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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Millionenschwerer Schinken

(Foto: Toby Melville/Reuters)

Winston Churchill, Politiker von Weltruhm und Literaturnobelpreisträger, reüssiert posthum als Künstler - und hat das Angelina Jolie zu verdanken.

Von Alexander Menden

Wenn man es in einem Bereich bereits zu Weltruhm gebracht hat, ist es meist nicht einfach, sich in einem weiteren ähnlich viel Respekt zu verschaffen. Winston Churchill konnte sich in dieser Hinsicht nicht beklagen: Nachdem er sich als britischer Premier im Kampf gegen Hitlerdeutschland seinen Platz als eine der bedeutendsten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gesichert hatte, bekam er 1953 auch noch den Literaturnobelpreis.

Für eine seiner Leidenschaften wurde ihm zu Lebzeiten jedoch wenig Beifall zuteil: Als Maler konnte Churchill nie an seine übrigen Erfolge anknüpfen. Zwar schaffte er es 1921, unter dem Pseudonym Charles Morin in Paris vier Landschaftsbilder für 30 Pfund pro Stück zu verkaufen. Aber die Kritiker waren wenig verzückt von seinen impressionistischen Werken.

Deshalb wäre es sicher eine ganz besondere Genugtuung für Sir Winston gewesen, hätte er gewusst, dass eines Tages ein Churchill-Gemälde für 9,6 Millionen Euro bei Christie's versteigert werden würde. Das ist nun geschehen. Ursprünglich ein persönliches Geschenk an US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, fand "Turm der Koutoubia-Moschee", eine Stadtansicht Marrakeschs von 1943, schließlich in die Sammlung von Angelina Jolie. Die Schauspielerin hat sich nun von ihrem Churchill getrennt und ihm damit zugleich einen Rekordpreis verschafft.

Zumindest posthum hat es sich für den Maler Churchill also ausgezahlt, dem Verdikt des Nobelpreisträgers Churchill gefolgt zu sein: "Erfolg ist die Fähigkeit, Misserfolge wegzustecken, ohne seine Begeisterung einzubüßen."

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© SZ/nas
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