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Isartal:In diesem Park kommen Naturschützer, Wanderer und Besitzer auf ihre Kosten

Die Begehrlichkeiten im Wald sind groß. Im Riemerschmidpark bei Icking wollen Isartalverein und Forstverwaltung zeigen, wie sich die Interessen vereinen lassen.

Schmale Wege durchziehen den Riemerschmidpark am steilen Isarhang zwischen Icking und dem Wolfratshauser Stadtteil Weidach. Wanderer können an Aussichtspunkten weit über das Flusstal von Loisach und Isar bis zu den Bergen sehen. Im knapp fünf Hektar großen Areal des Isartalvereins finden beispielsweise Vögel in sogenannten Biotop-Bäumen in Asthöhlen wertvollen Lebensraum. Zusätzlich zu Fichten und Buchen stehen im Wald seltene Bäume wie Wildkirsche und Bergahorn. Quer am Steilhang direkt über der Loisach liegende entrindete Fichten sollen den Boden stabilisieren und das Abrutschen verhindern.

Im Riemerschmidpark will der Isartalverein beispielhaft zeigen, wie die Ansprüche von Naturschutz, Erholungssuchenden und Forstwirtschaft im Wald berücksichtigt werden können. Gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der Bayerischen Forstverwaltung wurde das Motto "Schützen und Nutzen" umgesetzt. Nun bietet das Areal Zonen für Erholungssuchende, für die Forstwirtschaft und Waldpflege sowie für die Hangsicherung und den Naturschutz.

Wie der Wolfratshauser Revierförster Robert Nörr erklärt, war es schwierig, diese unterschiedlichen Ansprüchen miteinander zu vereinbaren. "Wir haben einen Kompromiss versucht. Es ist falsch, einen Anspruch maximal zu erfüllen und alle anderen fallen hinten runter", sagt er bei einem Ortstermin am Dienstag. Erich Rühmer, Vorsitzender im Isartalverein, und Hans Buxbaum vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) begleiteten ihn.

Gemeinsam kennzeichnen die drei Männer den unteren Stammbereich einer auseinandergebrochenen Buche mit dem Symbol eines roten Spechts. Das weist diesen als wertvollen Biotop-Baum aus. Die Pilze an seinem Stamm bieten Lebensraum beispielsweise für Käfer. In durch Fäulnis entstandenen Höhlen können Vögel wie Spechte und Eulen brüten. Doch direkt am Wanderweg dürfte so ein Baum nicht stehen bleiben. Der Stamm könnte umfallen und Spaziergänger verletzen. Deshalb wurden einzelne Wege im Riemerschmidpark gesperrt. "Wir haben uns an diesen Stellen für Naturschutz und gegen Erholung entschieden", sagt Nörr.

Begonnen hat das Projekt im Riemerschmidpark vor zwei Jahren. Damals hat der Isartalverein erst einmal den Baumbestand erfassen lassen und rund 1800 Exemplare mit einem Durchmesser von mehr als sieben Zentimetern gezählt. Knapp die Hälfte davon waren Buchen, etwa ein Drittel Fichten. Doch auch Bergahorn, Lärche, Kiefer, Esche, Eibe oder Wildkirsche fanden sich. 138 Bäumen hatten Biotopbaummerkmale wie Höhlen oder Faulstellen. Der Isartalverein ließ rund 50 Bäume fällen - das entspricht etwa 90 Kubikmetern Holz und damit der Menge für etwa drei komplette Holzhäuser. Wie Rühmer sagt, konnten die Bäume nur von Hand gefällt werden. Denn das abfallende Terrain und die schmalen Wege ließen den Einsatz von großen Maschinen gar nicht zu. "Wir haben das Holz mit dem Pferd rausgezogen", sagt Rühmer. Das sei die sinnvollste und schonendste Lösung gewesen. Totholzbäume blieben erhalten, wofür der Isartalverein genauso wie für Biotopbäume Geld aus dem Vertragsnaturschutzprogramm Wald bekommt - sofern die Exemplare zwölf Jahre lang stehen bleiben.

Für die Erholungssuchenden wurde der Aussichtsplatz am Riemerschmid-Gedenkstein frei geschnitten. Die quer zum Steilhang zur Hangsicherung liegengelassenen Fichten wurden entrindet. "So kann sie der Borkenkäfer nicht zerstören", erklärt Nörr.

Der Park

Das 4,85 Hektar große Areal am Steilhang zwischen Icking und Wolfratshausen ist nach Richard Riemerschmid (1868-1957) benannt. Der Münchner Künstler und Architekt zählte zu den Gründern des Isartalvereins, der sich zum Ziel gemacht hat, die landschaftliche Schönheit des Flusstals zu erhalten. 1940 schenkte Riemerschmid dem Verein das Areal, das seitdem seinen Namen trägt. Im Park erinnert ein Gedenkstein an seine beiden im Krieg gefallenen Söhne. Helmut Riemerschmid kam im Alter von 22 Jahren gegen Ende des Ersten Weltkriegs im Juli 1918 in Frankreich ums Leben. Sein jüngerer Bruder Gerhart (1911-1939) arbeitete als Arzt in München. Er fiel gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs Anfang September 1939. bene

Etwas entfernt von der Hangkante sind am Boden noch die Baumstümpfe von Fichten zu sehen. Die wurden gefällt, damit sich der Wald verjüngen kann. Durch den stärkeren Lichteinfall sprießt hier etwa der Ahorn nach oben. Seltene Exemplare wie die Eslbeere können sich entwickeln. Doch die Eschen entwickelten sich nicht wie geplant, fielen dem Eschentriebsterben zum Opfer. Für Buxbaum zeigt sich im Riemerschmidpark, die ganze Komplexität der verschiedenen Ansprüche an die Natur.

© SZ vom 18.05.2017

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