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Gefälschte Eine-Krone-Stücke in Schweden:Münze beleidigt Majestät

Ein Münzfälscher tituliert König Carl XVI. Gustaf als "Hurenbock". Ein Skandal, möchte man meinen. Doch die schwedischen Behörden sehen keinen Grund, die "Bagatelle" zu verfolgen, und der Hof in Stockholm schweigt sich aus. Mit gutem Grund.

Carl XVI. Gustaf von Schweden

Ein Untertan tituliert Schwedens König Carl XVI. Gustaf öffentlich als "Hurenbock". Der Monarch schweigt - noch.

(Foto: dpa/Süddeutsche.de)

Royale Konterfeis prangen auf Ziertellern, Kaffebechern und Geschirrtüchern. Und, im Fall des britischen Prinzen William und seiner Frau Catherine, auch mal auf Kotztüten. Die Zeiten, in denen den gekrönten Häuptern und ihren Anverwandten noch in Form von Ölschinken und Bronzestatuen gehuldigt wurde, sind also längst vorbei. Das, was sich Schwedens Monarch Carl XVI. Gustaf nun von einem Untertan gefallen lassen muss, sticht dennoch aus der Masse an mehr oder minder despektierlichen Devotionalien heraus.

Ein, so darf wohl vermutet werden, Antiroyalist hat der Frankfurter Rundschau zufolge Eine-Krone-Stücke in Umlauf gebracht, auf denen um das Porträt des Monarchen herum statt "Carl XVI. Gustaf, Schwedens König" steht: "Vår horkarl till kung" - "Unser Hurenbock von einem König". Der Unbekannte hat demnach keine Mühen gescheut, um seine Abneigung gegenüber dem 66-Jährigen und dessen wenig königlichem Beziehungsgebaren zum Ausdruck zu bringen: Die Münzen sehen täuschend echt aus. "Hervorragende Qualität", zitiert das Blatt Mårten Gomer von der schwedischen Reichsbank.

Schweigen bei Hofe

Und auch die juritischen Konsequenzen fürchtet der Fälscher offenbar nicht: Sowohl Falschmünzerei als auch Majestätsbeleidigung stehen in dem skandinavischen Land unter Strafe. Theoretisch zumindest. Denn tatsächlich zeigt das Königshaus bislang wenig Interesse daran, den Fall verfolgen zu lassen. "Wir haben keine Anzeigen von Geschädigten erhalten", hieß es von Seiten der schwedischen Polizei. Dort stuft man die Falschmünz-Affäre als "Bagatelle" ein.

Offenbar ist man bei Hofe heilfroh, dass der Skandal um die Rotlicht-Aktivitäten Carl Gustafs über die Geburt von Prinzessin Estelle endlich in (mediale) Vergessenheit geraten ist. Im Herbst 2010 war Der widerwilige Monarch, ein Enthüllungsbuch über den schwedischen König, erschienen. Darin dokumentiert: vermeintliche Seitensprünge Carl Gustafs, unter anderem mit Prostituierten, sowie mutmaßliche Kontakte von engen Freunden des Königs in die Stockholmer Unterwelt. Die Biografie gilt zwar als umstritten, schadete dem Ansehen der Familie Bernadotte jedoch nachhaltig. Öffentlich wurde über Sinn und Nutzen der Monarchie debattiert - und das in einem Land, in dem die Krone bis dato kaum einmal in Frage gestellt worden war.

Ob es von den PR-Strategen des Königshauses aber klug ist, die Majestätsbeleidigung in Münzform zu ignorieren, erscheint fraglich. Die gefälschten Eine-Krone-Stücke sollen bereits an Orten im ganzen Land aufgetaucht sein. So landet der Sexskandal im Geldbeutel der Untertanen - und damit doch wieder im öffentlichen Bewusstsein.

© Süddeutsche.de/jobr/leja

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