Unwetter:Hurrikan "Ian": Kein Strom mehr auf Kuba

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Der Wirbelsturm bewegt sich nun auf Florida zu. Einen solchen habe es in dieser Region seit einem Jahrhundert nicht mehr gegeben, sagen Experten. 2,5 Millionen Menschen sollen sich in Sicherheit bringen. In Asien wütet Taifun "Noru" - mindestens 24 Menschen sterben.

Auf ganz Kuba fällt der Strom aus, in Florida sind 2,5 Millionen Menschen dazu aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen: Hurrikan Ian zieht mit zerstörerischer Gewalt von der Karibik auf das amerikanische Festland zu, das er am Mittwochabend erreichen soll. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 Stundenkilometern gilt der Sturm im Golf von Mexiko nun als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie, wie das US-Hurrikanzentrum mitteilte. Es warnte vor "lebensbedrohlichen Sturmfluten, katastrophalen Winden und Überschwemmungen" in Florida.

Nach seinem Wirbeln über Kuba ist dort landesweit der Strom ausgefallen. Dies sei auf wetterbedingte Schäden am Stromnetz zurückzuführen, teilte der staatliche Stromanbieter des sozialistischen Karibikstaates, UNE, auf Facebook mit. Die Wiederherstellung der Stromversorgung sei ein komplizierter Prozess, der sich schrittweise in der Nacht und am Morgen vollziehen werde. In der Hauptstadt Havanna war nur in den wenigen Gebäuden, die über Generatoren verfügten, Licht zu sehen - vor allem in Hotels. Teile des Landes und auch der Hauptstadt hatten bereits den Großteil des Dienstags keinen Strom.

Hurrikan "Ian" auf Kuba: Zerstörungen in der Provinz Pinar del Río

In der Provinz Pinar del Río hält eine Frau ihren Hund, während sie auf einen Transporter wartet. Ihr Haus hat sie durch den Hurrikan verloren.

(Foto: Ramon Espinosa/dpa)

Der Sturm war als Hurrikan der Kategorie 3 von 5 am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) im Westen Kubas auf Land getroffen. In der besonders betroffenen Provinz Pinar del Río seien zwei Menschen nach dem Einsturz ihrer Häuser gestorben, teilte die Regierung mit. Das Ausmaß der Schäden ist noch unklar - auch weil wegen gestörter Internetverbindungen nur langsam Informationen nach außen kommen. "Die Schäden sind groß, wenn auch noch nicht statistisch erfasst", sagte Staatspräsident Miguel Díaz-Canel nach einem Besuch in Pinar del Río. Kubas Stromversorgung war schon vor Ian unzuverlässig, die Infrastruktur ist veraltet, die Kraftwerke zu klein. In vielen Teilen des Landes kommt es zu häufigen, langen Stromausfällen.

Derweil rüstet sich der US-Bundesstaat Florida für Ian. "Die Vorhersagen können sich ändern, aber im Moment sagen die Experten, dass dies ein sehr schwerer Hurrikan sein könnte, lebensbedrohlich und mit verheerenden Auswirkungen", sagte US-Präsident Joe Biden. Das US-Hurrikanzentrum warnte an der Westküste Floridas vor einer lebensbedrohlichen Sturmflut und Orkanböen. Für 2,5 Millionen Menschen galten Evakuierungsanweisungen - zahlreiche Menschen brachten sich in Sicherheit.

Meteorologen warnten, dass Ian über dem warmen Golf von Mexiko an Stärke gewinnen werde und anhaltende Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde erreichen könnte. Es werde zwar erwartet, dass der Hurrikan sich abschwäche, bevor er südlich der Stadt Tampa auf Land treffen werde, sagte Floridas Gouverneur Ron DeSantis. Weil er sich dann aber im "Schneckentempo" bewege, werde sehr viel Regen in der Küstenregion fallen.

