Tourismus:Kochel am See will Geld von Tagesausflüglern

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Tourismus: Auch die Surfer am Walchensee sollen als Besucher der Gemeinde Kochel künftig einen Obulus entrichten.

Auch die Surfer am Walchensee sollen als Besucher der Gemeinde Kochel künftig einen Obulus entrichten.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Gemeinde plant, künftig von jedem Besucher zwei Euro Kurbeitrag am Tag zu kassieren. So will sie den Touristenansturm einbremsen. Ob das rechtens ist, wird allerdings noch geprüft.

Von Petra Schneider

Tagesausflügler an Kochel- und Walchensee könnten zukünftig zur Kasse gebeten werden. Der Kochler Gemeinderat hat am Dienstag eine Änderung der Kurbeitragssatzung beschlossen, die für Tagesgäste eine Art Eintrittsgeld von zwei Euro vorsieht. Also für Wanderer, Badegäste, Surfer, Skitourengeher oder Schneeschuhwanderer. Ob und wann die Gebühr tatsächlich kommt, ist noch nicht sicher. Man habe aber in der Satzung bereits eine "Planungsgrundlage" schaffen wollen, sagt der Kochler Tourismus-Chef Daniel Weickel. Wie die Gebühren erhoben werden könnten, sei ebenfalls noch nicht geklärt.

In der Satzung klingt das Prozedere allerdings bereits recht konkret. "Tagesgäste sind verpflichtet, ihren Kurbeitrag unaufgefordert in der Tourist-Information Kochel am See, Bahnhofstraße 23, oder Tourist-Information Walchensee, Ringstraße 1, zu entrichten", heißt es. Sie müssten mittels eines "Formblatts oder elektronischen Verfahrens" die erforderlichen Angaben machen und bezahlen. Ob eine Gebühr für Tagesausflügler aber überhaupt rechtskonform ist, werde derzeit vom Innenministerium geprüft, sagt Weickel. Denn laut Bayerischer Verfassung und Bayerischem Naturschutzgesetz ist jedem Bürger der freie Zutritt zur Natur zu gewähren.

Einen Kurbeitrag nicht nur für Urlauber, sondern auch für Tagesgäste zu erheben, wurde im Rahmen einer Satzungsänderung beschlossen. Sie war nötig, weil der Landkreis, mit Ausnahme der Gemeinde Lenggries, ab 1. Januar 2021 eine elektronischen Gästekarte einführt, die die Erfassung und Abrechnung vereinfachen soll. In Kochel wurde im Rahmen der Änderung unterschiedliche Kurbezirke und Saisonzeiten gestrichen und der Kurbeitrag von 1,50 Euro auf zwei Euro für Gäste ab 17 Jahren erhöht. Dass man auch Gebühren für Tagesausflügler aufgenommen hat, sei dem Besucheransturm im Sommer geschuldet, sagte Bürgermeister Thomas Holz (CSU) im Gemeinderat.

Kochel ist mit derlei Überlegungen nicht alleine. Wie Tourismuschef Weickel erklärt, habe auch die Stadt Bad Tölz einen entsprechenden Passus aufgenommen, allerdings bisher nicht angewendet. In Garmisch-Partenkirchen, das jährlich von rund zwei Millionen Tagesgästen besucht wird, mache man sich fieberhaft Gedanken. Und an den Stränden von Nord- und Ostsee hätten Kommunen bereits Automaten aufgestellt, erklärt Weickel. Auch in Kochel müssten Maßnahmen für die "nächsten Jahrzehnte" getroffen werden. Denn angesichts eines veränderten Freizeitverhaltens, das dazu führe, dass "Münchner nach Feierabend noch schnell raus für eine Skitour fahren", müsse man Lösungen finden. Seiner Ansicht nach wären Parkgebühren ein praktikabler Weg; mit dem positiven Nebeneffekt, dass Besucher zum Umstieg auf den ÖPNV motiviert werden könnten, sagt Weickel.

Parkgebühren, wie sie am Brauneck bereits seit einigen Jahren üblich sind, würden von Skitourengehern mehrheitlich befürwortet, das habe eine aktuelle Online-Umfrage ergeben. Denn als Gegenleistung stellen Kommunen die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung: Toiletten, geräumte Parkplätze, Wege. Laut Bürgermeister Holz gibt die Gemeinde für die zehn Dixi-Toiletten am Walchensee pro Jahr 15 000 Euro aus. Einnahmen über Parkgebühren würden aber bislang nicht generiert, weil gebührenpflichtige Parkplätze, etwa an der Herzogstandbahn, privat seien. Aus diesem Grund könne auch die Zahl der Tagesausflügler nicht exakt beziffert werden, sagt Weickel.

Im Kochler Gemeinderat gab es auch kritische Stimmen zum Kurbeitrag für Tagesgäste: Die in der Satzung festgelegten Regelungen seien nicht praktikabel, sagte Jens Müller (UWK), weil Ausflügler doch oft Station in verschiedenen Gemeinden machten. Und außerdem: "Wenn ich nach München fahre, muss ich doch auch nicht bezahlen". Klaus Barthel (SPD) sah das ähnlich. "Es ist doch nicht sinnvoll, Regeln einzuführen, die man nicht umsetzen kann." Sein Antrag, den Kurbeitrag für Tagesgäste aus der Satzung zu streichen, wurde abgelehnt.

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