Computer-Technik:Datenretter, Virenlöscher, Problemlöser

Computer-Technik: "In manchen Dingen muss man auch mutig sein": Joachim Simon hat seine Berufsentscheidung nie bereut.

"In manchen Dingen muss man auch mutig sein": Joachim Simon hat seine Berufsentscheidung nie bereut.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Joachim Simon hat sich vor 20 Jahren als PC-Service-Techniker selbständig gemacht. Um auf dem Laufenden zu bleiben, muss er sich permanent fortbilden.

Von Monika Schotte, Wolfratshausen

Für deutsche Sprachkritiker war die Ich-AG das "Unwort des Jahres 2002", für Joachim Simon dagegen das Sprungbrett in die Selbstständigkeit. Ende 2003 war der gelernte Kommunikationselektroniker nach fünf Jahren als Angestellter arbeitslos geworden, hatte als angehender Vater vergeblich Bewerbungen geschrieben und nutzte dann dieses Konzept der damaligen Arbeitsmarktpolitik (Hartz II), um sein eigener Chef zu werden. Rund 20 Jahre später hat der heute knapp 47-jährige Wolfratshauser gerade ein neues, helleres und moderner eingerichtetes Büro mit Parkplatz an der Wolfratshauser Bahnhofstraße bezogen. Er ist erfolgreich mit seinem Service rund um PC, Netzwerktechnik und Telekommunikation.

Anfangs habe er vor allem über Flyer und Mundpropaganda auf sich aufmerksam gemacht, erzählt er. Mittlerweile berät, betreut oder schult der gebürtige Hamburger, der in Geretsried aufgewachsen ist, Firmen, Praxen, Handwerker und Privatleute von Tölz bis München. Bei Hausbesuchen versucht er herauszufinden, welche Technik zum Kunden passt, installiert Programme, sucht nach Fehlern, repariert Notebooks, rettet Daten, löscht Viren, vernetzt Geräte, konfiguriert Telefonanlagen und vieles mehr.

Wie behält man den Überblick über Hard- und Software?

Zu seinem Lernprozess habe es auch gehört, eigene Grenzen zu erkennen und sich abzugrenzen, berichtet der verheiratete Vater zweier Teenager. "Früher hatte ich eine Anrufweiterleitung aufs Handy." Das habe nicht nur bei Außenterminen gestört. "Ich hatte kein Privatleben mehr." Die Handynummer gibt er seither nur noch für besondere Fälle heraus, gleiches gilt für seine Verfügbarkeit im Urlaub. Zudem versucht Simon, sich das Wochenende freizuhalten, beschränkt sich auf kleine Firmen - "Netzwerke bis etwa zehn PCs, das trau ich mir zu" - und gibt auch einfach mal zu, dass er bei einem Problem nicht helfen kann.

Wie behält man nun aber den Überblick über Hardware und Software, Viren und Trojaner, Tarife und Betriebssysteme, Datenschutz und neue Medien, über eine Branche, ohne die nichts mehr läuft und sich so rasant wandelt, wie kaum eine andere? "Die Standardsachen, da kenne ich mich gut aus", erklärt der Service-Techniker. Alles andere sei tägliches "Learning by Doing". Hotlines anrufen, im Internet googeln, Schulungen besuchen oder mal eine Computermesse, auch das helfe, auf dem Laufenden zu bleiben. Oder die eigenen Kinder: "Was das Programm ChatGPT kann, das habe ich von meinen Jungs erfahren", erzählt er und lacht. Er selbst bringe der derzeit so gehypten Künstlichen Intelligenz (KI) zwar Bewunderung, bislang aber keine Begeisterung entgegen. "Da steh ich noch ganz Anfang", gibt er zu.

Im Kundenkontakt sind Geduld und Einfühlungsvermögen nötig

Auch wenn er bekennt, unter der Woche sehr viel zu arbeiten - dem Klischee eines Nerds entspricht der Wolfratshauser, der als Ausgleich wandert und E-Bike fährt, nicht. Gut so, denn als Dienstleister muss er nicht nur eine Art Technik-, sondern auch Menschenflüsterer sein, muss gut erklären können und braucht Geduld und Diskretion: sei es bei Menschen, die auf Betrüger hereingefallen sind oder Angst um sensible Daten haben, die keiner sehen soll, oder bei Senioren, denen er Ängste nimmt und die er bei den ersten Schritten ins Internet begleitet.

Hat er es jemals bereut, sein eigener Chef zu sein? "Nein, nie", resümiert der ehemalige Existenzgründer ohne Zögern, "auch, wenn es manchmal grenzwertig war." Und auch, wenn man sich um alles selber kümmern und alleine das Risiko tragen müsse, ob genügend Aufträge kommen. Wenn er da von Gottvertrauen spricht, ist das nicht nur so dahingesagt: Joachim Simon bekennt, ein gläubiger Mensch zu sein. "In den Tiefen lernt man das Vertrauen und in den Höhen wagt man was. Und in manchen Dingen muss man auch mutig sein", lautet seine Lebensphilosophie. Bisher, sagt er, habe die ihm immer geholfen.

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