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Gesunkene Ölplattform:Natur hilft Einsatzkräften

Günstige Winde halten das Öl im Golf von Mexiko vorerst vom Festland fern. Während alle auf die Absenkung einer riesigen Metallkuppel warten, werden neue Vorwürfe gegen den Plattformbetreiber Transocean laut.

Zwei Wochen nach der Explosion auf der Ölbohrinsel Deepwater Horizon hilft die Natur den Einsatzkräften. Der Ölteppich im Golf von Mexiko bleibt der US-Küste vorerst fern. Zwar sprudeln weiter jeden Tag schätzungsweise 700 Tonnen Rohöl ins Wasser, aber dank günstiger Winde wurde das Öl auch am Dienstag noch nicht am Festland angeschwemmt. Die Einsatzleiter vor Ort schätzen, dass das zumindest in den nächsten drei Tagen auch noch so bleibt. Indessen werden Vorwürfe gegen die Betreiberfirma Transocean laut: Bereits in der Vergangenheit habe es Sicherheitslücken auf der Plattform gegeben.

Ölplattform, Transocean, DAPD

In der Nähe der gesunkenen Ölbohrinsel

Deepwater Horizon

haben die verantwortlichen Unternehmen eine neue Plattform aufgestellt, die Entlastungsbohrungen durchführen und so den Ölaustritt verringern soll.

(Foto: Foto: DAPD)

Der günstige Wind gibt den Einsatzkräften Zeit, Säuberungsarbeiten und Schutzmaßnahmen für die Küstenregion mit Hochdruck voranzutreiben. Berichte, nach denen am Dienstag Öl auf die unbewohnten Chandeleur Islands vor der Südspitze des US-Staates Louisiana schwappte, blieben zunächst unbestätigt. Es seien mehr als 20 Boote zu der kleinen Inselkette geschickt worden. Aber bisher habe man kein Öl entdeckt, sagt ein Sprecher der Küstenwache.

Die Marine-Konteradmiralin Mary Landry zeigte sich erleichtert über das vorläufige Fernbleiben des Teppichs vom Festland: Sie nannte den Zeitgewinn ein "Geschenk", das es erlaube, im Kampf gegen die Ausbreitung der Ölpest alle Register zu ziehen. Dank des besseren Wetters arbeiteten Experten bereits am Dienstag auf vollen Touren daran, Öl von der Wasseroberfläche abzuschöpfen und durch das Versprühen von Chemikalien aufzubrechen.

Das Mittel, das einer Seifenlauge ähnelt, wurde auch erneut mit Hilfe von Roboterfahrzeugen unter Wasser eingesetzt - in der Nähe der drei Stellen in 1500 Meter Tiefe, an denen das Öl austritt. Doug Suttles, Manager des britischen Ölkonzerns BP, nannte diese Prozedur "wirksam".

Hoffnungen ruhen auf riesiger Metallkuppel

BP hofft auch, eines der Lecks bald mit Hilfe eines Roboters schließen zu können. Suttles räumte zugleich ein, dass dies an der Menge des ausfließenden Öls kaum etwas ändern werde. Aber es sei ein Fortschritt und werde die weiteren Arbeiten an einem Stopp des Ölaustritts erleichtern. "Wir haben es dann mit zwei statt drei Lecks zu tun", sagte der BP-Manager.

Hoffnung setzt der Konzern insbesondere auf eine riesige Metallkuppel als vorläufige Lösung. Sie soll über die ständig sprudelnde Ölquelle am Meeresboden gestülpt werden und das Öl auffangen. Das will BP dann auf ein Schiff ableiten. Der rund 64 Tonnen schwere Behälter soll an diesem Mittwoch aufs Meer gebracht werden.

Das Absenken ins Wasser und der Anschluss der nötigen Leitungen dauern aber so lange, dass das System erst in der kommenden Woche einsatzbereit sein wird - wenn alles klappt: BP betont, eine solche Kuppel sei noch nie so tief im Meer eingesetzt worden.

Gearbeitet wird ebenfalls weiter an einem Nebenzugang zu dem Bohrloch, aus dem das Öl quillt. Dadurch könnte dann ein Mittel zum dauerhaften Verstopfen der Quelle geleitet werden. Aber diese Prozedur wird nach Angaben des Ölkonzerns bis zu drei Monate dauern.