Internetausfall:Titel konnte nicht geladen werden

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Immer mehr Lebensbereiche hängen vom Internet ab, doch was passiert, wenn das mal ausfällt?

(Foto: Danny Lawson/picture alliance/dpa/PA Wire)

Kürzlich waren Facebook, Whatsapp und Instagram stundenlang nicht erreichbar. Kann das eigentlich auch mit dem ganzen Internet passieren?

Von Fabian Thomas

"Die Menschen können keine Selfies mehr posten und nicht mehr scheißen", so lapidar schätzt zunächst der Innenminister in der Serie "Blackout" die Lage ein, als plötzlich alles dunkel ist. Er muss sich bald korrigieren, der Stromausfall in der sechsteiligen Serie dauert Wochen - und hat ziemlich ernste Folgen: Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern können nicht mehr versorgt werden, das Wasser wird knapp, es gibt Plünderungen. Der Handyakku ist bald leer, aber Internet und Telefonnetz funktionieren sowieso nicht mehr.

Es ist gar nicht so lange her, da herrschte wirklich für sechs Stunden Stille. Facebook, Whatsapp, das von vielen so geliebte Instagram - Anfang Oktober allesamt offline, "Server nicht erreichbar". Im Rest des Internets dafür umso mehr Aufregung: Auf Twitter trendete der Hashtag #facebookdown, Nutzer teilten Memes zum Ausfall, es wehte ein Hauch von Weltuntergang durchs World Wide Web.

Was, wenn auch der Rest des Internets ausfallen würde? Wie wahrscheinlich ist das eigentlich? "Der beste Weg, das Internet für mehr als ein paar Stunden auszuschalten", sagt Scott Borg vom United States Cyber Consequences Unit, "wäre ein Angriff auf die Stromversorgung". Borg leitet den Thinktank in Washington mit dem schön klingenden Namen.

"Seriöse IT-Experten machen sich wenig Sorgen über einen völligen Internetausfall."

Borg sagt aber auch: Falls die Elektrizität länger ausfiele, sei der Verlust des Internets sicher nicht das größte Problem. Er und seine Kollegen studieren, wie sich Lieferketten, Finanztransaktionen und kritische Infrastruktur verhalten, wenn ein solcher Blackout stattfände. Nach etwa acht bis zehn Tagen, schätzen sie, würde ein Großteil der Wirtschaft nicht mehr funktionieren, auch Krankenhäuser wären betroffen. Die gute Nachricht: Dieses Szenario ist extrem unwahrscheinlich. "Seriöse IT-Experten machen sich wenig Sorgen über einen völligen Internetausfall", sagt Borg.

Durchaus realistisch aber sind Teilausfälle, die auf zwei Ebenen passieren können: im Bereich der Hardware, wenn also beispielsweise Unterseekabel durch ein Fischerboot beschädigt werden. Und im Bereich der Software wie bei Facebook am 5. Oktober. Der Konzern erklärte die Störung damals mit einem Konfigurationsfehler. Vor allem die Software bereitet auch Matthias Wählisch Sorgen, denn hier steigt seiner Meinung nach die Wahrscheinlichkeit für Ausfälle. Der Professor für Internettechnologie an der Freien Universität Berlin spricht von "menschlichen Fehlern", er glaubt, dass immer weniger Entwickler die zunehmende Komplexität des Internets verstünden. "Teilweise werden Software-Lösungen auf den Markt gebracht - wer das hier machen würde, der würde keinen Abschluss bekommen." Neulich schaute sich Wählisch den Internetanschluss seiner smarten Heizung an. "Abenteuerlich" fand er das, was er da sah.

Wählisch wünscht sich mehr digitale Bildung bei den Nutzerinnen und Nutzern: Der erste Schritt sei, sagt er, "dass man sich die Abhängigkeit klarmacht". Das Problem sei die Monopolisierung. Heißt: Wer alles - Kommunikation, Finanzen, Navigation und Berufliches - über die Plattformen einer einzigen Firma wie Google abwickelt, für den kann ein Teilausfall zum Totalausfall werden. Wer Alternativen kenne, der sei bei einem Ausfall weniger betroffen, sagt Wählisch. Der Professor für Internettechnologie hat sich übrigens einen ganz eigenen Schutzmechanismus zugelegt: Er benutzt nicht einmal ein Smartphone.

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