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Tourismuswerbung:München braucht Kante

Oktoberfest 2014

"Munich Beerfest" - das kennen viele Besucher im In- und Ausland. Nun sollen sie mehr über die Landeshauptstadt erfahren.

(Foto: dpa)

Die Zahl der Gäste, die in München Urlaub machen und Geld ausgeben, wächst seit Jahren. Dennoch will die Stadt mit einer neuen Strategie ihr Image verändern. Weniger Bier, mehr Kultur - so lautet die Devise.

Noch wirbt die Stadt mit dem Slogan "München mag dich", wobei das "mag" im Markenlogo durch ein Herz ersetzt ist. Ganz schlüssig ist die Kampagne nicht, fragt sich der Feriengast doch unweigerlich, warum München ihn mögen soll, wo es ihn doch gar nicht kennt. Um ihren Feriengast also besser kennenzulernen, hat die Stadt vor einem Jahr eine Marktanalyse in Auftrag gegeben.

Das Ergebnis: Kommt ein Tourist nach München, dann vor allem wegen der Bierkultur und des Oktoberfestes - und eher nicht wegen des Kunst- und Kulturangebots. Man kann diese Erkenntnis überraschend finden oder nicht, sie ist jedenfalls Basis für die neue Münchner Tourismusstrategie, die am Mittwoch in der Trinkstube im Rathaus vorgestellt wurde.

Dass die Stadt dabei ausgerechnet in die Trinkstube und ausgerechnet zur Wiesnzeit einlädt, um ein Tourismuskonzept zu präsentieren, das Theater und Museen stärker in den Mittelpunkt stellen soll, um weg vom reinen Bier- und Wiesn-Image zu kommen, klingt etwas widersprüchlich. Man kann es aber auch auslegen wie der Zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU), der in samtroter Weste und Lederhose zur Pressekonferenz kam.

Welcher Zeitpunkt, sagte Schmid, biete sich besser für die Vorstellung eines neuen Tourismuskonzepts an, "als der Zeitpunkt des Oktoberfestes, wo eine ganz große Aufmerksamkeit auf München liegt". Die Wiesnzeit ist für Schmid also die perfekte Zeit, "um zu zeigen, dass München auch ganz andere Bereiche hat, die für den Tourismus von großer Bedeutung sind".

Was verbinden Fremde mit München?

Um das neue Konzept zu erarbeiten, hatte die Stadt für eine Marktanalyse im Herbst vergangenen Jahres 100 Experten, 600 Übernachtungsgäste vor Ort und 3200 Personen aus den für München wichtigsten Tourismusmärkten befragen lassen. Die Idee dahinter: Man wollte nicht nur herausfinden, wie die Innenansicht derjenigen ist, die München bereits kennen, sondern vor allem, was diejenigen über die Stadt denken, die München bislang nur aus der Ferne wahrgenommen haben.

Während die Kenner München als freundliche Stadt wahrnehmen, "die man nicht nur besuchen, sondern an deren Leben man auch teilhaben kann", sagte Geraldine Knudson, steht München bei den Nichtkennern zwar für das Oktoberfest, das Bier und den FC Bayern, hat ansonsten aber kaum ein touristisches Profil. Schon gar keines, das mit Kunst, Kultur und Kreativität zu tun hat. Oder wie es Tourismus-Chefin Knudson ausdrückt: München ist "keine Marke, die eine gewisse Kante hat".

Um der Stadt diese Kante zu verpassen, sollen in Zukunft diejenigen Aspekte stärker betont werden, die in der Umfrage von den München-Kennern als besonders attraktiv bezeichnet wurden. Allen voran der Aspekt, der die Stadt gerade zur Oktoberfestzeit so beliebt macht: die Möglichkeit, direkt am Leben der Münchner teilzuhaben, die Stadt also besonders authentisch zu erleben.

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