Vermisstenfall in Baden-Württemberg:Vermisste Schülerin Ayleen: Verdächtiger in Untersuchungshaft

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Vermisstenfall in Baden-Württemberg: Blumen und Kerzen vor dem Rathaus von Gottenheim drücken Anteilnahme für den Tod der 14-Jährigen aus.

Blumen und Kerzen vor dem Rathaus von Gottenheim drücken Anteilnahme für den Tod der 14-Jährigen aus.

(Foto: Philipp von Ditfurth/dpa)

Die Leiche des 14-jährigen Mädchens aus Gottenheim wurde in einem See in Hessen gefunden. Der mutmaßliche Täter hatte wegen eines Sexualdelikts bis vor Kurzem unter Führungsaufsicht gestanden.

Von Moritz Geier

Am 22. Juli schaltet die Polizei eine erste Vermisstenmeldung: Ein Mädchen werde gesucht, Ayleen, 14 Jahre alt. Gegen 18 Uhr habe sie am Vortag das Elternhaus im badischen Gottenheim nahe Freiburg verlassen, dann verliere sich ihre Spur. Dass es keine Geschichte mit einem guten Ende wird, deutet sich spätestens eine Woche später an, da findet die Polizei im hessischen Wetteraukreis die Leiche einer weiblichen Person. Knapp 300 Kilometer sind es von Gottenheim bis hier, aber die Gerichtsmediziner liefern schnell Klarheit: Bei der Toten handelt es sich um Ayleen.

"Seit Samstag haben wir Gewissheit, dass wir einen Todesfall aufzuklären haben", sagte der Freiburger Polizeipräsident Franz Semling nun am Montag bei einer Pressekonferenz der ermittelnden Behörden. Unter Mordverdacht steht ein 29-jähriger Mann aus Hessen, er soll Ayleen noch am Abend des 21. Juli in seinem Auto von Gottenheim zum Teufelsee gefahren haben, einem kleinen und schwer zugänglichen See in einem Naturschutzgebiet nördlich von Frankfurt.

Was genau am Teufelsee passiert ist, können die Ermittler noch nicht sagen. Auch wie oder woran Ayleen gestorben ist, haben die Gerichtsmediziner bislang nicht herausgefunden, zu lang hatte die Leiche im Wasser gelegen. Die Handydaten des Beschuldigten deuten lediglich daraufhin, dass er am Teufelsee in jener Nacht einen längeren Aufenthalt hatte. Die Ermittler waren ihm zuvor offenbar wegen mehrerer Chatprotokolle auf die Spur gekommen. Er und Ayleen hatten sich laut Polizei über das Internet kennengelernt, Kontakt über soziale Netzwerke und die Chaträume des Online-Videospiels Fortnite habe "mindestens mehrere Wochen" bestanden.

Die Polizei nahm den Mann in Frankfurt fest. Er sitzt nun in Freiburg in Untersuchungshaft, Tatvorwurf: Entziehung Minderjähriger, sexuelle Nötigung und Mord in Verdeckungsabsicht. "Aufgrund der Gesamtumstände haben wir den dringenden Tatverdacht eines Sexualverbrechens", sagte die Freiburger Staatsanwältin Franziska Scheuble. Die Wohnung des Mannes im hessischen Wetzlar wurde bereits untersucht, dabei fand die Polizei auch Gegenstände, die Ayleen gehören.

Zehn Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus

Mit Informationen über den Beschuldigten hielten sich die Behörden mit Verweis auf dessen Persönlichkeitsrechte am Montag noch zurück. Der Mann war aber, das teilten die Ermittler mit, bereits als Jugendlicher 2007 wegen eines versuchten Sexualdelikts auffällig geworden. Er soll damals ein elfjähriges Mädchen angegriffen haben, zehn Jahre verbrachte er danach in einem psychiatrischen Krankenhaus. 2017 wurde er entlassen.

Der Umgang mit verurteilten Sexualstraftätern ist ein emotionales Thema in Deutschland und das hat Gründe. Denn vergleichsweise viele von ihnen werden rückfällig, Experten gehen von einer Quote von 20 Prozent aus. In den Bundesländern gibt es daher verschiedene Programme, um Sexualstraftäter auch nach der Freilassung zu überwachen. Etwa sollen Bewährungshelfer bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft helfen und Polizeibeamte durch Kontaktgespräche signalisieren, dass die Behörden weiterhin sehr aufmerksam seien. Indem Strafvollzug, Bewährungshilfe, Polizei und Staatsanwaltschaft enger zusammenarbeiten, könnten zudem verdächtige Verhaltensänderungen der freigelassenen Straftäter früher auffallen. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist das Justizministerium überzeugt, dass das Programm funktioniert: Rückfällig würden bei den Teilnehmern nur drei Prozent, heißt es in einer Pressemitteilung.

Wie Andreas Röhrig, der Präsident des hessischen Landeskriminalamts, am Montag erklärte, war auch der Beschuldigte im Fall Ayleen nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus unter Führungsaufsicht gestellt worden. Er sei in einem Programm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter gewesen, die Führungsaufsicht sei aber nach fünf Jahren - das sei der Regelfall in Hessen - am 25. Januar 2022 aufgehoben worden. Nur wenige Monate also vor Ayleens Tod.

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