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Wiesn:So kam es zur Limo-Bremse fürs Oktoberfest

Oktoberfest 2012

Wiesnbesucher sitzen im Freien vor einem Festzelt (Archivbild).

(Foto: dpa)
  • In jedem großen Wiesnzelt soll es ein alkoholfreies Getränk zum Preis von 3,50 Euro für den halben Liter geben - das wünscht sich Wirtesprecher Toni Roiderer.
  • Auf die Idee kam er gemeinsam mit Oberbürgermeister Dieter Reiter, um Oktoberfestbesuche vor allem für Familien nicht noch teurer zu machen.
  • Münchens zweiter Bürgermeister hatte auch eine Preisbegrenzung gefordert - allerdings für Bier. Und war damit krachend gescheitert.

Von Franz Kotteder

So schnell kann's gehen: Am Dienstag sind die neuen Getränkepreise für das Oktoberfest vom Büro des Bürgermeisters Josef Schmid (CSU) verkündet worden, und einen Tag später sind ein paar davon schon wieder gesunken. Empörung hatte es nämlich über die Preise für nichtalkoholische Getränke in einigen Zelten gegeben. So kostet ein Liter Wasser im Weinzelt 11,60 Euro und im kleinen Zelt Fisch-Bäda 10,60 Euro. Jetzt aber wird es wohl in allen Zelten ein familienfreundliches Getränk zum Sonderpreis geben. Im Hackerzelt etwa kostet der halbe Liter Orangenlimo nun 3,50 Euro.

Was die Wiesn angeht, sind sich Josef Schmid und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zwar selten einig, in einem Punkt aber dann doch: "Die deutlichen Preiserhöhungen in diesem Jahr gehen eindeutig zu Lasten aller Besucher des Oktoberfestes, einschließlich der Familien", kritisierte der Zweite Bürgermeister, und Reiter befand: "Der ein oder andere Wirt muss sich schon fragen lassen, ob es noch im Sinne eines Volksfestes ist, wenn eine Mass Wasser zehn Euro kostet."

Reiter beließ es jedoch nicht beim öffentlichen Statement, sondern telefonierte am Mittwoch mit dem Sprecher der Wiesnwirte, Toni Roiderer vom Hackerzelt. Die beiden kennen sich lange: Dieter Reiter wohnte früher in Straßlach-Dingharting und war dort in der SPD aktiv, Toni Roiderer saß für die Unabhängige Wählervereinigung bis 2010 im Gemeinderat.

Gemeinsam, so Roiderer, kam man auf die Idee, die Wiesnwirte aufzufordern, ein Getränk zu einem besonders familienfreundlichen Preis anzubieten. Roiderer am Donnerstag: "Bis jetzt habe ich von meinen Kollegen ausschließlich positive Reaktionen auf diesen Vorschlag bekommen."

Positiv dürfte auch Dieter Reiter die Sache sehen. Die ganze Aktion passt schließlich hervorragend in seine Strategie der Nadelstiche gegen Schmid. Während der als großer Wiesn-Reformer auftrat, der den Wirten eine Bierpreisbremse aufzwingen wollte und dabei nach monatelangem Hickhack grandios an der Stadtratsmehrheit scheiterte, genügt beim Oberbürgermeister ein einziger Telefonanruf, und schon wird die Limo billiger.

Die Botschaft an den Zweiten Bürgermeister und an die Öffentlichkeit lautet: Während der eine viel Krach macht und letztlich bloß den Kampftrinkern sparen hilft, macht der andere ganz unaufgeregt das Kracherl, wie die Limo landläufig genannt wird, für die Familien günstiger, die sich einen Oktoberfestbesuch kaum noch leisten können. Und das auch noch in Übereinstimmung mit den selbstbewussten Zeltbaronen!

Schmids Kommentar fiel dann auch eher schmallippig aus. Er freue sich darüber, sagte er, "wenn meine Initiative für eine bezahlbare Wiesn doch diesen kleinen Erfolg zeitigt". Dabei ist seine Taktik bislang noch nicht aufgegangen; sie bestand ja eher darin, das populäre Ressentiment gegen die angeblich nimmersatten Wiesnwirte auszunutzen und sich als furchtloser Kämpfer gegen die alljährlichen Bierpreissteigerungen zu gerieren. Immerhin ist es ihm gelungen, die SPD und den überwiegenden Rest des Stadtrats in den Ruch der Bierpreiserhöhungsparteien zu drängen. Und es ist keineswegs ausgemacht, dass das nur bei jenen verfängt, die einen Ausflug aufs Oktoberfest nicht unter zehn Mass pro Kopf beenden.

Im Rathaus wird jedenfalls kolportiert, die CSU-Fraktion wolle nun bis zur nächsten Kommunalwahl jedes Jahr wieder die Bierpreisbremse fordern, um die SPD vorzuführen. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sagt zwar, darüber habe man intern noch nicht gesprochen: "Aber es ist natürlich klar, dass wir zur Idee eines Bierpreisdeckels nach wie vor stehen."

© SZ vom 23.06.2017/infu
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