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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Höhlenmenschenaffen

Lombrives Cave
(Foto: AP)

In Frankreich stecken Wissenschaftler Menschen 40 Tage lang in eine Höhle, um herauszufinden, wie das ihr Zeitgefühl beeinflusst. Aber hey, wäre das nicht einfacher gegangen?

Von Moritz Geier

Wissenschaftliche Experimente sind schon oft nach hinten losgegangen, man denke etwa an jene Studenten der englischen Plymouth University, die sechs Makaken einen Computer spendierten und die Affen einen Monat damit alleine ließen. Testen wollten die Nachwuchsforscher das Infinite-Monkey-Theorem, welches besagt, dass ein Affe, wenn er nur unendlich lange und zufällig auf einer Schreibmaschine herumtippt, laut Wahrscheinlichkeitsrechnung irgendwann ziemlich sicher alle Werke von William Shakespeare zusammenschreibt. Blöderweise hinterließen die Affen am Ende nicht nur fünf Seiten Text ("sssssssssssssssssssssss"), sondern mitten auf der Tastatur auch ihr Tagesgeschäft. Klarer Fall von Schreibblockade.

Deutlich verwertbarer hört sich an, was jetzt Wissenschaftler vom französischen Human-Adaptation-Institut berichten. 15 Experiment-Teilnehmer haben 40 Tage in einer Höhle in Südwestfrankreich verbracht, ohne Tageslicht, ohne Uhren, ohne Kontakt zur Außenwelt. Die Forscher wollten herausfinden, wie Menschen sich an drastische Veränderungen ihrer Lebensbedingungen anpassen. Das Ergebnis? Wenig überraschend verloren die Menschen ihr Zeitgefühl, einer schätzte die Zeit in der Höhle am Ende auf 23 Tage. Die Gruppe hatte keine festen Verpflichtungen. "Es war, als hätte man auf eine Pause-Taste gedrückt", berichtet eine Teilnehmerin. Sie hätte sogar gerne noch ein paar Tage mehr in der Höhle verbracht.

Vielleicht sollte man das also selber mal ausprobieren? Einfach so tun, als sei man, sagen wir, in einer globalen Pandemie gefangen und stecke zu Hause fest. Vielleicht schreibt man dann, wenn es nur lange genug dauert, am Ende sogar ein Shakespeare-Stück.

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© SZ/nas
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