Wirtschaft:Bekenntnis zum Standort Penzberg

Wirtschaft: Noch eine Baustelle: das sogenannte LEAP (Laboratory Excellence Accelerator Penzberg) - ein hochmoderner Labor- und Bürokomplex.

Noch eine Baustelle: das sogenannte LEAP (Laboratory Excellence Accelerator Penzberg) - ein hochmoderner Labor- und Bürokomplex.

(Foto: Manfred Neubauer)

Roche investiert zig Millionen in neue Forschungs- und Produktionsgebäude im Nonnenwald - und setzt dabei auf Nachhaltigkeit.

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

350 Millionen Euro hat das Biotech-Unternehmen Roche am Standort Penzberg 2023 investiert. In diesem Jahr stehen erneut eine Einweihung, zwei Spatenstiche und eine Grundsteinlegung an - Projekte in Millionenhöhe. Noch im Bau befindet sich das neue, rund 250 Millionen Euro teure Diagnostik-Forschungsgebäude, kurz "LEAP". Es soll im April 2025 eingeweiht werden. Insgesamt hat der Konzern im vergangenen Jahr mehr als 1,4 Milliarden Euro in Gänze in den Standort Deutschland investiert.

Wirtschaft: Roche Deutschland wächst. Claudia Fleischer, Geschäftsführerin der Roche Diagnostics GmbH, wusste positive Zahlen zu vermelden beim Jahresgespräch im Penzberger Werk.

Roche Deutschland wächst. Claudia Fleischer, Geschäftsführerin der Roche Diagnostics GmbH, wusste positive Zahlen zu vermelden beim Jahresgespräch im Penzberger Werk.

(Foto: Manfred Neubauer)

Es ist Tradition, dass nach der Pressekonferenz zu den Roche-Geschäftszahlen des vergangenen Jahres zu einem Mediengespräch in den Penzberger Nonnenwald eingeladen wird. Claudia Fleischer, Geschäftsführerin der Roche Diagnostics GmbH, informierte über die aktuelle Wirtschaftslage. Roche hat 2023 in Deutschland einen Gesamtumsatz von 8,3 Milliarden Euro erzielt. Das sei ein Wachstum von plus 2,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2022, sagte Fleischer. Auch wenn es Einbrüche in den Bereichen Diagnostics und Diabetes Care gebe, die man im Unternehmen erwartet habe, stünde das Unternehmen gut da. Das Kerngeschäft entwickle sich positiv. Das spiegle sich auch in der Anzahl der Mitarbeitenden wider. 18 242 Menschen beschäftigte Roche im vergangenen Jahr in Deutschland - 236 mehr als im Jahr davor. In Werk Penzberg sind an die 7730 Mitarbeitende beschäftigt - 212 Personen mehr als im Vergleich zu 2022. "Das ist ein eindrucksvolles Wachstum", betonte der Penzberger Werkleiter Paul Wiggermann. Obendrein werde die Belegschaft im Nonnenwald immer bunter: 80 Nationen arbeiteten mittlerweile dort.

Wirtschaft: Werkleiter Paul Wiggermann betonte beim Mediengespräch, dass Roche großen Wert auf Nachhaltigkeit in allen Bereichen lege.

Werkleiter Paul Wiggermann betonte beim Mediengespräch, dass Roche großen Wert auf Nachhaltigkeit in allen Bereichen lege.

(Foto: Manfred Neubauer)

Weniger Bürokratie

Dass das Penzberger Werk gut für die Zukunft gerüstet ist, belegte Wiggermann unter anderem mit der Fläche, die für neue Gebäude zur Verfügung steht: Das Roche-Gelände hat eine Gesamtfläche von 590 000 Quadratmetern, davon sind etwa 130 000 Quadratmeter noch unbebaut. Zwar wollte Fleischer auf Nachfrage noch keine konkreten Vorhaben benennen, die auf der sogenannten Norderweiterung realisiert werden könnten, aber man mache sich natürlich Gedanken. Es gebe Überlegungen, welches "Potenzial" man nach Deutschland holen könnte, so die Geschäftsführerin. Doch um Investitionen vom Mutterkonzern bewilligt zu bekommen, müssten investitionsfreundliche Rahmenbedingungen dies befördern. Fleischer nannte als Beispiel etwa schnellere Genehmigungsverfahren oder den Zugang zu anonymisierten Patientendaten. Es wäre schön, sagte sie, wenn künftig für alle Prozesse "weniger Papier" notwendig wäre.

