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Konstituierende Sitzung:Nachspielzeit im Wahlkampf

Kommunalwahl 2020

Marcel Tonnar (Grüne) ist als Zweiter Bürgermeister nun Stellvertreter von Rathauschef Christian Fürst (CSU).

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Gemeinderat in Schäftlarn wählt Marcel Tonnar (Grüne) zum Stellvertreter von Christian Fürst (CSU). In seiner Antrittsrede gibt sich der Zweite Bürgermeister allerdings eher angriffslustig als versöhnlich.

Normalerweise sind diese Worte einem Pfarrer oder einem Standesbeamten vorbehalten: "Sie dürfen die Braut jetzt küssen!" Aber auch Karl-Otto Saur (SPD), der dienstälteste Gemeinderat in Schäftlarn, benutzte diese Wendung, nachdem er Christian Fürst (CSU) am Mittwochabend als neuen Bürgermeister vereidigt hatte. Als Rathauschef müsse man seine Gemeinde am besten als Familie ansehen, sagte Saur zur Erklärung. Und in diese Familie habe Fürst mit seiner Wahl zum Bürgermeister nun fix eingeheiratet. Statt ihm einen Ehering anzustecken, bekam Fürst aber von seinem Vorgänger Matthias Ruhdorfer die goldene Amtskette umgehängt.

Fürst strahlte in der Sitzung eine glühende Feierlichkeit aus, der auch ein paar kleine Querschüsse seines künftigen Stellvertreters nichts anhaben konnten. Denn Marcel Tonnar, der in der Stichwahl unterlegene Bürgermeisterkandidat der Grünen, wurde nun zwar mit 18 von 21 Stimmen zum Zweiten Bürgermeister gewählt. Tonnars Antrittsrede glich dann aber doch eher einer Kampfansage. Er zählte die Umweltprobleme auf - in Deutschland und auf der ganzen Welt. Zudem empfahl er die Enzyklika "Laudato si'" von Papst Franziskus zur Lektüre. "Wenn Sie die gelesen hätten, hätten Sie alle grün gewählt", sagte er. Und auch beim Amtseid nahm Tonnar das Zepter lieber selbst in die Hand. Fürst wollte ihm die Formel gerne vorsprechen, doch der Umweltingenieur legte einfach selbst los.

Als Dritte Bürgermeisterin wurde Susanne Dichtl (CSU) bestätigt. Anders als bei Tonnar war die Wahl jedoch alles andere als eindeutig. Im ersten Wahlgang entfielen zehn Stimmen auf Dichtl (CSU), zehn auf Christine Keller, die Bürgermeisterkandidatin der Gemeindeunion, und eine Stimme auf den neuen Grünen-Gemeinderat Fabian Blomeyer. Bei der Stichwahl setzte sich Dichtl dann mit einer Stimme Vorsprung durch. "Ich bedanke mich ganz herzlich und freue mich, mit den beiden Herren zusammenzuarbeiten", sagte sie.

Susanne Dichtl (CSU) komplettiert als Dritte Bürgermeisterin das Trio.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die 65-Jährige bleibt auch in der neuen Amtsperiode Vorsitzende der siebenköpfigen CSU-Fraktion. Ebenso bleibt Christian Lankes Vorsitzender der nun ebenso großen Grünen-Fraktion. Maria Kötzner-Schmidt ist Fraktionsvorsitzende der Gemeindeunion (GU). Kötzner-Schmidt schlug dann auch gleich vor, im Ausschuss für "Familie, Jugend, Kultur und Soziales" auch Sport als Zuständigkeitsbereich aufzunehmen. Der Sportbeirat habe in den vergangenen sechs Jahren nicht getagt, kritisierte sie, in einem Ausschuss könne das Thema einen höheren Stellenwert bekommen. Fürst allerdings hielt dagegen, dass ein Beirat wichtig sei, um auch Externe und Vereine im Gemeinderat zu Wort kommen lassen zu können. Als Kompromiss wurde das Thema Sport deshalb letztlich zwar in den Familienausschuss integriert, die Gemeinderäte Irene Schrag-Presti (CSU), Sebastian Berger (Grüne) und Jakob Metz (GU) wurden aber auch in einen Sportbeirat entsandt.

Auch das Thema Umwelt wurde aufgewertet. Es wird künftig nicht mehr im Bauausschuss, sondern in einem eigenen Ausschuss für "Umwelt und Mobilität" behandelt. Die neue Geschäftsordnung sieht zudem vor, dass die Gemeinderäte für die Sitzungen in Zukunft eine Pauschale von 50 statt 40 Euro bekommen. Sollte jemand für diese Zeit einen beruflichen oder privaten Helfer anstellen müssen, beispielsweise einen Babysitter, stehen ihm künftig 20 statt 15 Euro pro Stunde zu. Der ausgeschiedene Bürgermeister Matthias Ruhdorfer bekam obendrein noch einen Titel: Fürst verlieh seinem politischen Ziehvater den Ehrentitel Altbürgermeister.

© SZ vom 15.05.2020/aip

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