angestiegen, hieß es weiter. Sie stellen nun weltweit etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen. Die Zahl der Kinder von fünf bis 17 Jahren, die besonders gefährliche Tätigkeiten verrichten, ist demnach seit 2016 um 6,5 Millionen auf 79 Millionen angestiegen. Dazu zählen Arbeiten, die ihre Sicherheit, körperliche oder seelische Gesundheit bedrohen.

Fast die Hälfte der Kinder müssten eine gefährliche Arbeit verrichten, die "Gesundheit, Sicherheit und moralische Entwicklung direkt gefährde". Darunter fallen Dienste in Fabriken, Minen oder Landwirtschaft.

Weitere neun Millionen Menschen könnten in der Pandemie in Kinderarbeit abrutschen

63 Millionen Mädchen und 97 Millionen Jungen seien von Kinderarbeit betroffen, das sei nahezu jedes zehnte Kind auf der Erde. Brennpunkt seien die Länder Afrikas südlich der Sahara, wo seit 2012 die Kinderarbeit absolut und prozentual angewachsen sei. Dort gebe es jetzt mehr Kinderarbeiter als im Rest der Welt zusammen.

70 Prozent der Jungen und Mädchen in Kinderarbeit sind den Vereinten Nationen zufolge im Agrarsektor tätig, 20 Prozent im Dienstleistungsbereich und zehn Prozent in der Industrie. Rund ein Drittel der Betroffenen gehen nicht zur Schule.

Im Zuge der Corona-Pandemie drohten weitere neun Millionen Mädchen und Jungen bis zum Ende des Jahres in die Kinderarbeit abzurutschen, warnten die Vereinten Nationen. ILO-Generaldirektor Guy Ryder rief die Staaten dazu auf, entschlossen dagegen vorzugehen. "Wir können nicht tatenlos zusehen, während eine Generation von Kindern gefährdet ist."

Ryder forderte umfangreichere Sozialmaßnahmen, damit Familien ihre Kinder auch während schwerer ökonomischer Krisen in die Schulen schicken können. Zudem seien vermehrte Investitionen in den ländlichen Raum und in die Agrarwirtschaft notwendig. "Es ist Zeit für neues Engagement und Energie, um die Trendwende zu schaffen und den Kreislauf von Armut und Kinderarbeit zu durchbrechen."

© SZ/epd/KNA/saul/kml
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB