Umweltschutz Ist Grillen schuld an der hohen Mikroplastik-Verschmutzung der Isar?

Plastikmüll an der Isar, hier am Flaucher in München. Bei starken Regenfällen kann er Kläranlagen verstopfen.

(Foto: Robert Haas)

Experten sind alarmiert: Die Isar spült große Mengen Mikroplastik von München in Richtung Donau. Woher die Teilchen kommen - eine Spurensuche.

Von Thomas Anlauf

Wenn die Isar durch München rauscht, nimmt sie eine fast unsichtbare Fracht auf. Der Stoff ist unheimlich, bislang ist noch nicht einmal geklärt, wer der Verursacher dieser Flussverschmutzung ist. Fest steht aber: In Moosburg, im Norden Münchens, ist die Menge an Mikroplastik zehnmal so groß wie an der Stadtgrenze im Süden.

Es sind kleinste Fragmente, die Forscher der Universität Bayreuth im Auftrag mehrerer Bundesländer, darunter auch Bayern, aus der Isar, der Donau und weiteren Flüssen und Bächen herausgefiltert haben. Die Studie mit dem Titel "Mikroplastik in Binnengewässern Süd- und Westdeutschlands" gilt als eine der weltweit größten Untersuchungen zum Vorkommen von Plastikpartikeln in Flüssen - und doch gibt sie, seitdem sie im März veröffentlicht wurde, Wissenschaftlern und anderen Experten Rätsel auf.

Fluss im Stress

mehr...

Aufhorchen lässt die extreme Vermehrung der Plastikpartikel zwischen der Messstelle in Baierbrunn kurz vor München und Moosburg, 45 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt, von 8,3 auf 87,9 Partikel pro Kubikmeter Wasser. Bei Deggendorf an der Mündung in die Donau wurden sogar 150,8 Partikel gezählt - der höchste in Bayern gemessene Wert. Doch woher kommen die Teilchen? Eine Spurensuche.

Tobias Ruff steht am Mittwoch an der Kläranlage Großlappen und fotografiert mit seinem Handy. Was er sieht, ist ein weißer Schaumteppich. "Das Klärwerk Großlappen ist gerade überlastet", mailt er kurz darauf. Ungeklärtes Abwasser gelange über einen Bypass an der Kläranlage vorbei in einen Zulauf in Richtung Mittlere-Isar-Kanal, erläutert der ÖDP-Stadtrat, der hauptberuflich Gewässerökologe ist. Ein paar Schritte weiter macht Ruff eine weitere Entdeckung. In einem Rechen im Zulauf hängt Müll, darunter auch viel Plastik. Bei Starkregen wie in den vergangenen Tagen kann selbst eine so große Kläranlage wie Großlappen die Wassermassen nicht mehr zurückhalten. Kot, Müll, Plastik jeder Art fließen dann ungehindert nach Nordosten und landen schließlich in der Isar.

Ist Hochwasser eine Ursache?

Ist Hochwasser also die einfache Erklärung für das viele Mikroplastik flussabwärts von München? So einfach ist es wohl nicht. Zumal der Mittlere Isarkanal erst bei Landshut in die Isar mündet, hinter der Messstelle bei Moosburg. Aber es wäre eine mögliche Erklärung für die ungewöhnlich hohen Werte bei Deggendorf.

Die Münchner Stadtentwässerung räumt ein, dass mit Filtern, wie sie auch im Klärwerk Großlappen eingesetzt sind, "allenfalls ein Teil der Mikropartikel zurückgehalten werden". Man sei als Münchner Stadtentwässerung zum Thema Mikroplastik "im ständigen Austausch mit Behörden und Fachausschüssen" und sei als assoziierter Partner an drei Forschungsprojekten beteiligt. Auf eine Anfrage der Grünen vom November 2016 teilte das Baureferat mit, dass für ein Forschungsprojekt im Ablauf des Sandfilters in Großlappen Proben entnommen worden seien. Das Ergebnis: "Es konnten keine größeren Fraktionen an Mikroplastikpartikel nachgewiesen werden. Diese Tatsache lässt sich auf die Retensionswirkung des Sandfilters zurückführen", heißt es in dem Schreiben an den Stadtrat.