Wirtschaft: Das "LEAP" besteht aus einem Labor- und einem Bürogebäude. Beide werden in Zukunft mit einem lichtdurchfluteten Atrium verbunden sein.

Das "LEAP" besteht aus einem Labor- und einem Bürogebäude. Beide werden in Zukunft mit einem lichtdurchfluteten Atrium verbunden sein.

(Foto: Manfred Neubauer)
Wirtschaft: In einem Musterlabor sollen Abläufe vor Inbetriebnahme des Gebäudes ausprobiert werden. Bei einem Rundgang präsentierten Werkleiter Paul Wiggermann, Simone Stamm, Bauleiter Hubert Mock und Felix Quitterer die Einrichtung.

In einem Musterlabor sollen Abläufe vor Inbetriebnahme des Gebäudes ausprobiert werden. Bei einem Rundgang präsentierten Werkleiter Paul Wiggermann, Simone Stamm, Bauleiter Hubert Mock und Felix Quitterer die Einrichtung.

(Foto: Manfred Neubauer)

In Penzberg jedenfalls wird kräftig investiert. Bei einem Baustellenrundgang durch das "LEAP", was für Laboratory Excellence Accelerator Penzberg steht, hob Bauleiter Hubert Mock die Bemühung des Unternehmens hervor, nachhaltig zu bauen. Nach Fertigstellung bietet der kombinierte Labor- und Bürokomplex Platz für bis zu 800 Mitarbeitende, die momentan auf 28 Gebäude im Penzberger Werk und einem Standort in München verteilt sind. Um sie alle auf die neue Arbeitsweise, -plätze und mehr vorzubereiten, gibt es ein eigenes, siebenköpfiges LEAP-Change-Team, zu dem Felix Quitterer (Development Lead) und Simone Stamm (Produktverantwortung) gehören. Die Wissenschaftler sollen sich im neuen Quartier mehr auf ihre eigentliche Kernaufgabe, das Forschen, konzentrieren können. Ein Serviceteam, das ihnen etwa die nötigen Materialien zur Verfügung stellt, und die Digitalisierung der Ergebnisse würden dazu beitragen, so die Experten. Die Daten sollten laufen und nicht die Menschen, erklärte Mock. "Wir erhoffen uns, Menschen zusammenzubringen", so die Sprecher des Change-Teams. Der "Grad der Begegnung" solle sich steigern, was einen Mehrwert für die Mitarbeitenden bedeute. Daher ist im Erdgeschoss ebenfalls eine Cafeteria als Informations- und Austauschbörse geplant. "Sie ist natürlich offen für alle Mitarbeitenden", sagte Stamm. In einem kleinen Bereich geht es sogar schon in den Innenausbau: Es handelt sich um ein Musterlabor, in dem erprobt werden soll, ob alles wie gewünscht funktioniert. Nicht nur hochmoderne Geräte werden in den Laboren zu finden sein, das circa 33 Meter hohe Gebäude ist komplett auf Nachhaltigkeit ausgelegt. So wird beim Bürokomplex der Baustoff Holz eingesetzt, was 3500 Tonnen Beton einspart und somit die CO₂-Bilanz deutlich verbessert.

600 Millionen für Diagnosik-Produktionszentrum

Bereits im März steht die nächste Einweihung bei Roche Penzberg an. In einem bestehenden Gebäude wird ein neues Gentherapie-Entwicklungszentrum eingerichtet. Das Unternehmen investiert dafür rund 90 Millionen Euro. Weiter geht es mit einem Spatenstich im April: Als einer der ersten Neubauten im Bereich der Norderweiterung entsteht ein Biomasse-Heizwerk für circa 22 Millionen Euro. Wie Werkleiter Wiggermann betonte, müssten für dessen Betrieb keine Wälder gerodet werden. Es gehe vielmehr um die Verwertung von Restholz - etwa aus Sägewerken. Jährlich könnten 7800 Tonnen CO₂ eingespart werden. Die größte Einzelinvestition in Höhe von gut 600 Millionen Euro ist ein neues Diagnostik-Produktionszentrum im Norden des Werksgeländes. Spatenstich soll im Mai dieses Jahres sein, Grundsteinlegung voraussichtlich im November.

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:Neues Produktionszentrum für 600 Millionen Euro

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