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Bairisch ohne Tümelei:Familiär und musikalisch verwandt

Beim erfolgreichen Münsinger Sextett Tromposaund spielen drei Brüder und ein Cousin mit.

Benjamimin Engel

Zum Auftritt kommen sie in Tracht: Tromposaund bei einer Probe 

(Foto: Hartmut Pöstges)

's Leben is wia a Traum von der Spider Murphy Gang, Ghost Riders in the Sky, Sweet Caroline von Neil Diamond: Ein wenig ungewöhnlich ist es schon, was die sechs jungen Männer da spielen in ihrem Übungsraum über der Garage in Holzhausen. Bierkrüge reihen sich auf Holzleisten an den Wänden entlang, Schützenscheiben und ein Geweih hängen an den Wänden. Fünf junge Blechbläser und Quirin Sturm am Schlagzeug haben sich hier zusammengefunden. Sie bilden die Gruppe Tromposaund. Heute tragen sie alle Jeans, Shirts oder Trainingshosen. Zu ihren rund 30 Auftritten im Jahr kommen sie aber immer in Tracht. Denn als bayerische Musiker wollen sie auf den ersten Blick wahrgenommen werden. Mit der sogenannten volkstümlichen Musik möchten sie jedoch nichts zu tun haben. "Der Musikantenstadel, wo man auf Kommando klatscht, das ist nichts für uns", stellt Hans-Peter Huber klar.

Doch der erste Eindruck soll nicht täuschen. Im Mittelpunkt steht bei den sechs Musikern die traditionelle Blasmusik. Deshalb spielen sie genauso die Musikanten-Polka wie das Stück "Boarisch tanz ma" oder probieren sich am Schladminger WM-Marsch. Ihr gesamtes Repertoire umfasst mittlerweile rund 80 Stücke, Jazz, Blues, Dixie, bayerische und moderne Stücke. Zur Probe treffen sie sich fast immer einmal pro Woche, am Dienstag. So richtig zufrieden sind sie diesmal allerdings nicht. Mal verpasst einer den richtigen Einsatz oder sie spielen zu laut, während einer auf seinem Instrument ein Solo hat.

Ganz ernst nehmen die sechs jungen Männer sich und ihre Musik aber nicht. Schließlich sind sie Hobbymusiker und spielen in erster Linie, weil es Spaß macht. Eine CD im Studio aufnehmen, in dem jeder Ton ganz exakt sitzen müsste, wollen sie nicht. "Wir sind eine Auftrittsmusi", sagt Moritz Huber, der Tuba und Bassposaune spielt. Ihnen gehe es darum, wie sie vor dem Publikum rüberkommen.

Die Gruppe Tromposaund besteht seit 2009. "Wir sind drei Brüder, ein Cousin, ein Nachbar und ein Dahergelaufener", sagt Moritz trocken. Gegründet haben Tromposaund die drei Brüder Simon (27 Jahre alt), Moritz (25) und Christoph (23) sowie Josef Schmid (24). "Damals wollten wir bei unserem alljährlichen Dorfabend in Holzhausen auftreten", sagt Moritz. Zwei Trompeten und zwei Posaunen: So war der Name Tromposaund geboren. Simon und Christoph spielen Flügelhorn und Trompete, Josef Bariton und Posaune. Später stießen dann noch Cousin Hans-Peter Huber, 23, mit Basstrompete und Tenorhorn sowie der 21-jährige Quirin Sturm aus Bichl am Schlagzeug mit zur Gruppe. Bei diesem Sextett soll es nun bleiben.

Alle spielen heute nicht nur bei Tromposaund, sondern auch noch in größeren Blaskapellen. "Unser Vater hat die Holzhauser Musikkapelle mitbegründet", sagt Moritz. Deshalb hätten sie schon früh als Kinder Instrumente haben können. Die Familie musizierte häufig gemeinsam. Als Sextett aufzutreten hat für sie einen besonderen Reiz. In einer kleinen Gruppe sei jeder noch motivierter, sich immer zu verbessern, sagt Moritz. Zudem sei eine kleine Gruppe einfach flexibler, fügt Christoph hinzu, und jeder könne sich besser einbringen als in einer großen Blaskapelle. Allerdings müssen sie die Stücke immer erst für ihre kleine Besetzung umschreiben.

Mittlerweile werden die Musiker in ganz Deutschland gebucht. Sogar in Amsterdam sind sie schon bei einer Geburtstagsfeier aufgetreten. "Das war schon ein Highlight. Ich hoffe, wir machen sowas wieder", sagt Hans-Peter. Unter anderem spielen sie auf Floßfahrten die Isar hinunter, zu Hochzeiten, im Bierzelt oder in der Kirche. Ihr Konzert beim Ascholdinger Holzwirt vor knapp zwei Monaten war ausverkauft. Im März waren sie bei einer Veranstaltung der Technischen Universität München vertreten.

Rund 100 Interessenten fragen im Jahr für Konzerte an. Die meisten werden über Mundpropaganda, die Homepage www.tromposaund.de oder Facebook aufmerksam. Doch nur rund 30 Mal im Jahr treten die Musiker von Tromposaund auf. Wesentlich mehr ginge auch nicht, arbeiten oder studieren doch alle und haben meist nur am Wochenende Zeit. Für ihre Kunden erfüllen sie aber auch schon mal Extrawünsche. Zu einer Hochzeit wünschen sich die Brautleute etwa die Dinnermusik aus der Serie Traumschiff. "Da müssen wir erst mal schauen, ob das für Blechbläser überhaupt möglich ist", sagt Simon. Professionell wollen sie aber nicht werden. Denn wenn sie von ihrer Musik leben müssten, wäre es mit dem Spaß vorbei. "Wir müssten dann Sachen spielen, die uns keine Freude machen", sagt Simon.

© SZ vom 02.04.2013
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