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Typisch deutsch:Selbst isst der Mann

Friends drinking beer and eating together, what they have cooked model released Symbolfoto property released PUBLICATIO

Symbolfoto.

(Foto: imago images/Westend61)

Nigerianische Frauen würden niemals eine von ihm zubereitete Mahlzeit essen - da ist sich unser Autor sicher. Wie er in München dennoch zum Koch wurde.

Kolumne von Olaleye Akintola

Wenn sich ein Arbeitstag dem Ende zuneigt, kann man den Funken der Begeisterung in ihren Gesichtern sehen. Im "Schönen Feierabend" manches Kollegen schwingt Vorfreude mit. Sie freuen sich bestimmt auf das, was daheim im Kochtopf der Ehefrau gedeiht. Dachte ich lange, ehe ich sah, wie bemerkenswert gut gefüllt die Münchner Restaurants nach Feierabend stets waren - und irgendwann auch wieder sein werden. Man sieht dort ganze Gruppen von Männern, wie sie ihre Mahlzeiten verschlingen, sich manchmal die Finger ablecken und Worte verwenden wie "sehr delikat" und "ganz exquisit".

Wenn ein verheirateter Mann häufig auswärts isst, ist das in meiner Kultur eine delikate Angelegenheit. Viele würden es wohl als Anklage gegen die Ehefrau verstehen. Ich kenne aus Nigeria Ehen, da bekamen Frauen, die in der Küche abgrundtief versagt haben, die rote Karte, vor allem bei Männern, die mit ihrem Magen nicht scherzen können. Ein nigerianisches Sprichwort sagt: "Es ist eine traurige Geschichte, wenn ein Kind damit prahlt, dass sein Vater besser kocht als seine Mutter."

Ich will das keineswegs gut heißen. Führte es schließlich dazu, dass auch ich selbst nie wirklich kochen gelernt habe. Im München des 21. Jahrhunderts kommt man damit nicht weit. Wer essen will, muss auch kochen können, egal ob Mann oder Frau, verheiratet oder nicht. Ich habe zum ersten Mal Männer erlebt, die von ihren Frauen eine Liste mit Lebensmitteln bekommen haben, die sie im Supermarkt einkaufen müssen, weil sie an der Reihe sind zu kochen. Diese Männer wirken aber meist gar nicht gezwungen, sondern bisweilen gar in Vorfreude.

Man sieht sie dann mit Schürze und Schweiß auf der Stirn am Herd stehen, manchmal schreien sie, wenn ihnen beim Gemüse schnibbeln ein Irrtum unterläuft - während ihre Frauen auf dem Sofa liegen oder durch den Englischen Garten joggen. Die Frau probiert das Essen und lobt den großartigen Koch für seine gute Arbeit. Wohingegen einige nigerianische Frauen niemals eine von mir zubereitete Mahlzeit essen würden, weil man nicht darauf vertrauen kann, dass sie einen hohen Standard hat.

Inzwischen sind einige der besten Köche, die es in Bayern gibt, männlich. In den meisten Spitzenrestaurants kann man immer sehen, dass der Koch ein Mann ist und man fragt sich, warum es in dem Bereich so gut wie keine Frauen gibt. Stattdessen findet man sie in Hülle und Fülle in - so möchte man meinen - männerdominierten Berufen wie Bus- und Bahnfahrer oder Automechaniker in der Werkstatt. Sie kümmern sich um den Kühlergrill, statt den heimischen Herd zu heizen.

Manch bayerische Frau hat das Kochen nicht wie einst im Elternhaus gelernt. Ich habe eine Frau erlebt, die ihren Mann um Rat fragen musste, ob sie Wasser in den Topf geben muss, um Reis zu kochen. Oder soll ich den Reis einfach so in den Topf geben und erhitzen? Ich mache ihr keinen Vorwurf.

In Bayern habe ich nicht mehr den Luxus, von meiner Mutter oder von Freundinnen bekocht zu werden. Ich koche nun selbst, verbrenne mir manchmal die Finger an heißen Töpfen, vergesse, Salz oder Öl ins Essen zu geben. Ich schaffe es trotzdem, es so zu essen. Es sei denn, ich vergesse mein Essen nach sieben Gläsern Bier auf dem Herd. Eines bleibt: Keine Mahlzeit ist besser als jene, die von begabten Menschen zubereitet wird. Egal ob Köchin oder Koch.

Übersetzung aus dem Englischen: Korbinian Eisenberger

© SZ vom 26.03.2021/koei
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