Sammlung Campendonk und Bergwerksmuseum:Eine Expertin für beide Häuser

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Sammlung Campendonk und Bergwerksmuseum: Annette Vogel ist die neue Leiterin der Penzberger Museen.

Annette Vogel ist die neue Leiterin der Penzberger Museen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Annette Vogel, die neue Leiterin der Museen Penzberg, ist nicht nur ausgewiesene Expressionismus-Kennerin, sondern auch mit der Welt des Bergbaus vertraut.

Von Alexandra Vecchiato

Annette Vogel, die neue Leiterin der Penzberger Museen, übernimmt zwei wohlbestellte Häuser. Die Stadt hat mit ihr aber auch eine Führung gefunden, die für beide Einrichtungen in besonderer Weise geeignet erscheint. Denn als Expressionismus-Expertin besitzt sie nicht allein eine Affinität zum Museum Penzberg - Sammlung Campendonk. Die gebürtige Heilbronnerin ist auch mit dem dortigen Salzbergwerk aufgewachsen. Ihr Vater arbeitete als Ingenieur. Daher bringt sie auch viele Ideen für das Penzberger Bergwerksmuseum mit.

Seit dem Weggang von Freia Oliv und Diana Oesterle Ende März dieses Jahres war die Leitung der beiden Häuser vakant. Kommissarisch hatte den Posten Tom Sendl übernommen, der Leiter der Kulturabteilung im Penzberger Rathaus. "Es war keine leichte Zeit", sagte Sendl nun bei der Vorstellung der neuen Museumsleiterin Vogel im Rathaus. Er dankte dem Penzberger Stefan König, der als Kurator kurzfristig für die aktuelle Rot-Kreuz-Ausstellung eingesprungen sei. So habe man diese termingerecht eröffnen können. Noch bis Februar 2023 ist die aktuelle Schau zu sehen.

Seit September ist nun Annette Vogel am Ruder in den beiden zusammenhängenden Museen. Die 58-Jährige lebt in München und war bislang als freie Kuratorin im In- und Ausland tätig. Sie zeichnet als Autorin und Herausgeberin für zahlreiche Publikationen zu Künstlern des deutschen und österreichischen Expressionismus, der deutschen Moderne und zur zeitgenössischen Kunst verantwortlich. Nach eigener Aussage verfügt sie über ein "reichhaltiges Netzwerk", das sie in den Dienst des "Mehrspartenhauses" stellen wolle, wie sie sagte. Das Campendonk-Museum sei ein charmantes Haus, findet Vogel. "Man spürt das Herzblut, das hineingesteckt wurde", betonte sie bei ihrer offiziellen Vorstellung.

Vogel konnte auch Erfahrung im Ausland sammeln. Nach ihrem Studium verschlug es die Kunsthistorikerin für viele Jahre nach New York, wo sie die Sabrasky-Sammlung betreute. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zog es Vogel wieder zurück in die Heimat. Die Corona-Pandemie bewog die 58-Jährige schließlich dazu, sich umzuorientieren. Da kam Penzberg einem Glücksfall gleich. "Arbeiten vor der Haustür", nennt Vogel, die die beiden Museen von Ausstellungsbesuchen her kennt, ihren neuen Job. In Penzberg hat sie einen 30-Stunden-Vertrag. Ihre Tätigkeit als Kuratorin der ADAC-Kunstsammlung in München behält sie bei.

Die neue Leiterin möchte ihre Kenntnisse über den Expressionismus zum Bespielen des Campendonk-Museums nutzen. So schwebe ihr etwa vor, die Beziehungen zwischen Campendonk und Kokoschka zu beleuchten. Bereits im Sommer 2023 plant Vogel eine Ausstellung mit Werken des Bildhauers Alberto Giacometti - und sie verspricht ein "reichhaltiges Rahmenprogramm". Im Herbst ist im Bergwerksmuseum eine Ausstellung mit dem Titel "Mythos Bergwerk" geplant, für 2024 eine große Campendonk- Ausstellung mit Symposium. "Wir haben noch Forschungsaufgaben zu erledigen", sagt Vogel in Bezug auf das Oeuvre des Künstlers. Bürgermeister Stefan Korpan sieht mit Vogel eine neue Ära anbrechen. Er hoffe, das Stadtmuseum werde nun auf das "nächste Level" gehoben, sagte er.

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