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Unfälle:Münchens Ziel: null Verkehrstote

Schwerer Unfall mit 11 beteiligten Fahrzeugen

Kein einziger Verkehrstoter - das ist das Ziel der Stadt.

(Foto: dpa)
  • Die Stadt erarbeitet ein Konzept, um die Zahl der Verkehrsunfälle zu verringern.
  • Das strategische Ziel ist die "Vision Zero", die Reduzierung der Verkehrstoten auf null.
  • Das Konzept soll auf der Grundlage einer Studie erarbeitet werden, laut der durch Raser verursachte Unfälle sowie Abbiege-Unfälle besonders auffielen.

München mag ja als vergleichsweise sichere Großstadt gelten, was Kriminalität betrifft. Doch auf den Straßen gibt es laut einer aktuellen Studie noch viel zu verbessern, was die Sicherheit betrifft. Im Jahr 2017 kamen in der Stadt München 22 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben - sieben mehr als im Jahr davor.

Die Zahl der Schwerverletzten stieg um zehn Prozent auf 700. Und im Bereich des Polizeipräsidiums wurden insgesamt 53 229 Unfälle registriert. Am Dienstag hat der Kreisverwaltungsausschuss ohne große Debatte beschlossen, ein Konzept zu erarbeiten, das die Verkehrsteilnehmer schützen soll. Strategisches Ziel ist die "Vision Zero", also die Reduzierung der Verkehrstoten auf null.

Insgesamt ist die Zahl der Unfälle zwar gesunken, aber die fielen gravierender aus. "Jeder Mensch, der im Straßenverkehr verletzt oder gar zu Tode kommt, ist ein Mensch zu viel", sagt Thomas Böhle, Chef des das Kreisverwaltungsreferats (KVR). Ein Jahr hat seine Behörde nun Zeit, ein Maßnahmenbündel zu entwickeln, um die Zahl der Unfälle zu reduzieren.

Das können diverse Einzelmaßnahmen sein, etwa neue Tempolimits, Umbauten an Kreuzungen, geänderte Ampelschaltungen, oder aber eine Kampagne, die zu Rücksichtnahme im Straßenverkehr aufruft. Gleichzeitig sollen sich die in Fragen der Verkehrssicherheit involvierten Behörden stärker mit der Polizei und der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) austauschen.

Als Grundlage will das KVR eine Verkehrsstudie verwenden, welche die PTV Transport Consult GmbH federführend in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden und der Ludwig-Maximilians-Universität München erstellt hat. Konkret wurde in der Studie der Zeitraum von 2010 bis 2014 erfasst.

In dieser Zeit passierten im Stadtgebiet durchschnittlich 18 150 Unfälle pro Jahr, die einen Personenschaden oder einen Sachschaden mit Bußgeld nach sich zogen, dazu kamen durchschnittlich 26 200 Kleinunfälle, also solche, die nur leichte Sachschäden und kein Bußgeld zur Folge hatten.

Laut der Studie fielen immer wieder durch Raser verursachte Unfälle sowie Abbiege-Unfälle besonders folgenschwer aus. Und wie die Polizei bei der jüngsten Unfallbilanz mitteilte, sind etwa ein Drittel aller tödlichen Unfälle auf Raserei zurückzuführen. 2017 war in München bei fünf Todesfällen im Straßenverkehr Alkohol die Hauptursache. Unfälle mit Fußgängern passierten meistens auf freier Strecke, etwa indem Passanten aus Unachtsamkeit über eine Straße oder einen Radweg gingen, ohne auf den Verkehr zu achten.

Radfahrer wurden verstärkt an Kreuzungen und an Grundstückszufahrten in Kollisionen verwickelt. Etwa die Hälfte der Unfälle mit Radfahrern passierte an mit Ampeln geregelten Kreuzungen wegen unachtsam abbiegender Autofahrer. Auch unter Autofahrern krachte es besonders häufig an solchen Knotenpunkten, vor allem beim Linksabbiegen.

Elektrofahrzeuge gleiten nahezu lautlos vor sich hin

Doch nicht nur am Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern liegt es, dass es so häufig zu Unfällen kommt. Enge Straßen mit parkenden Autos können gefährlich sein, Kreuzungen mit Tramgleisen oder auch enge Radwege, derer es in der Stadt viele gibt.

Besondere Unfallschwerpunkte in der Stadt sind laut der PTV-Studie zum Beispiel der Stachus, die Kreuzungen Lerchenauer-Moosacher Straße, Schleißheimer Straße/Frankfurter Ring, Dachauer Straße/Schwere-Reiter-Straße oder Landsberger Straße/Friedenheimer Brücke.

Eine weitere potenzielle Gefahren-Quelle, die nicht in der Studie erwähnt war, hat die CSU noch ausgemacht: Elektrofahrzeuge. Da diese beinahe lautlos vor sich hingleiten, könne es passieren, dass Fußgänger und Radler sie nicht bemerken, was zu Unfällen führen kann.

Manche Hersteller weisen die Fahrer von E-Autos zwar vor dem Start auf dem Display auf eben diese Gefahr hin. Dennoch wünschte sich die CSU, dass sich München nach den Erfahrungen in anderen Städten mit E-Autos erkundigt, und gegebenenfalls darauf reagiert. Der Antrag wurde vom Ausschuss mitbeschlossen.

Untätig war die Stadt bisher aber nicht. So arbeitet das KVR unter anderem an einer höheren Schulwegsicherheit, etwa durch neue Zebrastreifen, Verkehrshelferübergänge, Verkehrsinseln, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Halteverbotsregelungen sowie An- und Abfahrtszonen an Schulen.

Zudem will die Behörde vor Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen und weiteren sozialen Einrichtungen ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern umsetzen. Und sogenannte Dialog-Displays, wie es sie seit kurzem in der Rosenheimer Straße gibt, sollen vom kommenden Herbst an auch im ganzen Stadtgebiet für eine Testphase von zwei Jahren die Autofahrer vom Rasen abhalten.

Kreiverwaltungsreferent Böhle meint aber: "Leider zeigt gerade die Unfallstatistik des zurückliegenden Jahres, dass man für die Sicherheit im Straßenverkehr nie genug tun kann."

© SZ vom 25.04.2018 / SZ/haeg

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