DeSantis rief die Menschen auf, sich zu schützen. Niemand solle davon ausgehen, dass es dieses Mal wieder glimpflich ausgehen werde, weil das in der Vergangenheit oftmals so gewesen sei. Häuser könne man wieder aufbauen - die persönliche Sicherheit aber gehe über alles. "Sie haben noch etwas Zeit, aber diese Zeit läuft schnell ab", sagte DeSantis.

Erste Ausläufer des Hurrikans "Ian" in Florida

In Florida sind die ersten Ausläufer des Hurrikans bereits zu spüren. Was noch am Dienstag für einige vor allem ein Foto-Motiv war ...

(Foto: Rob O'neal/dpa)
Hurrikan "Ian": Stau auf der Autobahn bei Tampa Bay

... ist für die meisten eine ernste Bedrohung: Bei Tampa Bay ist die Autobahn voller fliehender Menschen.

(Foto: Willie J. Allen Jr/Imago)

Die voraussichtlich von dem Sturm betroffene Region habe seit etwa hundert Jahren nicht mehr einen solchen Hurrikan erlebt, warnte Deanne Criswell von der amerikanischen Katastrophenschutzbehörde Fema. Es sei wichtig, dass auch Menschen, die noch nicht lange in dem südöstlichen Bundesstaat lebten und wenig Erfahrung mit Wirbelstürmen hätten, die Sache ernst nähmen. Expertinnen und Experten beunruhigt auch, dass in den vergangenen Jahrzehnten in der Region immer näher am Wasser gebaut wurde. Überschwemmungen könnten viele Gebäude beschädigen oder zerstören.

Start der nächsten Rakete zur ISS verschoben

Aus dem US-Verteidigungsministerium hieß es, mehr als 3200 Mitglieder der Nationalgarde in Florida seien aktiviert, weitere 1800 hielten sich für den Bedarfsfall bereit. Florida habe Soldaten, Luftwaffenangehörige und Ausrüstung an Stützpunkten im ganzen Bundesstaat positioniert, um sie für einen Einsatz in den vom Sturm betroffenen Gebieten vorzubereiten, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Die Nationalgarde könne sich beispielsweise um die Räumung von Straßen kümmern, und bei Such- und Rettungsaktionen helfen.

Wegen Ian ist auch der Start der nächsten Crew zur Internationalen Raumstation ISS verschoben worden, der für den 3. Oktober geplant war. In der Hauptstadt Washington wurde eine für Mittwoch angesetzte öffentliche Anhörung des Untersuchungsausschusses zur Kapitol-Attacke abgesetzt.

16 Tote in Kambodscha durch Taifun "Noru"

Auch in Asien verursacht ein Wirbelsturm schwere Zerstörungen: In Kambodscha hat Taifun Noru zu massiven Überschwemmungen geführt. Bis Mittwoch seien mindestens 16 Menschen in den Fluten ertrunken, berichtete die Zeitung Phnom Penh Post unter Berufung auf den Katastrophenschutz. Besonders der Mekong River sei durch den anhaltenden Regen stark angeschwollen, hieß es. Auf den Philippinen waren zuvor mindestens acht Menschen gestorben.

Eine überflutete Straße in Hoi An in Vietnam

Eine überflutete Straße in Hoi An in Vietnam.

(Foto: Nhac Nguyen/AFP)

In Vietnam fiel in mehreren Provinzen der Strom aus. Bäume knickten um, Dächer wurden abgedeckt und Tausende Häuser beschädigt. Dort wütete Noru jedoch weniger stark als befürchtet: Die Windgeschwindigkeit habe bis zu 133 Stundenkilometer betragen, als der Sturm auf die Küste traf, teilte die nationale Meteorologiebehörde mit. Danach habe sich der Taifun auf Spitzengeschwindigkeiten von 117 Stundenkilometern abgeschwächt. Die Behörden hatten am Dienstag vorsorglich Hunderttausende Menschen in Sicherheit gebracht und zehn Flughäfen geschlossen. Zudem wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Experten rechnen auch in den kommenden Tagen noch mit starken Regenfällen in Kambodscha sowie in Laos und Thailand.

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