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Wolfratshausen:Mure stürzt auf Birnmühlplatz

Starkregen bringt den Hang am Bergwald ins Rutschen. In kürzester Zeit steht dort der Untermarkt unter Wasser.

Für die Anwohner des Wolfratshauser Bergwalds ist das eine stete Gefahr: Bei ebenso plötzlichem wie heftigem Starkregen hat sich am Sonntagmorgen wieder einmal eine Mure den Hang hinabgestürzt. In kürzester Zeit stand der Untermarkt rund um den Birnmühlplatz unter Wasser. Die Feuerwehr, die ebenso wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner umgehend anrückte, konnte den Schaden in Grenzen halten. Häuser wurden nicht beeinträchtigt. Die Anwohner zeigten sich aber verärgert über die Stadt. "Gmacht hams nix!", schimpfte einer. Die Höhe des Sachschadens stand am Sonntag noch nicht fest.

Die Ortsdurchfahrt von Ascholding stand zwar unter Wasser, dieser junge Radler hatte offenkundig trotzdem seinen Spaß am Nass.

(Foto: Felicitas Amler)

Den Wolfratshauser Bergwald bezeichnete Kreisbrandinspektor Christian Sydoriak als kritischen Punkt. Ein Murenabgang komme dort häufig vor. Diesmal sei auch Wasser in eine kleine Kapelle gelaufen. Um weiteren Schaden zu verhindern, habe man Vorsichtsmaßnahmen getroffen, als nachmittags wieder dunkle Wolken aufzogen. "Es wurde ein größeres Loch ausgebaggert, um mehr aufzunehmen", sagte Sydorik. Zudem wurden zwei größere Pumpen eingesetzt.

Das Hochwasser hat am Wochenende ansonsten vor allem Straßen und Keller im nördlichen Landkreis geflutet. Vereinzelt mussten Straßensperren errichtet werden. Laut Sydoriak musste kurzfristig die Straße von Achmühle in Richtung Wolfratshausen für den Verkehr abgeriegelt werden. Zwischen Ascholding und Egling war der Polizei zufolge die Staatsstraße 2072 halbseitig betroffen. In Ascholding seien ein paar Bäche über die Ufer getreten, "die immer wieder Ärger machen", so der Kreisbrandinspektor. In Königsdorf war die Grundstraße überflutet, aber noch befahrbar. Sydoriak berichtete außerdem über "kleine Vermurungen" am alten Münsinger und am Degerndorfer Berg. Das Problem sei vor allem ablaufendes Oberflächenwasser, "der Boden nimmt halt nichts mehr auf". Im Einsatz waren die Feuerwehren Wolfratshausen, Weidach, Ascholding, Münsing, Ammerland, Holzhausen, Degerndorf und Eurasburg. Im südlichen Landkreis rückten die Feuerwehren Benediktbeuern und Bichl aus - allerdings nach Polling im Landkreis Weilheim. "Sie unterstützen dort beim Pumpen", sagte Kreisbrandrat Karl Murböck.

Nicht zum ersten Mal ist an dieser Stelle beim Wolfratshauser Birnmühlplatz eine Mure abgegangen.

(Foto: Felicitas Amler)

Auf der Garmischer Autobahn A 95 kam es bereits am Samstag zu etlichen hochwasserbedingten Unfällen. Zu starke Beschleunigung nennt die Polizei als Ursache eines Unfalls, bei dem ein 23-Jähriger aus Wolfratshausen verletzt wurde. Er prallte gegen 15.15 Uhr mit seinem Wagen zwischen Wangen und Forstenried in die Mittelschutzplanke. An dem Pkw entstand Totalschaden. Die linke und mittlere Fahrspur waren für knapp eine Stunde gesperrt, die Absicherung und Reinigung der Unfallstelle wurde durch die Feuerwehren Starnberg, Wangen und Höhenschäftlarn vorgenommen. Ein 34-jähriger Mann aus Geretsried geriet laut Polizei mit seinem Wagen in nördlicher Richtung im Gemeindebereich Münsing aufgrund Aquaplanings auf der rechten Fahrspur ins Schleudern, kam von der Fahrbahn ab und landete im Grünstreifen, aus dem sein Wagen später befreit werden musste. Keiner der fünf Insassen wurde verletzt. Fast zur gleichen Zeit kam ein 31-jähriger Penzberg im Gemeindebereich Berg ins Schleudern. Er sei, so die Polizei, in südlicher Fahrtrichtung mit nicht mehr angepasster Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Sein Auto drehte sich auf der linken Fahrspur zweimal um die eigene Achse, schleuderte nach rechts in den Grünstreifen und prallte gegen einen Baum. Gegen 20.45 Uhr kam schließlich eine 23-jährige Frau aus Österreich auf der Heimfahrt im Bereich Münsing nach rechts von der Fahrbahn ab und prallte gegen die rechte Leitplanke. Sie hatte laut Polizei wegen nicht angepassten Tempos die Kontrolle über ihr Auto verloren.

Für das Wasserwirtschaftsamt Weilheim sind kleine Gewitterzellen wegen des Luftdruckunterschieds schwer vorherzusagen. Wo sie langsam werden, örtlich stehen bleiben und Sturzfluten produzieren, "kann kein Mensch wissen", sagt Leiter Roland Kriegsch. Klar sei, dass die Böden mit Wasser gesättigt sind. Lokale Starkregen könnten derzeit dazu führen, dass kleine und mittlere Bäche über die Ufer träten oder die Kanalisation voll laufe.

© SZ vom 06.06.2016
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