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Besuchsverbot und Aufnahmestopp:So wirken sich die Corona-Regeln auf Tierheime aus

Leopardgecko in der Auffangstation für Reptilien in München, 2020

Leopardengeckos etwa können in der Reptilienauffangstation nur noch aufgenommen werden, wenn es lebensnotwendig ist.

(Foto: Robert Haas)

Auch für die Tiere in der Reptilienauffangstation und im Tierheim Riem bedeutet die Corona-Pandemie einschneidende Veränderungen - wie bei Rex, Socke und Larry.

Socke und Rex blicken auf und fangen an zu bellen. Zum ersten Mal seit sechs Wochen kommt ein fremder Mensch an ihrem Zwinger vorbei. "An so einem sonnigen Tag würden hier Dutzende Besucher herumlaufen, um sich die Hunde anzusehen", sagt Dalia Zohni, Leiterin des Tierheims München in Riem. Am 25. März musste das Tierheim seine Türen für den Publikumsverkehr schließen. Auch ehrenamtliche Helfer dürfen seitdem nicht mehr kommen.

Nur noch wenige "Stamm-Gassigeher" verlassen das Tierheim über die kleine Brücke für einen Spaziergang. Die meisten Hunde müssen nun von den Pflegern ausgeführt werden. Zusätzliche Aufgaben, die nur möglich sind, weil die persönliche Vermittlung von Tieren weggefallen ist. Normalerweise gäbe es Vorkontrollen bei den angehenden Tierhaltern zu Hause. Ob die Wohnung sicher ist oder der Garten genug Auslauf bietet, wird nun digital kontrolliert. Bei einem Videoanruf führen die Interessenten durch ihre Räume oder schicken Fotos per E-Mail.

Sieht alles artgerecht aus, kann ein Termin zur Abholung vereinbart werden. Mit Mundschutz, aber ohne Begleitpersonen, wird das neue Haustier entgegengenommen. Das sei überhaupt erst seit 4. April wieder möglich, erzählt die Tierheimleiterin. Da habe die Politik erkannt, dass die Vermittlung von Tieren systemrelevant ist. Besucher dürfen Tierheime seit diesem Montag wieder empfangen. Auch in München ist das möglich, aber nur mit telefonischer Voranmeldung.

Unter diesen Umständen sei die Zahl der Vermittlungen, egal ob Hund, Katze oder Kleintier, zufriedenstellend, sagt Dalia Zohni. Zu Beginn der Corona-Krise fürchtete sie, dass viele Menschen ihre Haustiere im Tierheim abgeben würden, zum Beispiel ältere Menschen, die mit einer Infektion ins Krankenhaus kommen. "Glücklicherweise ist so eine Abgabewelle nicht eingetreten", sagt Zohni.

"Sorgen machen uns mehr die ausbleibenden Spenden." Die Zuwendungen decken neben Mitgliedsbeiträgen und Erbschaften etwa drei Viertel der Kosten. Hinzu kommt, dass keine Veranstaltungen mehr stattfinden, bei denen der Tierschutzverein normalerweise bedacht wird. Das Benefizkonzert im Hofbräukeller, das Frühlingsfest - alles abgesagt. Zwar dürften mittlerweile auch Tierheime Soforthilfe beantragen, sagt Ilona Wojahn, Präsidentin des Landesverbandes Bayern des Deutschen Tierschutzbundes. Jedoch könnten viele derzeit gar keinen Liquiditätsengpass nachweisen, weil die Fundtierpauschale kürzlich an die Vereine ausgezahlt wurde. Reichen müssten diese Fördermittel jedoch das ganze Jahr.

Bislang meldet das Tierheim München keinen Coronafall unter den Mitarbeitern. Das liege auch an den strengen Hygienevorschriften, sagt Dalia Zohni unter ihrer blauen Einwegmaske, während sie an den Dienstplänen feilt und Schäferhund Rex neben ihrem Schreibtisch döst. Wie im Tierheim in Riem arbeiten auch in der Auffangstation für Reptilien die Mitarbeiter in einem Zweischichtsystem. Alle sieben Tage wechseln sich die beiden Gruppen ab. Auf Spenden sind beide Vereine angewiesen. "Insgesamt machen die Spenden etwa ein Drittel unserer Einnahmen aus", sagt Tierärztin Sandra Giltner. "Da wir meistens sehr enge Jahresabschlüsse haben, sind Spenden der wichtigste Parameter. Denn die jährlichen Zuschüsse durch den Freistaat und die Kommune sind fix - egal ob es ausreicht oder nicht." Allein durch ausfallende Schulungen gehen der Auffangstation 17 500 Euro verloren. Bei diesen lernen zum Beispiel Bundeswehrsoldaten, wie sie bei einem Einsatz in Afghanistan mit Schlangen umgehen müssen.

Vermitteln kann die Reptilien-Auffangstation nur noch halb so viele Tiere wie sonst. Die Kapazitätsgrenze für nicht lebensnotwendige Aufnahmen sei erreicht, berichtet Tierärztin Giltner. Fünf der 15 Landschildkröten haben den Platzmangel wegen einer Herpesinfektion nicht bis zum Umzug in das Außengehege überlebt. Illegal gehaltene Reptilien dürfen nicht aus Privathaushalten abgeholt werden. Das schmerzt die Tierschützerin besonders. Genau wie das Leid von Lisztaffe Larry. Seit Wochen könnte man Säugetiere wie ihn an bessere Endplätze abgeben. Die Veterinärämter erteilen jedoch gerade keine Transporterlaubnis, der amtliche Tierschutz bleibt aus. So muss der hochsoziale Larry weiterhin in Isolation leben, sagt Giltner.

© SZ vom 20.05.2020/huy
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