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Tödliches Unglück in der Klamm:"Das Wann und Wo eines Felssturzes ist nicht vorhersehbar"

Bärenschützklamm in Österreich

Mehr als 40 000 Besucher wandern jedes Jahr durch die Bärenschützklamm in der Steiermark.

(Foto: Volker Preußer/Imago Images)

In einer Klamm in Österreich sind drei Wanderer ums Leben gekommen. Die Stiegen in den engen Schluchten sind zwar gesichert, aber die Natur ist tückisch.

Von Titus Arnu

300 Meter hohe Kalkwände, rauschendes Wildwasser, spektakuläre Tiefblicke: Die Bärenschützklamm in der Steiermark ist ein beliebtes Ausflugsziel. Mehr als 40 000 Besucher kommen jedes Jahr in das Örtchen Mixnitz nördlich von Graz, um von dort aus durch die enge Schlucht zu wandern. Der Weg führt über mehr als 150 Brücken, über Felsstufen und Holzstege einige Hundert Höhenmeter die Klamm hinauf. Besonders eng wird es oft an einem Foto-Spot vor einem Wasserfall, die Stelle gilt als beliebter Ort für Selfies.

Genau an diesem Platz standen am Mittwoch Touristen, als sich mehrere Felsbrocken aus der Steilwand über ihnen lösten und in die Schlucht krachten. Drei Menschen wurden bei dem Unglück getötet, neun weitere wurden ins Krankenhaus gebracht, einige mit schwersten Verletzungen. Wie ein Sprecher der Alpinpolizei mitteilte, beschädigten die herabstürzenden Felsen die Brücke, einige Wanderer wurden von dem Schuttmaterial getroffen. Bei den tödlich verletzten Menschen handelt es sich um eine 50 Jahre alte Frau aus Ungarn und eine 21-Jährige aus der Region Graz sowie einen 30-Jährigen aus der Slowakei. Die Wanderer waren nicht gemeinsam unterwegs.

Felssturz bei schönem Sommerwetter

Die Ursache für den Felssturz in der Bärenschützklamm ist noch unklar. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte schönes Sommerwetter, es waren keine starken Niederschläge vorausgegangen. Bei Gewitter und Starkregen wird es in Schluchten besonders gefährlich - es kann zu Flutwellen kommen, das Wasser kann Steine und Bäume mitreißen und befestigte Wege zerstören.

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen in Schluchten, die für Touristen erschlossen sind: 1974 stürzte in der Kitzlochklamm bei Zell am See eine Holzbrücke ein, auf der gerade 30 Schulkinder für ein Erinnerungsfoto standen, acht Mädchen starben. 1999 verunglückten 21 Menschen im Saxetbach im Berner Oberland, als sie bei einer Canyoning-Tour von einer Flutwelle überrollt wurden. Elf Tote gab es 2018 bei einem Unfall in der Raganello-Schlucht in Süditalien, die Ausflügler waren von starkem Regen überrascht worden und wurden vom Hochwasser mitgerissen.

Sind Schluchten wie die Partnachklamm in Oberbayern, die jährlich von etwa 300 000 Wanderern besucht wird, also tödliche Touristenfallen, wie manche Boulevardzeitung nun schreiben? Das kann man so sicher nicht sagen. Die Wege in der Bärenschützklamm werden vom österreichischen Alpenverein instand gehalten und gesichert. Der erste Streckenabschnitt durch die Klamm wurde bereits 1901 vom Grazer Alpenclub errichtet, seither wurden Brücken und Geländer mehrere Male erneuert.

"In der Natur sind Gefahren nicht vollständig auszuschließen"

Trotz aller Vorkehrungen und Sicherungsbauten können in den Bergen immer unvorhergesehene Dinge geschehen, auch auf befestigten Wegen. "Sobald man in der Natur ist, sind Gefahren eben nicht vollständig auszuschließen," sagt Wolfgang Mayr, staatlich geprüfter Bergführer und Canyoning-Experte aus Pfronten, "Felsstürze passieren oft völlig unabhängig von Temperatur und Niederschlag."

"Das Wann und Wo eines Felssturzes ist nicht vorhersehbar", sagt auch der steirische Landesgeologe Marc-Andre Rapp. Experten versuchen nun, die Ursache des Unglücks in der Bärenschützklamm zu ermitteln. Die Alpinpolizei hat in Zusammenarbeit mit einem Geologen die Abbruchstelle oberhalb der Brücke von einem Hubschrauber aus untersucht und fotografiert. Die Ergebnisse werden der Staatsanwaltschaft vorgelegt, möglicherweise muss dann ein Gutachter die geologischen Ursachen des Felssturzes klären. Die Klamm bleibt bis auf Weiteres für Besucher geschlossen.

© SZ/nas
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