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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Gurkenwasser, genial

Develey Gurkenwasser gegen Eisglätte
(Foto: Develey)

Wie die Bürger im niederbayerischen Dingolfing einmal mehr ihre Kreativität beweisen - und glatte Straßen im Winter einfach mit überschüssiger Gurkensole enteisen.

Von Michael Neudecker

Der Dingolfinger an sich ist ein kreativer Zeitgenosse. Die Linienbusse zum Beispiel hat er nicht einfach uninspiriert durchnummeriert ("Linie 185"), sondern "Dingo" getauft; es gibt einen blauen Dingo, einen roten, einen grünen und einen gelben. Der Dingolfinger ist zudem gesegnet mit einem BMW-Werk, das mehr Mitarbeiter beschäftigt, als die Stadt Einwohner hat, und damit er (in Einzelfällen auch: sie) von überall nach Hause fahren kann, hat er sich drei Autobahnausfahrten gesichert und sich dabei auch nicht davon abhalten lassen, dass man bei der dritten Ausfahrt eigentlich schon an Dingolfing vorbei ist.

Nicht zuletzt wählt der Dingolfinger gelegentlich out of the box, zu Zeiten, als in Niederbayern Begriffe wie "Opposition" und "SPD" exotische Spinnereien waren, hatte der Landkreis einen roten Landrat. Der Mann war bis vor Kurzem im Amt, im Grunde also fast so lange wie die Königin von England.

Falls noch Beweise für die Findigkeit des Dingolfingers fehlten: Der Kreisstädter, wie er gerne genannt wird, enteist nun bereits im zweiten Winter seine glatten Straßen mit Gurkenwasser. Die Kreisstadt verfügt nämlich über eine Gurkenfabrik, die am Ortseingang zwar nicht zwingend ins Auge, dafür umso mehr in die Nase fällt. Und weil dort jedes Jahr ungefähr 10 000 Kubikmeter Gurkenwasser übrig bleiben, hatte ein Mitarbeiter die Idee, die Gurkensole dem Bauhof anzubieten, der wie vieles anderes auch nicht weit entfernt von der Fabrik liegt. "Wir kriegen die Ware so, wie wir sie brauchen, und dann läuft's", sagt dazu der Dienststellenleiter des Bauhofs in lokalen Medien. Ja mei, großes Gewese, das ist eher was für Münchner.

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