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Brettsport:Mit Vollgas zur Welle

Welle im Fluss: River-Surfing, wie es seit vielen Jahren auf dem Münchner Eisbach betrieben wird (Foto), wird immer mehr zum Trend. In Wolfratshausen könnte nun bald die erste künstliche Flusswelle entstehen, die eigens zum Surfen geschaffen wird.

(Foto: Robert Haas)

Wolfratshausen hat eine wichtige Hürde für den Bau der ersten künstlichen Anlage für Fluss-Surfing genommen: Der Antrag für EU-Fördermittel ist trotz knapper Frist eingereicht. Einzelheiten werden nun dem Stadtrat vorgelegt.

Der Zeitplan war sportlich, aber es hat geklappt: Wolfratshausen hat den Bewilligungsantrag für EU-Fördermittel zum Bau der ersten künstlichen Surfwelle Deutschlands rechtzeitig eingereicht. Damit ist eine große Hürde genommen, um die Konstruktion für die stehende Welle am Unterwasserkanal der Weidachmühle zu realisieren, die der Stadt mit der immer populärer werdenden Sportart River-Surfing einen Publikumsmagneten und Imagegewinn bescheren soll.

Im Mai hatte der Stadtrat mit großer Mehrheit den Bau der künstlichen Welle genehmigt, obwohl die Attraktion auf dem Wasser die Stadt deutlich teurer zu stehen kommt als ursprünglich geplant: 177 000 Euro muss Wolfratshausen inklusive Umsatzsteuer für die Welle zahlen, hinzu kommt ein jährlicher Betriebskostenanteil von 5000 Euro - über 15 Jahre. Die Aktionsgruppe des Landkreises für das europäische Förderprogramm Leader hat 172 000 Euro an Zuschuss in Aussicht gestellt. Bedingung war auch, dass der Verein "Surfing Wolfratshausen", der die Welle künftig betreiben will, Spenden in Höhe von 60 000 Euro generiert. Das ist noch nicht ganz gelungen. "Ein Restbetrag fehlt noch", sagt Vereinsgründerin Stefanie Kastner. Sie werbe weiterhin bei ortsansässigen Unternehmen um Unterstützung des Projekts. "Es darf auch gerne jemand auf uns zukommen", sagt sie. Allerdings fehle "kein großer Betrag" mehr. "Am Geld wird es sicher nicht scheitern." Mit Versicherungen sei man im Gespräch, der Vertrag mit der Stadt sei in der Abstimmung. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagt ihr Ehemann und Ideengeber der Wolfratshauser Welle, Marcus Kastner.

Nach dem Stadtratsbeschluss war die Zeit jedoch knapp: Gerade einmal vier Monate hatte die Verwaltung Zeit, die nötigen Unterlagen beim zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim einzureichen. Das ist nun wenige Tage vor dem Stichtag am 12. September gelungen. "Der Antrag ist letzte Woche rausgegangen", sagt Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW). Zwar müssten noch Unterlagen nachgereicht werden, sagt die städtische Tourismusmanagerin Gisela Gleißl. Dies sei aber mit dem zuständigen Fachzentrum für Diversifizierung und Strukturentwicklung im AELF abgesprochen.

Marcus und Stefanie Kastner sind die Initiatoren der Wolfratshauser Surfwelle. Sie suchen noch Firmen, die das Projekt unterstützen wollen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Dort wird der Eingang bestätigt. "Der Bewilligungsantrag wurde bei uns eingereicht und wird nun bearbeitet", sagt die Sachbearbeiterin in Rosenheim, Gabi Marxreiter. Wie lange das dauert, könne sie jedoch nicht sagen - weil noch nicht alle Unterlagen vorlägen. Darüber, was noch fehlt und was schon eingereicht ist, gibt Marxreiter keine Auskunft. Gleißl vertröstet auf die Stadtratssitzung am Dienstag: Dann will sie Einzelheiten zum Antrag und zu den kommenden Schritten bekanntgeben. Im Mai hatte sie erklärt, dass die Stadt für die Leader-Förderung unter anderem drei Verträge vorlegen müsse - mit dem Kraftwerksbetreiber, dem Verein und dem Freistaat - sowie die Gestattungen der Behörden und genaue Kostenabrechnungen. Das Verfahren beim Wasserwirtschaftsamt Weilheim zur wasserrechtlichen Genehmigung des Baus laufe, sagt Gleißl. "Wir haben das Signal, dass man alles hinkriegt."

Offen war lange die Frage, wie der Betreiber des Wasserkraftwerks an der Weidachmühle, die Memminger Kleinwasserkraftwerke & Co. KG, für den durch die Welle anfallenden Wasserverlust entschädigt wird. Der Betreiber-Verein hat dazu im März Zahlen vorgelegt: Zu rechnen sei mit einem jährlichen Kostenaufwand von etwa 38 000 Euro, 33 000 Euro davon wolle Surfing Wolfratshausen durch Gebühren, Mitgliedsbeiträge und Spenden aufbringen, hinzu komme der Betriebskostenzuschuss der Stadt. Zum eingereichten Vertragsentwurf hält sich Gleißl indes bedeckt. "Man ist daran, sich zu einigen", sagt sie lediglich. Heilinglechner stellt klar, dass die Verträge zum Bau und Betrieb der Welle alle noch vom Stadtrat mehrheitlich genehmigt werden müssen, bevor sie unterzeichnet werden. Zur Abstimmung vorgelegt würden sie dem Gremium erst, wenn die Leader-Zusage vom AELF erfolgt sei. Die Prüfung werde ergeben, "ob wir eine Bewilligung aussprechen oder nicht", sagt Marxreiter zu den beantragten Fördermitteln.

Die Förderung von Stadt und EU betreffe nur den Bau der Welle, die durch eine steuerbare Stahlkonstruktion entstehen soll, sagt Initiatorin Kastner. Der Betrieb werde hingegen gänzlich vom Verein organisiert und finanziert. Allerdings gebe es die Forderung im Leader-Programm, dass die Wolfratshauser Surfwelle mindestens zwölf Jahre in Betrieb sein müsse. Das gebe dem Verein eine gewisse Sicherheit. Dass der Leader-Antrag rechtzeitig erfolgt ist, freut Kastner und ihre Mitstreiter. "Wir sind erleichtert", sagt die Vereinsgründerin - und bedankt sich bei Gleißl, der Stadtverwaltung und dem beauftragten Planungsbüro. "Die haben wirklich Vollgas gegeben."