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Debatte um Gebetsrufe:Rechte Demo am Penzberger Stadtplatz

Ein älterer Herr hat sich ein Schild gebastelt. Darauf die emotional getriebene Aussage: "Wir brauchen wieder KZs - für die Neonazis".

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Debatte um öffentliche Muezzin-Rufe an der Penzberger Moschee ruft den Islamhasser Michael Stürzenberger auf den Plan. Bei der Kundgebung auf dem Stadtplatz fällt der Gegenprotest klein, aber emotional aus

Von Florian Zick, Penzberg

Der Mann im gelben Brasil-Shirt ist offenbar eher zufällig an den Penzberger Stadtplatz gekommen. Als er dort den Auftrieb sieht, ruft er aber sofort einen Kumpel an. Diese Islam-Sache in Penzberg, die Kontroverse um die Muezzin-Rufe - naja, man wisse schon, die Geschichte sei ja hinlänglich bekannt: "Das hat jetzt diese Typen hierher gelockt", sagt er.

Diese Typen, das sind Michael Stürzenberger und sein Tross von der rechten "Bürgerbewegung Pax Europa". Nach der kürzlich von Imam Benjamin Idriz entfachten Debatte um öffentliche Gebetsrufe an der Moschee in Penzberg hat der Islamhasser Stürzenberger am Freitagnachmittag mehrere Stunden lang den Penzberger Stadtplatz für eine Kundgebung belegt. Rund ein dutzend Schautafeln mit den altbekannten Botschaften sind aufgebaut. "Keinen Fußbreit der Scharia in Deutschland" und ähnliche Dinge stehen darauf.

Stürzenberger ist gleich ganz in seinem Element. Die Muezzin-Debatte sei nur der Anfang, wiegelt er die paar versprengten Zuhörer auf dem Stadtplatz auf. Auch bei der SPD-Fraktion im Penzberger Rathaus gebe es schon Muslime, sagt er. Wenn das so weitergehe, habe man als Penzberger bald gar nichts mehr zu sagen. "Am Ende steht die Islamisierung eures schönen Städtchens", so Stürzenberger.

Islamhasser Michael Stürzenberger bei seiner Kundgebung auf dem Stadtplatz in Penzberg.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

In vorderster Reihe steht eine junge Frau im gelben Parka. Sie hält tapfer ein Banner hoch, darauf ist zu lesen: "Alle Rassisten sind Arschlöcher - überall". Ein älterer Herr hat sich auf seinem selbst gebastelten Schild zu der Aussage hinreißen lassen: "Wir brauchen wieder KZs - für die Neonazis". Eine richtige Gegendemo gibt es aber nicht. "Wir wollten dem hier nicht noch zusätzlich Aufmerksamkeit geben", sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Krahl. Er und der Penzberger Ortsverband haben deshalb nur einen kleinen Infostand mit Ausschank angemeldet. Es gibt Spezi und Bier zum Mitnehmen, auf einem Plakat steht "A Maß gegen Hass". Mehr müsse man eigentlich nicht sagen, so Krahl. "Schwoam mas obi!"

"A Maß gegen Hass": der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Krahl an seinem Infostand.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die rechte "Bürgerbewegung Pax Europa" hat in Penzberg am Freitagvormittag Flugblätter mit einer Unterschriftenliste gegen die Muezzin-Rufe verteilt. Der vereinzelte Applaus für Stürzenberger lässt vermuten, dass sich darauf durchaus einige Unterschriften wiederfinden werden. Aber so sei das leider, sagt der Landtagsabgeordnete Krahl. Zwar funktioniere in Penzberg das Miteinander der Kulturen ausgezeichnet. Aber die rechtspopulistische AfD liege inzwischen stabil bei zehn Prozent. "Das sind nicht mehr nur noch Protestwähler", so Krahl.

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