Schnee Wie baut man ein gutes Iglu?

Schneeblöcke, diagonal im Kreis gestapelt.

(Foto: Felix Sprecher)

Für diejenigen, die angesichts der Schneemassen die Baulust packt: Ein Gespräch mit dem Schweizer Iglubauer Felix Sprecher über einfache und komplexe Schneehäuser.

Interview von Thomas Hummel

In Südbayern und mehreren Alpenregionen ist so viel Schnee gefallen wie seit Jahren nicht mehr. An manchen Orten in den Bergen wurde deshalb Katastrophenalarm ausgerufen, es drohen Lawinenabgänge, Kinder können nicht zur Schule gehen. Anderswo ist die Lage entspannter - und da lässt sich mit dem Schnee allerhand anfangen. Die Königsdisziplin ist das Iglu. Die Frage ist nur: Wie baut man sowas? Felix Sprecher, 39, aus Basel hat mit fünf Freunden den Verein "Iglubauer" gegründet. Er veranstaltet Ausflüge in die Natur samt Igluerrichtung und Übernachtung.

SZ: Herr Sprecher, angenommen, ich möchte mir meinen Traum vom Schneehaus erfüllen, wie gehe ich das an?

Felix Sprecher: Es gibt verschiedene Methoden. Am einfachsten ist es, einen großen Schneehaufen zu schaufeln, ihn zu verdichten und auszuhöhlen. So ein Schneehäuschen heißt Quinzhee, das Wort kommt aus der Sprache der nordamerikanischen Indianer. Quinzhees haben in ihrer Kindheit viele gebaut. Das ist aber keine besonders spannende Variante.

Wieso nicht?

Wenn man richtige Iglus bauen will, muss man anders vorgehen. Wir schneiden mit einer Säge Blöcke aus dem Schnee. Wir legen eine erste Reihe davon kreisförmig als Grundriss auf den Boden, schneiden diese diagonal ab, so dass eine Art kreisförmiges Dreieck entsteht. Die weiteren Blöcke setzen wir dann an der Oberfläche an, wir bauen also das Iglu spiralförmig nach oben. Die Blöcke werden mit der Säge zurechtgeschnitten und eingepasst. Je höher wir bauen, desto kleiner werden die Blöcke, bis die Kuppel geschlossen ist. Die Lücken zwischen den Blöcken verputzen wir mit Schnee. Wenn wir komplexere Konstruktionen wie mehrteilige Bögen bauen, erkennen wir eins zu eins die Methode, mit der die Menschen früher ihre gotischen Kirchen gebaut haben.

Iglu, Anfangsphase.

(Foto: Felix Sprecher)

Wobei die Blöcke damals aus Stein waren.

Das ist ein Vorteil beim Iglubau: Schnee ist sehr einfach zu bearbeiten, deshalb fasziniert mich dieses Material auch so. Bei Holz oder Metall braucht man immer größere Maschinen. Schnee kann man leicht sägen, er ist relativ stabil und hält sehr viel aus. Ich kann mit einer Säge und einer Schaufel in zwei Stunden ein kleines Iglu bauen. Ich muss keine Winkel berechnen oder genau zuschneiden. Selbst die Vergänglichkeit des Iglus empfinde ich als schön.

Wie groß ist die Gefahr, dass ein Iglu zusammenstürzt, wenn man drinnen sitzt?

Wenn es kalt genug ist, hält das Iglu. Es stürzt nur ein, wenn es zu warm wird. Einmal hatten wir draußen etwas mehr als null Grad Celsius, im Iglu durch die Körperwärme etwa fünf Grad - der Schnee hielt nicht mehr. Ein anderes Mal wurde uns ein warmer Föhnsturm zum Verhängnis. Es ist aber nie das ganze Iglu zusammengestürzt, sondern nur ein Teil. Das ist nicht so tragisch, da muss man keine Angst haben.

Auf was sollten die Leute in einem Iglu achten?

Ich habe extrem großen Respekt vor offenem Feuer, sei es eine Kerze, ein Gaskocher oder ähnliches. Sowas würde ich im Iglu nicht nutzen. Es wäre verheerend, wenn etwa die Kleidung oder ein Schlafsack Feuer fängt. Ich würde auch nicht ausschließen, dass Feuer zu viel Sauerstoff verbrennt. Ansonsten ist im Iglu eigentlich immer genug Atemluft vorhanden. Es ist nicht besonders dicht, da strömt genug Luft herein.

Felix Sprecher geht regelmäßig mit Menschen in die Natur und zeigt ihnen, wie man Schneehäuser baut.

(Foto: Silvia Helsana)
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Wer meldet sich bei Ihnen für einen Iglu-Übernachtungstrip?

Lehrer veranstalten erlebnispädagogische Ausflüge mit ihren Schülern. Senioren suchen das Abenteuer, ein 60-Jähriger hat einmal einen Handstand gemacht auf seinem Iglu. Paare schenken es sich gegenseitig, Familien wollen mal gemeinsam etwas erleben. Wichtig ist dabei, dass alle freiwillig mitkommen. Bei Firmenausflügen ist das nicht immer der Fall. Das ist dann nicht ganz einfach.

Was schreckt die Leute?

Viele sind überrascht, wie anstrengend der Bau ist. Zu zweit braucht man bei uns zwischen fünf und sechs Stunden, bis das Iglu steht. Das ist körperlich fordernd, aber auch psychisch. Das Iglu stürzt während des Baus manchmal ein, dann müssen die Leute wieder neu beginnen und sich neu motivieren.

Und am Ende sitzt man in seinem Schneepalast und friert?

Es gibt schon Maßnahmen gegen die Kälte. Zum Beispiel eine Isomatte, die bestenfalls mit Daunen oder Schaumstoff gefüllt ist. Der Eingang muss tiefer liegen als die Liegefläche, damit die entstehende Körperwärme im Iglu bleibt. Manchmal stellen wir Rucksäcke in den Eingang, damit die kalte Luft von draußen nicht so arg hereinströmt. Bei einer Übernachtung ist es ganz wichtig, aufgewärmt in den Schlafsack zu gehen: also zehn Runden ums Iglu drehen und dann rein. Aber es kann auch zu viel Wärme sein. Einmal wollte eine Gruppe unbedingt Fondue im Iglu essen. Das ging solange gut, bis das Iglu wegen der Hitze einstürzte.

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