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Geretsrieder Politiker im Bundestag:Andreas Wagner will nicht wieder antreten

Andreas Wagner Bundestagsabgeordneter Linke Geretsried S-Bahn

Andreas Wagner ist seit 2017 für die Linke im Bundestag.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Vor eineinhalb Jahres ist der Geretsrieder Bundestagsabgeordnete knapp am Burn-out vorbeigeschrammt. Jetzt ist er wieder im Krankenstand

Andreas Wagner will kein zweites Mal für den Bundestag kandidieren. Der 47-jährige Heilerziehungspfleger aus Geretsried, der seit 2017 für die Linke im Parlament sitzt, hat dies über seine Facebook-Seite veröffentlicht. Wagner erinnert daran, dass er im November 2018 kurz vor einem Burnout gestanden habe. Seit Anfang März sei er nun erneut im Krankenstand. Auf Nachfrage der SZ teilte Wagner am Freitag mit, er wolle sich derzeit nicht über das hinaus äußern, was er auf Facebook geschrieben hat.

Dort erklärt er seine Situation unter anderem mit der Arbeit im Bundestag, speziell in der Fraktion der Linken. Er sei selbst nicht Mitglied irgendeines Lagers innerhalb der Partei, fühle sich jedoch Sahra Wagenknecht und ihren inhaltlichen Positionen "nah und verbunden". Unterschiedliche Strömungen und Auseinandersetzungen seien normal - wenn dennoch ein solidarischer Umgang gepflegt werde und das Miteinander im Vordergrund stehe. Eben dies habe er nicht immer so erlebt. Es habe Situationen gegeben, "die mich teilweise sehr verletzt haben und die - nicht nur, aber auch - dazu beigetragen haben, dass es mich erneut 'aus der Bahn' geworfen hat".

Konflikte können krank machen

Nach seiner Auszeit wegen Überlastung Ende 2018/Anfang 2019 hatte Wagner im SZ-Interview gesagt, ihm sei alles zu viel gewesen, er habe sich fremdgesteuert gefühlt und nicht mehr den eigenen Erwartungen entsprechen können - und jenen, von denen er annahm, dass andere, auch die Öffentlichkeit, sie an ihn hätten. Schon damals hatte er aber auch von fraktionsinternen Konflikten gesprochen und sich zu Sahra Wagenknecht bekannt, die ebenfalls wegen Überlastung nicht mehr für den Fraktionsvorsitz kandidierte. Wagner sagte damals: "Es ist sehr anstrengend, sich permanent in Konfliktsituationen zu bewegen. Jeder Konflikt macht, wenn er nicht wohlwollend ausgetragen wird, über einen längeren Zeitraum krank."

Allerdings war der Geretsrieder Abgeordnete vor einem Jahr noch zuversichtlich, nach einer Kurzzeittherapie und weiter durch einen Psychotherapeuten begleitet wieder langfristig handlungsfähig zu sein. "Ich habe jetzt herausgefunden, wo meine Grenzen liegen", sagte er damals. Und kündigte an, sich für eine zweite Wahlperiode fit zu machen. Nun schreibt er: "Ich habe vor, sobald es mir besser geht, bis zum Ende der Wahlperiode weiterhin einen guten Job als Abgeordneter zu machen." Er werde sich auch anschließend nicht aus der Politik verabschieden. Andreas Wagner hat sich seit seiner Jugend in der Friedensbewegung, gewerkschaftlich und als Betriebsrat engagiert.

© SZ vom 28.03.2020

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