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Wirtschaft in Penzberg:Millionenförderung für Pandemieforschung

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Penzberg soll zu einem "Medical Valley" werden, wenn die Fraunhofer-Gesellschaft dort in Kooperation mit der Roche Diagnostics GmbH (Foto oben) und der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) München ein Forschungszentrum einrichtet.

(Foto: Dr. Jörg Bodenbender; Roche/OH)

In Penzberg soll ein neues Institut der Fraunhofer-Gesellschaft für Infektionserkrankungen entstehen. Der Bund hat dafür 40 Millionen Euro bewilligt. Kooperationspartner sind Roche und die Münchner LMU.

Von Benjamin Engel

Im Penzberger Nonnenwald betreibt das Pharmaunternehmen Roche nach Konzernangaben das größte Biotech-Zentrum Europas. Bald könnte ein neues Institut der Fraunhofer-Gesellschaft für Immun-, Infektions- und Pandemieforschung den Wissenschaftsstandort weiter stärken. Die Planungen konkretisieren sich, was aus einer Pressemitteilung des CSU-Landesgruppenchefs im Bundestag und Wahlkreisabgeordneten Alexander Dobrindt hervorgeht. Demnach hat der Haushaltsausschuss des Bundestags 40 Millionen Euro für das Institut der Fraunhofer-Gesellschaft in Penzberg bewilligt. Die Organisation wird mit der Roche Diagnostics GmbH und der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) München kooperieren, so heißt es.

Für das Institut hat das bayerische Wirtschaftsministerium im vergangenen September zehn Millionen Euro Fördergelder für die Jahre 2021 und 2022 angekündigt. Weitere 30 Millionen Euro stehen im Raum. Darauf kommen nun die 40 Millionen Euro des Bundes. "Ich freue mich, dass unsere Initiative zum Ausbau der Gesundheitsforschung in Penzberg so außerordentlich erfolgreich war", sagt Dobrindt. "Die Zusammenarbeit von Stadt, Land und Bund mit Roche Diagnostics bedeutet eine Initialzündung für ein Medical Valley in und um Penzberg." Im Kreis Weilheim-Schongau und im südlichen Oberbayern schaffe die praktische, medizinische Forschung neue Märkte, wissenschaftliche Attraktivität und Arbeitsplätze.

Bis zu 50 Mitarbeiter sollen in dem künftigen Institut laut Dobrindt Diagnose- und Testverfahren für Infektionskrankheiten erforschen und entwickeln. Das Tätigkeitsfeld für translationale Medizin und Pharmakologie (ITMP) erweitere die etablierten Geschäftsfelder der Fraunhofer-Gesellschaft um Themen wie Immunologie, Infektions- und Pandemieforschung sowie die Biomarkerentwicklung. Die Fraunhofer-Gesellschaft sei sicher, mit der gemeinsamen Initiative am Standort Penzberg ein bundesweit einmaliges Leuchtturmprojekt zu schaffen, so Dobrindt. Die enge Verzahnung ermögliche optimale Synergien zwischen der universitären Forschung und dem Transfer in die Wirtschaft.

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist eigenen Angaben nach die weltweit führende Organisation für anwendungsorientierte Forschung. Deutschlandweit existieren derzeit 74 Institute und Einrichtungen mit etwa 28 000 Mitarbeitern. Genauere Angaben zum Baubeginn oder auch dem Grundstücksstandort für das neue Institut in Penzberg sind von der Fraunhofer-Gesellschaft aktuell nicht zu erfahren. "Weitere Informationen geben wir gern nach Konkretisierung der Gespräche bekannt", teilt Thomas Eck von der Fraunhofer Presseabteilung am Montag mit.

Ausdrücklich begrüßt er aber die für Bildung und Forschung vorgesehenen Finanzmittel der Bundesregierung in den kommenden Jahren. Die anhaltende Krise durch die Pandemie habe von Beginn an das entschlossene Handeln aller Akteure erfordert, sagt Eck. Sehr positiv bewerte die Fraunhofer-Gesellschaft, dass Initiativen für neue Einrichtungen der Forschungsorganisation durch das Maßnahmenpaket explizit berücksichtigt würden. Darunter zählt Pressesprecher Eck die Immun- und Pandemieforschung in Penzberg auf. "Die Forschung am Standort Deutschland kann auf diese Weise zukunftsorientiert gestärkt werden", teilt er mit.

Die Pläne eines Zentrums für Infektions- und Pandemieforschung in Penzberg sind erstmals im vergangenen Mai öffentlich geworden. Damals hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gemeinsam mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das Pharmaunternehmen Roche in der oberbayerischen Stadt besucht. Söder berichtete, dass der Standort im Nonnenwald für ein neues Forschungszentrum aus seiner Sicht ideal wäre.

Das ist auch für Penzbergs Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) naheliegend. Allerdings nennt auch er derzeit noch keine Details zu genauen Standortplänen. Er kündigt aber an, dass es noch in diesem Jahr weitere Gespräche mit den Beteiligten von der Fraunhofer-Gesellschaft, dem bayerischen Wirtschaftsministerium bis zur Stadt Penzberg geben solle. "Ich kann die Pläne nur begrüßen", sagt er am Montag. Heuer habe man gesehen, wie schnell eine Pandemie die ganze Welt beeinflussen könne.

© SZ vom 01.12.2020
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