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Bad Tölz:Mit Fantasie gegen das Virus

Wie Kinder und Jugendliche die Bedrohung durch das CoronaVirus empfinden, zeigen die Arbeiten, die im Tölzer Stadtmuseum zu sehen sind. Einer der Gewinner des Kreativ-Wettbewerbs "Mein Ausblick" ist der zwölfjährige Benjamin aus Wolfratshausen, der ein Comic zeichnete.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Wie sie die Corona-Pandemie erleben, zeigen Kinder und Jugendliche in ihren Arbeiten, die sie für den Kreativ-Wettbewerb "Mein Ausblick" angefertigt haben. Nach der Ausstellung im Tölzer Stadtmuseum sollen ihre Werke als Zeitdokumente im Stadtarchiv aufbewahrt werden.

Von Klaus Schieder

Ein Junge schiebt mit aller Kraft eine gelbe Wand gegen ein grünes Ungetüm. Das hat die Form einer Kugel, aus der saugnapfartige Tentakel ragen: Es ist das Corona-Virus. In einem Comic-Bild hat der zwölfjährige Benjamin aus Wolfratshausen seine Sicht auf die Pandemie in der Zeit des Lockdown festgehalten. Damit gehört er zu den drei Gewinnern des Kreativ-Wettbewerbs zum Thema "Mein Ausblick", den die Tölzer Jugendförderung während der Ausgangsbeschränkungen ausgerufen hat. 44 Arbeiten gingen von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen acht und 16 Jahren aus dem Landkreis ein. 20 davon sind bis 21. August im Tölzer Stadtmuseum ausgestellt.

Benjamin habe die bedrohliche Lage durch die Corona-Pandemie eindrücklich dargestellt, lobte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) bei der Vernissage am Donnerstag in der Galerie des Museums. Da stemme sich jemand mit der ganzen Kraft seines Körpers gegen das Virus und versuche es aufzuhalten. Mit einer Erd-Collage überzeugte die zehnjährige Miriam die Jury, der neben Mehner auch Birte Otterbach, Pressesprecherin der Stadt Bad Tölz, sowie die beiden Stadträte Moritz Saumweber und Dorothea Bigos (beide Grüne) angehörten. Das Mädchen aus Tölz war während des Lockdown nach draußen gegangen, sammelte Zweige, Moos, Tannenzapfen und Steine, um daraus ein kleines Kunstwerk zu formen. Als einzige Teilnehmerin, sagt Mehner, habe Miriam mit natürlichen Materialien gearbeitet. Die achtjährige Valerie aus Bad Heilbrunn bastelte mit Hingabe zum Detail eine Art Bühnenbild mit einem weißen Pferd und Palmen. Wenn sie traurig sei und aus dem Fenster sehe, schrieb sie dazu, dann stelle sie sich das weiße Pferd vor, und wie es wohl wäre, mit ihm über den Strand zu reiten. Valeries Arbeit sei "mit so viel Liebe gestaltet", betonte der Bürgermeister.

Die Auswahl der drei Gewinner war für die Jury alles andere als einfach. "Aus der Freude wurde bald eine Qual, denn wir hatten viele und gute Kunstwerke", erzählte der Bürgermeister. Auf die drei Fragen, was sie sehen, was sie gerne sehen würden, wie ihr Abenteuer zu Hause sei, antworteten die Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Kunstformen. Mit Bildern, mit Comics, mit Collagen, mit Installationen, mit Fotografien, mit Gedichten. Neben dem Künstlerischen hätten vor allem "der Ausdruck und die Aussage" eine gewichtige Rolle gespielt, sagte Bürgermeister Mehner.

In der Ausstellung sind auch Fotos mit besonderen Schutzmasken zu sehen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

"Es hat mich wahnsinnig gefreut, dass so viele mitgemacht haben", sagte der kommunale Sozialplaner Franz Späth. Organisiert wurde der Wettbewerb vor allem von den Sozialpädagoginnen Johanna Gebretsadik und Kristina Weinert der Tölzer Jugendförderung. Das Wort Corona habe man in der Aufgabenstellung jedoch ganz bewusst nicht erwähnt, sagte Gebretsadik. "Wir wollten nicht auf das Thema fixieren, sondern den Kindern die Möglichkeit geben, auch Parallelen, andere Situationen im Leben darzustellen", erklärte sie.

Begeistert zeigte sich Kreisjugendpflegerin Verena Peck. "Das Allerschönste an der ganzen Aktion ist, dass in der Stadt Bad Tölz so viele Jugendliche durch künstlerische Ausdrucksformen zu Wort kommen dürfen", sagte sie. In dieser Ausstellung spüre man wirklich, was sie bewegt, wie sie das Corona-Virus als etwas Bedrohliches wahrnehmen, wie sie sich mit ihren Ängsten auseinander setzen, wie sie es erleben, in den sozialen Kontakten beschnitten zu werden. Die Bilder zeigten auch, dass man hierzulande vor einem halben Jahr noch im Paradies gelebt habe, jetzt aber gebe es plötzlich etwas, das alle bedrohe, sagte Peck.

Nach dem Ende der Ausstellung wandern die Arbeiten ins Tölzer Stadtarchiv. Dort werden sie als Zeugnisse für kommende Generationen aufbewahrt. "Sie sind Zeitdokumente", sagte Mehner. Mitunter kommt darin auch der Humor nicht zu kurz. So wie in den Reimen des elfjährigen Sascha aus Bad Tölz, der das bekannte Weihnachtsgedicht "Von drauß' vom Walde komm ich her" paraphrasiert: "Von draußen vom Aldi komm ich her, ich muss euch sagen, die Regale sind leer."

Die Ausstellung ist bis 21. August im Stadtmuseum zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

© SZ vom 25.07.2020/aip

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