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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Komme, was Wolle

Foto: Brendan Smialowski/AFP

Wie Bernie Sanders mit seinen gestrickten Fäustlingen bei der Inauguration das Internet begeistert.

Von Max Sprick

Wie man sich verstrickt, hat Donald Trump mehrfach gezeigt. In Widersprüche, Anfeindungen, Lächerlichkeiten, die sich wie ein roter Faden durch seine Amtszeit zogen. Allzu oft hat er aus dem Nähkästchen getwittert, bis ihm dieses Kästchen abgenommen wurde. Dass hinter dem Stricken mehr als nur Phrasen stecken können, hat nun aber der Mann gezeigt, der als linkes Gegenstück zu Trump gilt: Bernie Sanders.

Man könnte meinen, Sanders hatte eine ziemlich gute Zeit, als am Mittwoch sein "Bro" Joe Biden (so bezeichnete die New York Times einmal die beiden) als neuer US-Präsident vereidigt wurde, für den er seine eigene Kandidatur zurückgezogen hatte. Und wie so oft begeisterte Sanders die Massen, auch wenn er diesmal nicht gegen das Establishment und für das Vereinte in den Vereinigten Staaten ansprach. Man kennt ihn wild gestikulierend, doch nun saß er da, auf einem Klappstuhl, ganz ruhig, mit verschränkten Beinen und Armen. Motto: Komme, was Wolle.

Im winterlich kalten Washington trug er dazu nämlich ein braun-schwarz-beiges Accessoire: Fäustlinge. Die hatte er schon zu einigen öffentlichen Anlässen an, nie aber riss er vor allem junge US-Amerikaner und weltweit das Internet so sehr vom Hocker wie in diesem Moment, in dem er mit Mundschutz, verschränkten Armen und seinen Fäustlingen dasaß. "Schwere Zeiten bringen oft das Beste im Menschen zum Vorschein", hat Sanders mal gesagt. Gute Zeiten aber können auch etwas Gutes hervorbringen - hergestellt aus recycelten Pullovern und alten Plastikflaschen, akkurat gestrickt von einer Grundschullehrerin.

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© SZ/afis
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