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Starnberger See:Missglückte Ballonfahrt beschäftigt Ermittler

Die Staatsanwaltschaft hat Korb und Heißluftballon beschlagnahmt. Der Pilot verweist auf ein "Restrisiko" in der Luftfahrt.

Mit der missglückten Ballonfahrt, die am späten Samstagnachmittag mit einer Notlandung auf dem Starnberger See vor Seeshaupt endete, befasst sich jetzt auch die Staatsanwaltschaft München II. Es werde geprüft, ob es den "Anfangsverdacht einer Straftat" gebe, sagte am Montag der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ken Heidenreich. Der für maximal neun Personen zugelassene Korb und der Heißluftballon wurden beschlagnahmt.

Die Notwasserung sei wegen des fehlenden Windes und mangelnden Gasvorrats notwendig gewesen, berichtet der erfahrene Pilot Rudolf Klein. Der unsinkbare Korb habe "normal auf dem Wasser aufgesetzt". Nach Angaben des Ballonführers habe er so etwas noch nie erlebt. Nur vor etwa 20 Jahren habe man seinen Ballonkorb mit Seilen und Booten einmal ans Starnberger Seeufer schleppen müssen. Dieser Versuch scheiterte am Samstag aber, weil der Ballon immer wieder recht hoch aufgestiegen war. Pilot Klein betont, dass die Sache glimpflich verlaufen und es zu keiner Panik im Korb gekommen sei. Auch seine Passagiere seien wohlauf. Der 62-Jährige gibt aber zu Bedenken, dass es in der gesamten Luftfahrt ein gewisses "Restrisiko" gebe.

Der Ballon war gegen 16.15 Uhr in Tutzing zum Rundflug über den Starnberger See gestartet und sollte eigentlich 90 Minuten später in Ambach am Ostufer ohne Wasserberührung landen. Am Rettungseinsatz waren vier Hubschrauber, sieben Rettungsboote und 70 Helfer beteiligt.

Das dramatische Ereignis auf dem Starnberger See wurde auch der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig gemeldet. Es liege hier ein "meldepflichtiger Vorfall" vor, erklärte Sprecher Germout Freitag auf Anfrage der SZ. Weil aber niemand ernsthaft bei der Ballonfahrt verletzt wurde, werde seine Behörde den Fall nicht weiter untersuchen. Das Geschehen am Samstag auf dem See sei auch nicht als "Beinahe-Unfall" oder "schwere Störung des Luftverkehrs" einzustufen. Nach Angaben des Sprechers hat es bundesweit im vergangenen Jahr drei Unfälle mit "Freiballon"-Flügen gegeben, wobei acht Personen schwer verletzt wurden.

So gesehen ist die Ballonfahrt für die acht Passagiere mi t der unfreiwilligen Evakuierung des Korbes und der Notwasserung sehr gut ausgegangen. Für den Piloten dürfte dies auch ein Trost sein. Wann der Tutzinger allerdings wieder zu einem Rundflug mit Heißluftballon starten kann, steht derzeit in den Sternen. Denn vieles hängt nun von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab.

© SZ vom 18.10.2016 / deu
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